Postfinance wächst – auch ohne Banklizenz

Von Bruno Schletti, Bern. Aktualisiert am 17.06.2009 1 Kommentar

Die Politik verwehrt Postfinance die Banklizenz. Den Kunden ist das egal. Sie laufen auch so in Scharen zur Postbank über.

Kundenansturm: Die Berater der Postfinance arbeiten teilweise am Limit.

Kundenansturm: Die Berater der Postfinance arbeiten teilweise am Limit. (Bild: Keystone)

Über 300'000 Kontoeröffnungen zählte Postfinance 2008. Auch im neuen Jahr sind es bereits wieder mehr als 100'000. Der Zustrom neuer Kunden hat sich zwar leicht abgeschwächt, hält aber an.

Vor diesem Hintergrund nimmt Postfinance-Chef Jürg Bucher den Entscheid des Ständerats gelassen, die Banklizenz zu verweigern. «Die Hauptsache ist, dass die Kunden zu uns kommen.» Wohl unterstütze der Bundesrat mit seiner Botschaft zur Revision des Postgesetzes auch Postfinance. «Er verpasst aber den letzten Schritt» – die Erteilung der Lizenz und damit die Ausweitung der Geschäftstätigkeit auf Hypotheken und Kredite. Bucher zuckt die Schultern: «Postfinance wächst – mit oder ohne Banklizenz.»

Kundenbetreuer am Limit

Bucher bestreitet, dass er am Zustrom neuer Kunden auch leidet. Er und Armin Brun, verantwortlich für Markt und Vertrieb, räumen aber ein, dass ihre Kundenbetreuer phasenweise am Limit arbeiten. Zwischen 40'000 und 50'000 Kunden rufen im Durchschnitt pro Woche den Kundendienst an. In Spitzenzeiten sind es auch einmal 80'000. Ziel ist es, dass kein Anrufer länger als 22 Sekunden warten muss, bis er mit einer Auskunftsperson verbunden wird. In den ersten Monaten des laufenden Jahres wurde diese Vorgabe wegen des Ansturms klar verpasst. Jeder fünfte Anrufer kreiste länger in der Warte-schlaufe.

Postfinance ist in der Schweiz der einzige Finanzdienstleister, den man rund um die Uhr und sieben Tage in der Woche telefonisch kontaktieren kann. Am meisten Anrufe gibt es immer Anfang Monat. Dann häufen sich die Fragen zu den neuen Kontoauszügen. Aber auch Schlagzeilen über die gebeutelte Konkurrenz lassen die Kunden zum Hörer greifen. Jürg Bucher: «Immer, wenn bei der UBS oder anderen Finanzinstituten neue Probleme auftauchten, sind bei uns die Telefone heiss gelaufen.» Die Folge: Postfinance schafft neue Arbeitsplätze. Die gut 200 Vollzeitstellen im Kundendienst werden auf 290 aufgestockt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.06.2009, 22:51 Uhr

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1 Kommentar

Gustav Habegger

18.06.2009, 18:39 Uhr
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Was eigentlich nur zeigt, dass Bundesrat und Parlament "am Markt vorbei politisieren". Bedenklich, dass man in schwierigen Zeiten nicht bereit ist, pragmatische Lösungen zu ermöglichen. Gute Würfe habe ich schon lange nicht mehr gesehen .... Antworten



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