Wirtschaft

Politiker sind erzürnt über Josef Ackermann

Die Aussagen des Deutsche-Bank-Chefs zu Griechenland geben zu reden. Und so steht der Schweizer Banker nun zum wiederholten Male im Rampenlicht.

Mit seinem Hang, die eigene Anschauung klar und ungeschminkt zum Ausdruck zu bringen stösst Ackermann das deutsche Publikum in schöner Regelmässigkeit vor den Kopf.

Mit seinem Hang, die eigene Anschauung klar und ungeschminkt zum Ausdruck zu bringen stösst Ackermann das deutsche Publikum in schöner Regelmässigkeit vor den Kopf.
Bild: Keystone

Im Berliner Regierungsviertel, bis hinauf ins Bundeskanzleramt, sind sie mal wieder schlecht auf Josef Ackermann zu sprechen. Stein des Anstosses ist diesmal Griechenland oder genauer: der wenig ermutigende Ausblick für die Hellenen, den der Chef der Deutschen Bank vor dem Fernsehpublikum ausgebreitet hat. Unverblümt äusserte Ackermann am Donnerstagabend im ZDF Zweifel daran, ob Griechenland seine Schulden je zurückzuzahlen vermöge – nachdem die Eurostaaten und der Internationale Währungsfonds mit einem 110-Milliarden-Euro-Hilfspaket eben solche Bedenken ein für allemal ausräumen wollten.

So steht der Schweizer Banker nun zum wiederholten Male im deutschen Rampenlicht. Und obwohl er es auch diesmal nicht mit einer bewussten Provokation darauf angelegt hat, polarisiert Ackermann die Öffentlichkeit erneut aufs Schärfste. Die einen werfen ihm vor, mit seinen Aussagen zu Griechenland unverantwortlich gehandelt und die Lage des maroden Mittelmeerstaats noch verschlimmert zu haben. Der Kommentator der «Financial Times Deutschland» legte Ackermann gar nahe, er «sollte einfach mal den Mund halten».

Ganz auf Abwehrarbeit verlegt

Genau mit seinem Hang, die eigene Anschauung klar und ungeschminkt zum Ausdruck zu bringen – nie polternd, laut und ausfällig, sondern ruhig, kühl und überlegt –, stösst Ackermann das deutsche Publikum in schöner Regelmässigkeit vor den Kopf. Wie zuletzt mit seinem unbeirrten Festhalten an einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent für sein Geldhaus. Oder mit seinem Eingeständnis, er würde sich dafür schämen, Staatsgelder zur Rettung der eigenen Bank anzunehmen. Der «Spiegel» fand dafür unlängst die Worte: Ackermann habe «eine unnachahmliche Art, die Deutschen an die Naturgesetze des Kapitalismus zu erinnern».

Der Schweizer verkörpert aber auch jene Bankerriege – in Deutschland als «Ackermänner» bezeichnet –, die keine Einsicht zeigt in eigenes Fehlverhalten und in branchenweite Fehlentwicklungen, wie sie zur Finanzkrise entscheidend beigetragen haben. Und was manche deutschen Politiker im Fall von Ackermann besonders in Rage bringt: So freimütig er seine Meinung ansonsten kundtut, so wortkarg ist er geblieben, als es darum ging, Reformvorschläge für einen stabileren Bankensektor vorzulegen. Wie seine Kollegen im In- und Ausland verlegte er sich ganz auf die Abwehrarbeit, unter stetem Hinweis auf die Negativfolgen für die Bankgewinne. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.05.2010, 07:18 Uhr

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