Wirtschaft
Radikale Lösung: 50-Prozent-Steuer auf Boni
Aktualisiert am 09.12.2009 63 Kommentare
Streicht den Bankern in Grossbritannien die Boni zusammen: Finanzminister Alistair Darling. (Bild: Reuters)
Artikel zum Thema
- Boni bei Schweizer Firmen am verbreitetsten
- Banker erhielten im Schnitt 45'000 Franken Boni
- Briten wollen Boni der Bankmanager begrenzen
Stichworte
Banken in Grossbritannien sollen für Boni an ihre Angestellten eine Sondersteuer zahlen. Mit dem Geld will der Staat den Arbeitsmarkt wieder in Schwung bringen.
Die Sondersteuer gelte «für alle Banken im Vereinigten Königreich» bis zum 5. April 2010, sagte Finanzminister Alistair Darling am Mittwoch bei der Vorlage des Zwischen-Haushaltes im Unterhaus in London.
Boni von über 25'000 Pfund (rund 41'800 Franken) werden demnach mit einer einmaligen Steuer von 50 Prozent belegt. Der britische Staat verspreche sich durch die Sonderabgabe Einnahmen von bis zu 550 Millionen Pfund, womit unter anderem Arbeitslose wieder in die Beschäftigung gebracht werden sollen.
Da alle profitierten sollen alle zahlen
Es sei auch zunächst die Idee diskutiert worden, die Abgabe nur von Banken einzufordern, die in der Finanzkrise Staatshilfe erhalten hätten.
Dies habe die Regierung jedoch schliesslich abgelehnt, um nicht jene Institute zu bestrafen, die an der Sanierung ihrer Bilanzen arbeiteten, sagte Darling. Auch habe für die zusätzlich Besteuerung aller Banken gesprochen, dass die gesamte Branche von den Staatshilfen für Institute profitiert habe, die in Schieflage geraten sind - «direkt oder indirekt».
Trotz der Probleme des Finanzsektors glaubten aber auch heute noch viele Geldhäuser, dass es ihre «Hauptaufgabe ist, beträchtliche Boni an ihre Angestellten zu zahlen, die ohnehin schon überdurchschnittliche Gehälter bekommen», sagte Darling.
Deswegen habe er die Institute vor die Wahl gestellt: Entweder sie nutzten ihre Gewinne um ihr Kapital aufzubessern, oder er hole sich von den Instituten Geld zugunsten der Steuerzahler.
Die Opposition kritisierte die Massnahme als Populismus. Die Finanzbranche hatte sich im Vorfeld heftig gegen die Abgabe gewehrt. Der Verband der Bankbeschäftigten warnte vor einem Abzug der Finanzbranche aus der Londoner City, die Banken befürchten nach eigenen Angaben den Verlust ihrer besten Mitarbeiter.
Krise tiefer als erwartet
Darling räumte derweil ein, dass die Krise und das Haushaltsdefizit tiefer seien als erwartet. Er gehe jedoch davon aus, dass die Wirtschaft vom kommenden Jahr an wieder wächst. Grossbritannien ist mit Spanien das letzte grosse EU-Land, das noch in der Rezession ist.
Darling sagte, die Wirtschaftsleistung werde dieses Jahr um 4,75 Prozent sinken und nicht um 3,5 Prozent wie im April bei Beginn des Finanzjahres angekündigt. Auch die Neuverschuldung ist höher als vorausgesagt: Sie liegt in diesem Jahr bei 178 Mrd. Pfund, 3 Mrd. Pfund höher als zuvor angenommen.
Damit liegt das Defizit Grossbritanniens bei 12,6 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP). Bis zum Jahr 2014/15 soll es 4,4 Prozent betragen. Doch auch damit liegen die Briten noch über dem EU- Limit von 3,0 Prozent.
Die Labour-Regierung steht unter verschärften Druck, ihr Versprechen einzuhalten, das Defizit in den kommenden vier Jahre zu halbieren. Es ist der letzte Zwischen-Haushaltsbericht vor den anstehenden Parlamentswahlen. Diese müssen bis spätestens Juni 2010 stattfinden. (bru/sda/ap)
Erstellt: 09.12.2009, 16:35 Uhr
Kommentar schreiben
63 Kommentare
Populistische Augenauswischerei ist doch das. Dann "zahlen" die Banken den Grossteil der Boni in Wertpapieren wie es die CS es schon seit Jahren macht. Grossbritanien wird sich auch nie voll in die EU einbringen - mit dem Euro. Ihre ehemalige Kolonie nimmt sie sicher noch als 51. Bundesstaat auf. Antworten
Wirtschaft
- 20:38Novartis-Präsident Vasella kritisiert die Einwanderungspolitik
- 16:29Swisscom-Chef: «Den Meisten sind Roaming-Gebühren egal»
- 13:17So günstig zum Eigenheim wie nie
- 22:09Bund prüft Abschottung des Schweizer Kapitalmarkts
- 12:15Das sind die demokratischsten Firmen der Schweiz
- 10:16UBS verliert bis zu 30 Millionen Dollar bei Facebook-Börsengang
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!



