Wirtschaft

Rolex kauft eigene Uhren zurück

Zu viele Uhren für zu wenige Käufer: Bei Rolex wächst die Angst vor Dumpingpreisen. Nun nimmt der Uhrenhersteller den Händlern die Ware wieder ab.

Viele potenzielle Kunden schauen nur, statt zu kaufen: Rolex spürt die Krise.

Viele potenzielle Kunden schauen nur, statt zu kaufen: Rolex spürt die Krise.
Bild: Keystone

Rolex: Grösster Arbeitgeber in Genf

Seit Anfang Jahr steht der 58-jährige Banker Bruno Meier an der Spitze des Uhrenherstellers. Rolex beschäftigt weltweit 6000 Angestellte, 3500 davon alleine in Genf. Gegenwärtig expandiert das Unternehmen in Biel. Trotz Wirtschaftskrise werden mehrere hundert Millionen Franken in ein Produktionszentrum investiert.

Rolex gehört fast vollständig der karitativen Wilsdorf-Stiftung, die auf Firmengründer Hans Wilsdorf zurückgeht. Ein Teil der Gewinne kommt auf diese Weise Blinden, dem Tierschutz, der Armenfürsorge oder der Kulturszene zugute.

Rolex. Wer schätzt nicht das zeitlose Design? Die beruhigende Unzerstörbarkeit einer Cosmograph Daytona in Stahl mit schwarzem Zifferblatt für 10'400 Franken – gerade in der Krise? «Wir haben bisher alles verkauft, was uns Rolex geliefert hat», sagt René Beyer, Chef der gleichnamigen Zürcher Luxusuhren-Boutique.

Doch offenbar läuft das Geschäft nicht überall gleich gut wie in der Zürcher Bahnhofstrasse. Verschiedene Händler berichten, Rolex habe begonnen, ihre eigenen Uhren zurückzukaufen. «Sie machen Rücknahmeangebote», heisst es. Zu viele Uhren warten in den Vitrinen auf Käufer, die Gefahr von Dumpingpreisen wächst. «Das wäre das Horrorszenario für Rolex», sagt ein Händler.

«Natürlich erhalten wir die Uhren nicht direkt von Rolex»

Konkret nimmt der Uhrenhersteller Ware von konzessionierten Händlern zurück. Nur diese werden von den Genfern beliefert. Sie sind der offizielle Verkaufskanal, aber nicht der einzige. Und hier liegt das Problem: Tausende nicht-konzessionierter Händler weltweit bieten ebenfalls echte Rolex an, meistens zu deutlich tieferen Preisen.

«Natürlich erhalten wir die Uhren nicht direkt von Rolex oder den konzessionierten Händlern», sagt etwa einer aus der Innerschweiz. Da gebe es gleich mehrere Zwischenstationen. Das gehe immer über fünf Leute. «Am Anfang aber steht jeweils ein Konzessionär», sagt ein anderer Händler aus Deutschland. «Und auch die müssen schauen, dass ihre Lager geleert werden.»

Heikle Situation in Asien

Heikel wird es für Rolex, wenn ein konzessionierter Händler in ernsthafte wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät. Um in der Krise zu überleben, verkauft er dann, was er kann. Auch zu Dumpingpreisen. Die Imageabteilung beim Luxusuhren-Hersteller dürfte an diesem Szenario gar keine Freude haben.

Schwerpunkt der Rückkaufaktion sind offenbar Asien und Amerika. Gerade im Fernen Osten hat Rolex den Vertrieb in den letzten Jahren stark ausgebaut. Ein eben aus Asien zurückgekehrter Händler berichtet, man kriege dort derzeit so viele Rolex, wie man wünsche. «Wenn Rolex in Asien in der Krise nicht schnell reagiert, geraten die Uhren rasch in falsche Hände,» sagt er.

In Japan werden beispielsweise etwa 30 Prozent der Luxusuhren über den Graumarkt an die Kunden gebracht. Über Mittelsmänner geraten billig verkaufte Uhren dann auch zurück nach Europa, wo sie schliesslich via nicht-lizenzierte Uhrenhändler auftauchen.

«Wir erhalten gegenwärtig viel Ware», sagt ein weiterer Händler in Deutschland. Das Angebot sei grösser als früher, die Preise gerieten unter Druck.

Rolex – Meister der Kontrolle

Genau aus diesem Grund interveniert Rolex im Fernen Osten. Über die gebotenen Rückkaufpreise ist bisher noch wenig bekannt. Ein Händler erzählt, sie lägen unter dem Einstandspreis. In Europa selber hat Rolex den konzessionierten Vertreibern bisher noch keine Rücknahmeangebote unterbreitet. Die Lieferungen von neuen Uhren würden zum Teil allerdings deutlich verknappt, heisst es. Und es sei auch schon die Mahnung ausgesprochen worden, man solle keine Ware zu billig abgeben. Denn auch unter den von Rolex selber belieferten Händlern gebe es schwarze Schafe, wie ein Konzessionierter bestätigt.

In der Branche wird das Vorgehen von Rolex fast überall als «sehr gute und sinnvolle Massnahme» taxiert und als Zeichen von Stärke gesehen. Erstens sei das Unternehmen in der Lage, Uhren zurückzukaufen. Und zweitens behalte das Management so die Kontrolle über das Marktgeschehen. Niemand beherrsche es so perfekt wie Rolex, das Angebot zu verknappen, sagen mehrere Branchenkenner übereinstimmend.

Rolex selber wollte zu den Rücknahmeangeboten an die Händler nicht Stellung nehmen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.06.2009, 13:44 Uhr

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