Wirtschaft
Riesige Spannungen im Krankenkassenverband
Von Iwan Städler. Aktualisiert am 28.06.2011 12 Kommentare
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Anfang April hielt Verbandsdirektor Stefan Kaufmann an einem Krankenkassen-Kongress einen Vortrag mit dem Titel «Santésuisse in der Zerreissprobe zwischen den Krankenversicherern». Wenige Tage später wurde bekannt, dass Verbandspräsident Claude Ruey den Bettel hinwirft. Der FDP-Nationalrat sagte der Westschweizer Tageszeitung «Le Temps», das Amt eigne sich für einen Winkelried oder einen Kamikaze. Einen Nachfolger hat der Verband noch nicht gefunden.
Stattdessen folgte gestern Montag ein weiterer Rückschlag: Sanitas teilte mit, sie werde den Verband per Ende Jahr verlassen. Damit verabschiedet sich der sechstgrösste Krankenversicherer mit rund 600 000 Mitgliedern. «Wir fühlten uns in wichtigen Fragen zunehmend nicht mehr vertreten», sagt Sprecherin Isabelle Vautravers. Sanitas plädiere für mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen und habe sich damit im Verband zunehmend in der Minderheit gesehen.
Verband fehlt nun eine Million
Dem Vernehmen nach störte sich Sanitas-Chef Otto Bitterli an den Leitlinien, die sich der Verband vor einem Jahr gegeben hatte, um den lädierten Ruf der Branche zu verbessern. Santésuisse beschloss laut Verbandsdirektor Kaufmann eine «Abkehr vom Prämienwettbewerb hin zu einem echten Leistungs- und Servicewettbewerb durch einen verfeinerten Risikoausgleich». Auch das Telefonmarketing und Maklerprovisionen in der Grundversicherung wurden beschränkt.
Sanitas gelangte jetzt zum Schluss, so könne man sich den Verbandsbeitrag von gut einer Million Franken sparen. Man werde aber auch in Zukunft auf Telefonabwerbungen verzichten, sagt Sprecherin Vautravers, schliesslich habe man das Gentlemens Agreement unterschrieben.
Helsana will nichts versprechen
Verbandsdirektor Kaufmann bedauert den Austritt von Sanitas und geht davon aus, dass es keine Nachahmer geben wird. Sicher sein kann er aber nicht. Insbesondere die Marktführerin Helsana liebäugelt offenbar ebenfalls mit einem Abgang. Helsana-Präsident Thomas Szucs sagte Ende April auf die Frage der «Handelszeitung», ob die Kasse Santésuisse verlassen wolle: «Wenn es bessere Optionen gibt, muss man diese in Betracht ziehen.»
Was die Tarifverhandlungen betrifft, ist Helsana zusammen mit Sanitas und KPT bereits ausgestiegen. Die drei setzen seit Anfang dieses Jahres nicht wie die anderen Kassen auf die Santésuisse-Tochter Tarifsuisse, sondern auf eine eigene Einkaufsgesellschaft. Als Verbandsmitglied hingegen bleibt Helsana zumindest nächstes Jahr noch an Bord. Und danach? «Mittelfristige Prognosen möchte ich nicht anstellen», sagt Helsana-Sprecher Rob Hartmans.
Auch die Groupe Mutuel, so ist zu hören, könnte sich irgendwann verabschieden. Vorerst aber bleiben noch alle grösseren Kassen – ausser Sanitas und der Westschweizer Billigkasse Assura – im Verband, wie eine Umfrage des TA ergab. Letztere hat Santésuisse bereits vor drei Jahren verlassen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.06.2011, 08:58 Uhr
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12 Kommentare
Das ganze System ist überflüssig wie ein Kropf. Ein ganzer Speckgürtel von Kässeliverwalter inklusive bestbezahlte CEOs und VRs zocken unsere Beitragsgelder ab. Mit der längst überfälligen Einführung der Einheitskasse könnten locker hunderte von Millionen Franken eingespart werden. Nur bringt leider niemand in Bern den Mumm auf diesen Pseudo-Wettbewerbs-Unfug endlich zu beenden. Jämmerlich. Antworten
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