Wirtschaft

Russen kaufen sich bei Holcim ein

Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 10.10.2011 8 Kommentare

Russische Oligarchen bedrängen den ehemaligen Holcim-Chef und Anteilseigner Thomas Schmidheiny und haben ihren Anteil deutlich erhöht. Schmidheiny kontert – und kauft jetzt ebenfalls zu.

Holcim-Anteilseigner Thomas Schmidheiny kauft günstig Aktien zu: Der ehemalige Holcim-Chef bei einer Bilanzpressekonferenz 1999.

Holcim-Anteilseigner Thomas Schmidheiny kauft günstig Aktien zu: Der ehemalige Holcim-Chef bei einer Bilanzpressekonferenz 1999.
Bild: Keystone

Russen kaufen Anteile zu: Das Logo der Holcim in Zürich. (Bild: Keystone )

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Hinter Eurocement steckt eine Gruppe russischer Oligarchen, darunter Suleiman Kerimow, Victor Wasiliewitsch und Filaret Galtschew. Letzterer wird als Eigentümer der Eurocement geführt und rangiert in der Forbes-500-Liste der reichsten Industriellen mit einem Vermögen von 3,5 Milliarden US-Dollar auf Platz 310. Ebenfalls mit im Boot ist die russische Sberbank. Der russische Zementhersteller ist einer der grössten Konkurrenten von Holcim mit einer weltweiten Produktionskapazität von 37 Millionen Tonnen. Davon 30 in Russland, 4,7 in der Ukraine und 2,4 Millionen Tonnen in Usbekistan.

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Thomas Schmidheiny, ehemaliger Vorstandschef des weltgrössten Zementherstellers Holcim, (HOLN 53.45 -0.56%) hat seinen Anteil am Unternehmen von 18,2 auf 20 Prozent erhöht. «Schmidheiny ist zu hundert Prozent von Holcim überzeugt, das er viele Jahre lang geführt hat», begründet sein Sprecher Jörg Denzler den Schritt gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Die Anteilserhöhung spiegle lediglich sein Engagement wider.

Schmidheiny war schon davor grösster Einzelaktionär gewesen. Bis 2003 kontrollierte er den Konzern sogar als Mehrheitsaktionär. Infolge einer Verurteilung wegen Insiderhandels in Spanien im Jahr 2003 legte Schmidheiny damals beide Ämter als CEO und Verwaltungsratspräsident nieder. Zudem halbierte die Einführung einer Einheitsaktie seinen Stimmenanteil am Konzern von 54 auf 27 Prozent. In den Folgejahren senkte er seinen Anteil weiter auf unter 20 Prozent.

Dass der Kauf ausgerechnet jetzt erfolgt, hat laut Denzler lediglich mit dem aktuell günstigen Aktienkurs zu tun. Eine weitere Anteilserhöhung von Schmidheiny sei nicht beabsichtigt, aber auch nicht ausgeschlossen, so Denzler.

Oligarchen bedrängen Schmidheiny

Unternehmenskenner orten jedoch einen anderen Grund für den Aktienkauf. Der russische Konkurrent Eurocement hat am 16. September seinen Anteil an Holcim von 6,8 Prozent auf 10,12 Prozent deutlich erhöht. Im September 2008 lag der Anteil der Eurocement an Holcim noch bei fünf Prozent. Damals hat das Schmidheiny offenbar noch nicht beunruhigt. Jetzt ist die Aktie für Investoren preislich wieder attraktiv geworden. Die Holcim-Aktie hat seit Anfang Mai bis heute fast ein Drittel an Wert verloren.

Schmidheiny habe im Gegenzug zur Aufstockung der Konkurrenz bei Holcim seinen Anteil erhöht, um die mächtigen Russen zurückzudrängen, so ein Insider über die wahren Beweggründe. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Übernahmephantasien der Eurocement an Holcim laut.

Beide Konzerne buhlen um Marktanteile in den aufstrebenden Märkten Asiens. «China konsumiert rund 55 Prozent der gesamten weltweiten Zementproduktion», sagt Georges Spicher, Vertreter der Zementindustrie und Direktor Cem Suisse.

Grassierende Konjunktursorgen

Zudem belasten laut einer Brokerumfrage grassierende Konjunktursorgen die Zementhersteller. Für das nächste halbe Jahr wird ein Nullwachstum oder sogar ein leichter Rückgang prognostiziert. «Dadurch gehen auch die Bauaufträge zurück», sagt Stefan Meyer, UBS-Analyst für Schweizer Aktientitel.

Die Rohmaterialpreise steigen für die Zementhersteller in Asien und Amerika und treiben damit die Kosten nach oben. Das habe auch Holcim dazu veranlasst, die Preise in diesen Märkten zu erhöhen. In Mexiko ist Holcim eine Preiserhöhung um stolze zehn Prozent gelungen, in den USA dagegen wollte der Konzern um fünf Prozent mehr für seine Produkte, konnte aber nur zwei Prozent herausschlagen.

Der Druck auf die Holcim-Aktie steigt also. Die schleichende Rezession auf der einen Seite und vermögende Investoren mit einem Weltkonzern und einer Grossbank auf der anderen Seite könnten für Holcim und Schmidheiny noch zur Herausforderung werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.10.2011, 13:46 Uhr

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8 Kommentare

Ronnie König

07.10.2011, 13:57 Uhr
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Bravo und Danke an Schmidheiny! Auch wenn Holcim kein Waisenknabe ist, so sind die Schmidheinys längst nicht die schlimmsten Kapitalisten der Schweiz. Wer genau hinschaut sieht eine sehr interessante Familie mit vielen interessanten Engagements. Andere wollen einfach nur mehr Geld. Die offenbar noch etwas für das Land. Vorsicht bei den Russen im Geschäft. Antworten


Margot Helmers

07.10.2011, 14:11 Uhr
Melden 42 Empfehlung

Mit diesen russischen Oligarchen habe ich mehr als genug! Ich möchte endlich mal Hintergrundinformation wie diese ihre Milliarden in kürzester Zeit aufgebaut haben. Und dann dürfen sie in unser Land und kaufen sich in bewährte Unternehmen ein, Pauschalbesteuert natürlich, und sahnen ab. Welche Partei sieht da Handlungsbedarf? Antworten



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