Roche-Aktie stürzt um mehr als 4 Prozent ab

Eine Milliarde Franken weniger Gewinn, als Analysten erwartet hatten: Die Reaktion der Anleger auf die Jahreszahlen von Roche ist heftig.

Die Unternehmenszahlen stagnieren auf hohem Niveau:  Der Roche-Turm, der neue Hauptsitz von Roche. (18. September 2015)

Die Unternehmenszahlen stagnieren auf hohem Niveau: Der Roche-Turm, der neue Hauptsitz von Roche. (18. September 2015) Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Der Pharmakonzern Roche hat im vergangenen Geschäftsjahr 9,056 Milliarden Franken Gewinn gemacht. Das ist zwar weniger als im Vorjahr, doch ohne den negativen Währungseinfluss ist das ein Plus von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch der konzernweite Umsatz von 48,145 Milliarden Franken legte nach konstanten Währungen um 5 Prozent zu. In Franken gerechnet wuchs der Umsatz jedoch nur um 1 Prozent.

Zum Umsatzwachstum trugen massgeblich die Verkäufe der Division Pharma in den USA sowie die Nachfrage nach Produkten der Immundiagnostik bei, teilte Roch heute mit. Dabei wuchs die stärkere Division Pharma mit einem Umsatz von 37,331 Milliarden Franken nach konstanten Währungen um 5 Prozent. Hauptwachstumsträger seien dabei die Krebsmedikamente wie Herceptin oder Avastin gewesen. Zum Wachstum beigetragen haben mit den USA, Europa, Brasilien, China oder Japan sämtliche Regionen.

Roche hat mit den heute bekannt gegebenen Zahlen mehr als eine Milliarde weniger verdient als die vom Wirtschaftsnachrichtendienst AWP befragten Analysten im Schnitt erwartet hatten. Demnach rechneten sie mit einem Jahresgewinn von 10,2 Milliarden Franken.

Die erste Börsenreaktion fiel denn auch negativ aus. Zum Handelsbeginn ab 9 Uhr fielen die Genussscheine von Roche um rund 3 Prozent auf 260 Franken. Später sank der Kurs noch weiter, die Papiere notierten um 13 Uhr mehr als 4 Prozent im Minus bei noch 257 Franken.

«Gute Entwicklung» der Immundiagnostik

Die Division Diagnostics erwirtschaftete einen Umsatz von 10,814 Milliarden Franken, nach konstanten Währungen ein Plus von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dieses Wachstum sei vor allem der «guten Entwicklung in der Immundiagnostik» zu verdanken, teilte der Konzern mit.

Massgeblich zur Umsatzsteigerung in dieser Division beigetragen haben die Regionen Asien-Pazifik und Europa mit Nahost und Afrika, während die Umsätze in Nordamerika um moderate 3 Prozent stiegen und Japan stagnierte.

Diese Zahlen entsprechen der Prognose, die Roche Ende Oktober bei der Vorlage des 9-Monats-Ergebnisses vorgelegt hatte. Roche hatte damals für das Gesamtjahr einen Umsatzzuwachs zu konstanten Wechselkursen im mittleren einstelligen Bereich vorhergesagt und den Gesamtausblick damit erhöht.

In Franken resultiert eine Gewinneinbusse

Weniger positiv zeigte sich das Geschäftsjahr 2015 mit Blick auf die Währungseinflüsse. In der Betrachtung nach der Berichtswährung legten die konzernweiten Umsätze lediglich um 1 Prozent zu, die der Division Pharma um 2 Prozent. Die Umsätze der Division Diagnostics haben stagniert.

Und der Konzerngewinn (nach IFRS) hat gar um 5 Prozent abgenommen. Roche hatte Ende Oktober die möglichen negativen Wechselkurseinflüsse weniger ausgeprägt eingeschätzt als noch bei der Vorlage der Halbjahreszahlen. Nun zeigt sich, dass der starke Franken beim Schweizer Pharmariesen die Gewinne deutlich schmälert.

Roche-Chef zufrieden

Dennoch lässt sich CEO Severin Schwan in der Mitteilung zitieren, dass 2015 ein «erfolgreiches Jahr mit starken Geschäftsergebnissen bei Pharma und bei Diagnostics» gewesen sei. Er sei «sehr zufrieden» mit den Fortschritten in der Produkte-Pipeline. «Wir haben wichtige klinische Daten in den Bereichen Krebs, multiple Sklerose, Immun- und Bluterkrankungen präsentiert», erklärte Schwan im Communiqué. Deshalb sieht er Roche mit seiner Pipeline «sehr gut» für die Zukunft aufgestellt.

Der Verwaltungsrat unter Leitung des einstigen Lufthansa-Managers Christoph Franz beantragt zuhanden der Generalversammlung am 1. März, die Dividende für die Aktionäre von 8 auf 8,10 Franken zu erhöhen. Damit würden zum 29. Mal in Folge die Aktionäre mit einer Dividendenerhöhung bei Laune gehalten. Für das angelaufene Geschäftsjahr 2016 stellt Roche ein Umsatzwachstum im tiefen bis mittleren Bereich zu konstanten Wechselkursen in Aussicht. (rub/sda)

(Erstellt: 28.01.2016, 07:16 Uhr)

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Roche-Chef verdient mehr als Novartis-Chef

Severin Schwan, CEO von Roche, verdiente im abgelaufenen Geschäftsjahr 11,95 Millionen Franken. Im Jahr davor waren es 11,99 Millionen gewesen. Sein Grundgehalt blieb stabil bei 4 Millionen Franken. Das Gremium der Roche-Geschäftsleitung wurde 2015 insgesamt mit 41,2 Millionen Franken vergütet, wie im Geschäftsbericht mitgeteilt wird. Im Vorjahr waren es 42,9 Millionen Franken gewesen.

Der ehemalige Lufthansa-Manager und Roche-Verwaltungsratspräsident Christoph Franz bezog für 2015 insgesamt 5,7 Millionen Franken. Im Vorjahr hatte er 4,0 Millionen bekommen. Allerdings hatte er den Posten als Verwaltungsratspräsident erst im März angetreten.

Bei Novartis, dem anderen Basler Pharmariesen, der am Mittwoch mit der seinen Zahlen für 2015 enttäuscht hatte, bezog der CEO Joseph Jimenez mit 11,6 Millionen Franken etwas weniger als der Roche-Chef. Novartis-Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhardt bezog 3,8 Millionen Franken und damit markant weniger als sein Kollege von Roche. (sda)

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