SBB will 350 Stellen streichen

Im Infrastrukturbereich der SBB wird derzeit an einer Neuausrichtung gearbeitet. Der Reorganisation sollen bis zu 350 Vollzeitstellen zum Opfer fallen. Die Eisenbahngewerkschaft SEV fordert einen Stopp.

Trotz mehr Arbeit will die SBB im Bereich Infrastruktur zwischen 300 und 350 Stellen abbauen.

Trotz mehr Arbeit will die SBB im Bereich Infrastruktur zwischen 300 und 350 Stellen abbauen.
Bild: Keystone

Die über 9000 Mitarbeitenden bei der SBB-Division Infrastruktur stehen vor einer riesigen Reorganisation. Seit einigen Monaten laufen bei der SBB die Projekte «Infrastruktur 2014» und «Best Infrastruktur Overhead» auf Hochtouren – angeführt vom neuen Infrastruktur-Chef Philippe Gauderon. Schon im April hat er angekündigt, dass die Division Infrastruktur– die vor allem für den Unterhalt und die Erneuerung der SBB-Bahnanlagen zuständig ist – zu bürokratisch organisiert sei.

6000 Mitarbeiter betroffen

In den vergangenen Wochen sickerte nun allmählich durch, was der Totalumbau alles beinhaltet. Laut Informationen der Eisenbahnergewerkschaft SEV werden 6000 Mitarbeitende von der Umstrukturierung betroffen sein. Im Bereich der Verwaltung sollen von den rund 1200 Stellen zwischen 300 und 350 Vollzeitstellen gestrichen werden. Zudem kommt es zu zahlreichen Arbeitsortverschiebungen und Stellenprofiländerungen. Bereits im nächsten Jahr will die SBB mit der Umsetzung beginnen.

Mit dem Projekt «Infra 2014» könnten ganze Führungsebenen in der Division Infrastruktur wegfallen, und mit «Best Infrastruktur Overhead» sollen jährlich 60 Millionen Franken eingespart werden – 50 Millionen davon beim Personal.

Diese Zahlen wurden von der SBB gestern bestätigt. Der Stellenabbau erfolge gemäss dem geltenden Gesamtarbeitsvertrag (GAV), es gebe keine Entlassungen. Davon nicht betroffen seien direktproduktive Stellen wie beispielsweise im Betrieb oder beim Unterhalt, wie SBB-Sprecher Reto Kormann sagt.

Fehlende Gesamtsicht

«Wir haben die Übersicht über die Projekte verloren, und wir wissen nicht, was uns erwartet», kritisiert SEV-Sprecher Peter Moor. Im Projektnamen stehe das Jahr 2014, aber bereits jetzt werde mit der Umsetzung begonnen. «Das macht uns skeptisch», sagt Moor. Der SEV fordere deshalb einen Stopp der Reorganisation, bis die SBB eine Gesamtsicht vorlege.

Ironischerweise fordert die SBB momentan vom Bund eine zusätzliche Milliarde Franken für die Infrastruktur, um nötige Unterhaltsarbeiten nachzuholen (siehe Text unten). Zudem sind zahlreiche Neubauten geplant. Dies würde eigentlich darauf hindeuten, dass die SBB in diesem Bereich tendenziell mehr Mitarbeiter benötigt als weniger. Doch: «Die finanziellen Mittel von Bund und Kantonen sind beschränkt. Auch die SBB will und muss dazu ihren Beitrag leisten und intern Kosten, wo immer möglich, reduzieren», rechtfertigt Kormann die Massnahmen. Gerade bei den bürgerlichen Politikern könnte diese Aussage gut ankommen, denn schliesslich wird das Parlament über die SBB-Milliarden entscheiden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.11.2009, 10:29 Uhr

8 KOMMENTARE

Thomi Horath

20.11.2009, 16:05 Uhr

Statt Stellen zu streichen könnten auch Löhne gekürzt werden, vor allem die, welche sowieso zu hoch sind (10 000 CHF pro Monat und mehr fällt meines Erachtens in diese Kategorie).


hans zumstein

20.11.2009, 16:00 Uhr

@Ronnie König: Ich sehe nicht, wie der Abbau des Wasserkopfs die Unfallgefahr steigern soll. . . .!


Sam Brown

20.11.2009, 13:17 Uhr

Wenn 350 Stellen im Managment wegfallen, dann ist das zu begrüssen. Es wird immer mehr automatisiert und oft entstehen dadurch nur noch unproduktive Stellen, welche es schon immer gegeben hat. Die Zweigleisgkeit hat nur im Schieneverkehr eine Berechtigung, jedoch nicht im Managment und im Büroalltag


Peter Schärer

20.11.2009, 12:55 Uhr

@Freddy: du hast den Artikel nicht gelesen: es sollen Führungsebenen wegfallen, nicht Gleisarbeiter. Es wurde ja gerade erkannt, dass es eben "zu bürokratisch" zu und her geht.


Aschy Furrer

20.11.2009, 12:07 Uhr

Neue Finanzierungsmodelle: dort wo die Gemeinden (=Wohnsitz der steuerzahlenden Pendler) nichts an die Infrastruktur beitragen, einfach die Bahnhöfe und Stationen aufheben und mit den Zügen durchfahren. Das spart massiv Infrastrukturgelder und begrenzt die Netzüberlastung. Sind zu viele Pendler betroffen, so müssen sie eben doch mal andere Gemeindepolitiker wählen.


Ronnie König

20.11.2009, 11:04 Uhr

Bin gespannt wieviele Unfälle und Betriebstörungen auf uns Reisende zusätzlich zu kommen. Auch die SBB wird die Quadratur des Kreises nicht schaffen. Nur Politiker meinen man könne das. Darum haben wir einen Bundesrat der nicht viel zustande bringt.


Thomas Müller

20.11.2009, 10:57 Uhr

Ich habe nicht gerade den Eindruck, dass die SBB genügend Personal einsetzen könnte. Immer wieder gibt es - natürgemäss - Pannen, wo Auskunft erwünscht wäre und das wenige anwesende Bahnpersonal spürbar und sichtbar überlastet ist und eigentlich keine Zeit für den Bahnkunden hätte. Trotzdem wurde ich in aller Regel SEHR freundlich bedient - den Managernsei dies ins Stammbuch geschrieben!


Freddy Luger

20.11.2009, 10:53 Uhr

Die Berliner S-Bahn lässt grüssen ! Macht nur weiter so Büros auftun und Schottercowboys entlassen zum glück gibt Druckerschwärze auch dreckige Hände.




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