Wirtschaft
Renten: Was bei Georg Fischer anders ist
Von Marc Badertscher und Rita Flubacher. Aktualisiert am 09.05.2009 6 Kommentare
Als erste Firma der Schweiz kürzt der Schaffhauser Industriekonzern die Renten seiner Pensionierten. Der Grund: Die Pensionskasse steht massiv unter Druck. Gegenwärtig sind die Guthaben der Pensionierten und Arbeitnehmenden nicht mehr vollständig gedeckt. Ab Juni werden deshalb die Renten von 770 ehemaligen Mitarbeitenden um 6,1 Prozent gekürzt, wie «Blick» berichtet.
Das Thema ist in der Krise aktuell. «Überall in der Branche spricht man über die Möglichkeit, die Renten zu kürzen», sagt Pensionskassen-Fachmann Martin Janssen. Auch ein Pensionskassenleiter bestätigt, dass er unter seinesgleichen zuletzt öfters darüber debattiert hat.
Offenbar sind die Gespräche vorderhand theoretischer Natur. Ob bei Siemens, Rieter oder anderen von der Krise gebeutelten Unternehmen: Keine vom «Tages-Anzeiger» befragte Pensionskasse zieht nach. Überall heisst es: «Keine Notwendigkeit», «Thema ist nicht auf der Traktandenliste».
Dabei stehen die Kassen oftmals sehr schlecht da. Drei von vier Vorsorgeeinrichtungen wiesen Ende März eine Unterdeckung auf. Bei 27 Prozent sind die laufenden und künftigen Rentenzahlungen gar zu weniger als 90 Prozent gedeckt.
Bei 35 Kassen droht harte Sanierung
Doch um Rentenkürzungen zu rechtfertigen, muss die Pensionskasse auch eine ungünstige Altersstuktur aufweisen. Problematisch wird es, wenn einem aktiven und damit einzahlenden Arbeitnehmenden bereits ein Rentner gegenübersteht. Konkrete Zahlen liefert das Bundesamt für Sozialversicherungen. Von 1900 untersuchten Pensionskassen (das sind fast alle Kassen in der Schweiz) weisen nur gerade 35 eine grobe Unterdeckung und gleichzeitig hohe Verpflichtungen gegenüber den Rentnern auf. Bei diesen 35 Kassen drohen harte Sanierungsmassnahmen.
Doch selbst in diesen Fällen sind Rentenkürzungen nicht überall möglich. Von Gesetzes wegen darf das nur geschehen, wenn die ursprünglichen Renten in der Vergangenheit der Teuerung angepasst worden sind. Bei Georg Fischer war das der Fall, nicht aber bei der Post, der SBB und nur sehr eingeschränkt bei der Sammelstiftung Ascoop – alle Sorgenkinder und Mitglieder der 35er-Gruppe. Im Bundesamt heissts: «Es gibt keine Anzeichen, dass uns unterstellte Pensionskassen Rentenkürzungen ins Auge fassen», sagt Josef Steiger bei der Bundesaufsicht. Im Kanton Zürich haben die Behörden ebenfalls noch keine Indizien für weitere Fälle.
«Absoluter Einzelfall»
«Georg Fischer ist ein absoluter Einfall», sagt Werner C. Hug, Sozialversicherungsexperte und Publizist. +GF+ weise viel mehr Rentner auf als andere Pensionskassen und habe deshalb zum Letzten greifen müssen.
Dahinter verbirgt sich die Frage der Opfersymmetrie: Wer soll die Lasten der Sanierung tragen? In der letzten Krise 2001 übernahmen die Arbeitgeber 50 Prozent davon. Ob sie dies in der jetzigen Krise wieder tun können und wollen, ist fraglich. Die Arbeitnehmenden werden derzeit mancherorts bereits mit Null-Verzinsungen zur Kasse gebeten. Es bleiben noch die Rentner.
Entwicklung des Finanzmarktes entscheidet
Mitentscheidend dürfte sein, ob sich die Finanzmärkte in nächster Zeit weiter erholen werden. Wenn das nicht der Fall sein sollte, würde der Sanierungsbedarf rasch zunehmen. «Die Stiftungsräte müssen gegenüber den Arbeitnehmenden dann gut begründen, wenn sie die Rentner nicht in die Sanierung mit einbeziehen wollen», sagt Erich Peter von der Aufsicht des Kantons Zürich.
Längerfristig dürfte das Thema an Brisanz gewinnen. «Wenn die Leute älter werden und die Kapitalmärkte weniger abwerfen, dann ist es richtig, mindestens die neuen Renten zu kürzen. Es wird passieren», prophezeit Janssen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.05.2009, 00:44 Uhr
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6 Kommentare
die wahrheit, wenn es um die rente geht sorgen alle die mit der PK zu tun haben zuerst für sich spesen, sitzungsgelder, gewinne einstecken, verluste weiter geben und und ....für ihre glanzarbeit. was dann noch übrig bleibt von dem sollen die rentner dann darben. bei der PK ist der eigennutz an erster stelle wenns ums geld wieso haben wir so viele PK & verwalter &...... mit dem segen der regierung Antworten
Na Bravo, nachdem ich in den letzten 10 Jahren etwa 60 Franken mehr Witwenrente erhalten habe, kann mir also die Rente von 530 Franken wieder auf 470 herabgesetzt werden. Die verbilligten Reka/Checks (Mehrwert 200 Franken/Jahr) sind von Lever dies Jahr schon gestrichen worden - still und leise. Diejenigen mit den grossen Renten jammern aber am meisten. Antworten
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