Rettung des Finanzsystems kostet Washington neunmal so viel wie der Irakkrieg

Die amerikanische Regierung ist bereit, für die Rettung des Finanzsystems mehr als 7400 Milliarden Dollar aufzubringen - eine Zahl so hoch wie die Hälfte des Bruttoinlandprodukts der USA.

Das amerikanische Rettungspaket im Vergleich

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Es ist eine schwindelerregende Zahl: 7400 Milliarden (oder anders ausgedrückt 7'400'000'000'000 oder 7,4 Billionen Dollar) ist die amerikanische Regierung bereit, für die Rettung des Finanzsystems aufzubringen. In der Zahl enthalten sind laut der Nachrichtenagentur Bloomberg 2800 Milliarden an bereits abgerufenen Krediten für Finanzinstitute.

Bei der Rettungsaktion kommen 4400 Milliarden Dollar oder 60 Prozent der Gesamtsumme von der Notenbank. Das vom Kongress verabschiedete Sanierungsprogramm für die Banken (TARP) nimmt sich mit 700 Milliarden dagegen schon bescheiden aus. Die Summe von 7400 Milliarden Dollar entspricht einem Betrag von 24'000 Dollar für jeden amerikanischen Bürger. Sie ist neunmal so hoch wie die Ausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan zusammen und würde ausreichen, um mehr als die Hälfte aller Hypothekendarlehen in den USA abzuzahlen.

«Schlimmste Krise der Geschichte»

Vom Umfang her mit der aktuellen Rettungsaktion mithalten kann nur noch knapp der von Präsident Franklin D. Roosevelt in den Dreissigerjahren eingeführte New Deal, der nach dem Zusammenbruch von 10'000 Banken die amerikanische Wirtschaft wieder auf Trab bringen sollte. Für die Rettung der ins Trudeln geratenen Sparkassen in den Neunzigerjahren legte die damalige Regierung nach heutigem Wert nur gerade 210 Milliarden Dollar hin, wie aus einem Bericht des US-Rechnungshofes von 1996 hervorgeht.

Das jetzt vorgesehene Volumen ist für Ethan Harris der Gefahr angemessen. «Das ist die schlimmste Kapitalmarktkrise der modernen Geschichte», erklärt der Co-Leiter der Volkswirtschaftlichen Analyse bei Barclays Capital. «Deswegen gibt es den stärksten staatlichen Eingriff der modernen Geschichte.»

Viel höhere Beträge als angekündigt

Als der Kongress das sogenannte Troubled Asset Relief Program am 3. Oktober verabschiedete, hatten Notenbankchef Ben S. Bernanke und Finanzminister Henry Paulson eingeräumt, dass hierbei Transparenz und Aufsicht nötig seien. Jetzt vergeben die Behörden jedoch sehr viel höhere Beträge und legen weder Kreditempfänger noch Kreditsicherheiten offen. Das erregt den Zorn einiger Parlamentarier. «Ob Kredite oder Staatsausgaben, hier werden Steuergelder verwendet und wir sitzen am Ende mit Sicherheiten da, über die wir nichts wissen», kritisiert der republikanische Kongressabgeordnete Scott Garrett. «Es ist Zeit zu prüfen, welche Beschränkungen wir der Fed auferlegen sollten, damit die Entscheidungen wieder von gewählten und nicht von eingesetzten Amtsträgern getroffen werden.»

Gesteuert werden die Ausgabenprogramme zum grössten Teil von der Federal Reserve Bank of New York, deren Präsident Timothy Geithner der nächste Finanzminister der USA sein wird. Begonnen hat es mit der Einführung der Term Auction Facility im vergangenen Dezember, die Kredite an Geschäftsbanken gegen Sicherheiten vergab. Nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Bear Stearns im März stellte das Federal Rerserve auch Investmentbanken Kredite zu den gleichen Konditionen wie den Geschäftsbanken zur Verfügung.

Notenbank leiht 1900-mal so viel wie normal

In den drei Jahren vor Beginn der Kreditkrise liehen sich die Banken im Schnitt wöchentlich 48 Millionen Dollar. Vergangene Woche lag die Ausleihungsssumme bei 91,5 Milliarden - rund 1900- mal so viel. Im September, nach der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers, führte das Federal Reserve die Commercial Paper Funding Facility sowie die Money Market Investor Funding Facility ein. Beide Programme haben rund 2400 Milliarden Dollar für den Aufkauf von kurzfristigen Anleihen zugesagt.

Von der Einlagensicherung FDIC kommen weitere Zusagen im Sanierungspaket. Sie gibt Garantien in Höhe von 1400 Milliarden ab. So arrangierte die FDIC Kreditgarantien in Höhe von 139 Milliarden für die Finanztochter von General Electric. Kongress und Finanzministerium bringen 892 Milliarden Dollar in das Rettungspaket ein.

Tiefere Zinsen für die Banken

Die Federal Housing Administration hat im Rahmen des Rettungspakets die Befugnis erhalten, Hypothekendarlehen im Volumen von 300 Milliarden Dollar zu garantieren. Die staatlichen Garantien sorgen dafür, dass Geldhäuser aufgrund der besseren staatlichen Bonität weniger Zinsen für Kredite zahlen müssen.

Insgesamt würden die Massnahmen Subventionen von mindestens 6,6 Milliarden jährlich entsprechen, geht aus Berechnungen von Bloomberg hervor. Darüber hinaus haben Bernanke und Paulson bis zu 200 Milliarden für die Sanierung der inzwischen verstaatlichten Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac zugesagt. (se/Bloomberg)

Erstellt: 25.11.2008, 11:08 Uhr

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14 Kommentare

Hans-Jürgen Klaussner

25.11.2008, 18:54 Uhr
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Wir erleben hier die Aufdeckung einer grossen Lüge. Sparen sei gut. Im Schuldgeld-System mit Zinsverpflichtung ist Sparen tödlich. Diese Ausgaben der Notenbanken sind die über die letzten 15 Jahre Eingesparten neuen Kredite oder die eingesparte Neuverschuldung der Staaten. Heute rächt sich dieses Sparen. Warum sehen sie unter www.sternentor-park.ch Lesen Sie die Lösung eines Weltproblems Antworten


Samuel Staffelbach

25.11.2008, 15:13 Uhr
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Solange das Fiat-Money-System ohne Edelmetalldeckung und mit Zinseszins Bestand hat wird es immer so weitergehen und immer wieder Crashs geben. JEDES Fiat-Money-System geht immer zugrunde, das hat die Geschichte gelehrt. Das einzige System das längerfristig funktionierte, ist ein Gold-Silber-Standard, aber nicht staatlich, sondern privat. Aber da können nicht viele reich werden! That's it! Antworten


Andreas Witschi

25.11.2008, 14:28 Uhr
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Damit solche irrsinnigen Krisen nicht wieder ausbrechen und in Kriege zu münden drohen, müssten im Fach Volkwirtschaftslehre die ausführlich niedergeschriebenen Prinzipien der HuMan Wirtschaft von Hans-Jürgen Klaussner geschult werden. Die HuMan Wirtschaft ist frei von Geldverknappung und vom Zinsproblem, was beides immer zerstörerisch enden muss, und die alten Fehler spät. alle 70 J. wiederholt. Antworten


Thomas Allmendinger

25.11.2008, 13:54 Uhr
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@Bastian B.: Bei Vergleichen mit der Weltwirtschaftskrise nach 1929 muss man vorsichtig sein, auch wenn eine gewisse Ähnlichkeit vorliegt. So gab es damals namentlich in Europa grossen Mangel als Folge des ersten Weltkriegs, verbunden mit Inflation. Heute herrscht Überfluss, und man hat versucht, das Wachstum mittels Konsumkrediten aufrecht zu erhalten. Das ist die wahre Ursache der jetzigen Krise Antworten


L Grob

25.11.2008, 13:37 Uhr
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Es hat keinen Zweck, ein System mit aller Macht reparieren zu wollen, das offensichtlich nicht richtig funktioniert. Wie bereits erwähnt wurde, wird der Schuldenberg niemals abgetragen werden können, auch wenn ein grosser Teil dieses aktuellen Pakets nur aus Garantien besteht. Es kann doch irgendetwas nicht stimmen, wenn jedes Land, selbst die Schweiz, Schulden hat und das ein Normalzustand ist... Antworten


Patrick Weisskopf

25.11.2008, 13:15 Uhr
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Die eigentliche Ursache der ab 1919 (2008) schon beginnenden Hyperinflation war der bedenkenlose Umgang mit der Geldpresse in den Anfangsjahre der Weihmarer Republik (USA). Ihre Vorgeschichte findet sich in der Finanzierung desersten Weltkrieges ( der Immobilenhypotheken). Mit dem Ende des Krieges 1918 (Hypoblase 2007) hatte die Mark (US-Dollar) bereits mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren. Antworten


Werner Meier

25.11.2008, 13:13 Uhr
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Und wieso spricht hier niemand von den irrsinnigen Massnahmen der Schweiz? Verglichen zum BIP sind die noch viel höher als die bisherigen Kosten der Pakete in den USA! 68 Mia. und das ist noch nicht alles! Auch etwa 60% der SNB Bilanz! Ca. 15% des BIP der Schweiz. Alles erst für die UBS. Gelder für andere Banken und Konjunkturspritzen noch nicht gezählt! Wacht auf, Schweizer! Antworten


Bastian B.

25.11.2008, 13:11 Uhr
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Es war scho alles einmal da, mann muss nur in die Geschichtsbücher schauen: Great Depression (http://de.wikipedia.org/wiki/Great_Depression). Auf einen unregulierten Kapitalismus folgt eine Finanzkrise, darauf eine Weltwirtschaftskrise und zum Schluss ein Krieg. Antworten


Thomas Allmendinger

25.11.2008, 12:59 Uhr
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Beim Lesen solcher "Rechnungen" bekomme ich ein arithmetisches Problem, welches auf die Frage hinausläuft, wo denn dieses ganze Geld herkommen soll. Mehr Staatsausgaben bei weniger Steuern - wie soll das aufgehen? Staatsanleihen können es bei der bisherigen US-Sparquote Null auch nicht sein. Das geht wohl nur so, dass die Notenbank laufend Geld druckt und "ausleiht", ohne es je zurück zu bekommen. Antworten


Peter Meier

25.11.2008, 12:55 Uhr
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Amerika hat den vollen ernst der Lage begriffen und ist bereit total umzusteuern. Das sollte man auch von den anderen Volkswirtschaften erwarten dürfen. Hier geht es ums Ganze. Antworten


Roland Teuschel

25.11.2008, 12:37 Uhr
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Es ist klar, daß die USA diesen gewaltigen Schuldenberg niemals abbezahlen können. Und was dann? Antworten


Daniel Peter

25.11.2008, 11:40 Uhr
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Man sollte endlich damit aufhören, diese absurden Zahlenspiele zu machen. Der Grossteil der vorgerechneten Summe besteht aus Garantien und kostet den Steuerzahler a priori einmal nichts, solange nicht das ganze Finanzsystem zusammenbricht, was aufgrund der Staatsaktionen nicht passieren wird. Antworten


John Doze

25.11.2008, 11:30 Uhr
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Eigentlich kann ja nichts schiefgehen, die Leute verschwinden ja nicht einfach so vom Angesicht der Erde. Oder anders Ausgedrückt: Alle arbeiten und niemand hat Geld, das ist das wirkliche Problem! Antworten


A O

25.11.2008, 11:18 Uhr
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Amerika versucht zu retten was noch zu retten ist. Was ist, wenn es trotz allen Versuchen nicht klappt? Wenn die Löcher von Kreditkarten in den Markt hauen, dann kann es ziemlich schnell ziemlich düster aussehen. Irgendwann wird auch Amerika einsehen müssen, dass das Geld schlichtweg nicht mehr ausreicht um alles zu retten, dann wird man einsehen, dass alles eingepumpte Geld vernichtet wurde... Antworten



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