SBB: Mehr Gewinn, Einbruch im Gütertransport

Aktualisiert am 10.09.2009

Trotz schwieriger Konjunkturlage schreiben die Schweizerischen Bundesbahnen im ersten Halbjahr einen Gewinn von 132,8 Millionen Franken.

Kurvenreich in die Zukunft: Auf den ersten Blick sind die Zahlen gut, in der Kasse fehlt es trotzdem millionenfach.

Kurvenreich in die Zukunft: Auf den ersten Blick sind die Zahlen gut, in der Kasse fehlt es trotzdem millionenfach.
Bild: Keystone

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SEV will mehr Lohn

SEV fordert angesichts des positiven Resultats Lohnerhöhungen
Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) hat sich vom Halbjahresabschluss der SBB positiv überrascht gezeigt. Es sei aber für das Personal äusserst befremdend, dass es Lohneinbussen hinnehmen müsse, obwohl das Unternehmen steigende Gewinne verzeichne, heisst es in einer SEV-Mitteilung vom Donnerstag.

Es sei ärgerlich, dass aufgrund der Divisionalisierung kein besserer Ausgleich zwischen dem erfolgreichen Personenverkehr und dem unter der Krise leidenden Güterverkehr möglich sei. Insbesondere bei den Lokomotivführern führe dies zu einer absurden Situation mit Personalmangel und Überstunden auf der einen Seite und Überbeständen auf der anderen Seite. Der SEV verlangt, dass die SBB die Krise im Güterverkehr durchstehen, ohne Personal abzubauen, denn die mittelfristigen Prognosen zeigten klar in Richtung einer weiteren Zunahme der Gütermengen. Das Resultat der SBB habe einen bitteren Nachgeschmack, weil erst gestern dem Personal ein Sanierungspaket der Pensionskasse aufgebürdet wurde, das zu massiven Lohneinbussen und Rentenverlusten führe. Für die Mitarbeitenden sei es völlig unverständlich, dass sie weniger verdienen sollten, wenn gleichzeitig die SBB steigende Gewinne auswiesen. Der SEV will sich in den kommenden Lohnverhandlungen dafür einsetzen, dass das Personal seine Kaufkraft dennoch steigern kann. Das Halbjahresresultat zeige, das der Spielraum bei den SBB dafür vorhanden sei.

Nach Abzug von Sondereffekten in der Höhe von 27 Millionen Franken bewegt sich das Halbjahresergebnis auf Vorjahresniveau, wie die SBB am Donnerstag mitteilte. Die in allen Bereichen ergriffenen Massnahmen gegen die Wirtschaftskrise zeigten Wirkung, heisst es in der Mitteilung.

Stellen strich die SBB bisher keine, der durchschnittliche Personalbestand inklusive Tochtergesellschaften nahm im Periodenvergleich sogar um 215 auf 27'910 Vollzeitstellen zu. Neue Stellen seien wegen des Mehrangebots hauptsächlich beim Zug- und Lokpersonal sowie bei der Bahnpolizei geschaffen worden.

Der Personenverkehr vermochte die Leistungen in der Berichtsperiode um 38,6 Prozent auf 141,1 Millionen Fr. erneut zu steigern. Die Zahl der Reisenden nahm um 4,3 Prozent auf 164,4 Millionen zu. Der durchschnittliche Ertrag pro Zugkilometer war hingegen rückläufig.

Nachfragerückgang bei SBB Cargo

Im Gegensatz zum Personenverkehr bekam die SBB Cargo den harten Gegenwind der Wirtschaftskrise stark zu spüren. Der Verlust im Halbjahr betrug 24,4 Millionen Franken nach einem Minus von 8,2 Millionen Franken in der Vorjahresperiode.

Insgesamt sanken die Verkehrserträge von SBB Cargo um 16,2 Prozent auf 435 Millionen Franken. Besonders bei den Stahl- und Metalltransporten, aber auch in der Holz-, Papier- und Chemiebranche sei die Nachfrage deutlich geschrumpft.

Gut unterwegs sei SBB Immobilien. Das Ergebnis betrug 27,8 Millionen Franken, was einem Anstieg von 48,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Geschäfte in den 31 grössten Bahnhöfen steigerten den Umsatz trotz laufender Umbauten und negativer Konjunktur um 1,3 Prozent auf 718 Millionen Franken.

Tariferhöhung nicht vor 2010

In den nächsten Jahren sehe sich die SBB mit grossen Investitionen konfrontiert, heisst es weiter. Nebst der Beschaffung von neuem Rollmaterial im Umfang von rund 20 Milliarden Franken bis 2030, stehe die Sanierung der Pensionskasse im Vordergrund. Dabei belaste der Arbeitgeberanteil die SBB während zehn Jahren mit knapp 100 Millionen Franken pro Jahr und danach 15 weitere Jahre mit rund 25 Millionen Franken.

Am Mittwoch hatte der Verwaltungsrat der SBB das Pensionskassen-Sanierungskonzept des Stiftungsrates gutgeheissen. Dieses sieht vor, dass die Mitarbeitenden und Pensionierten der SBB sich mit 1,22 Milliarden Franken an der Sanierung beteiligen. Der Bund soll weitere 1,15 Milliarden Franken zahlen.

In Anbetracht der bevorstehenden Investitionen und des kontinuierlichen Angebotsausbaus müsse die SBB künftig mehr Einnahmen generieren können. Mit einer Tariferhöhung sei aber nicht vor Dezember 2010 zu rechnen. (cpm)

Erstellt: 10.09.2009, 10:44 Uhr

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