SBB-Angestellte locken Kunden weg vom Schalter

Die SBB bugsieren die Kunden vom Bahnschalter an die Ticketautomaten. Sogenannte Promoter sprechen die wartenden Pendler direkt an.

Immer weniger SBB-Schalter: Kunden am Flughafen Zürich.

Immer weniger SBB-Schalter: Kunden am Flughafen Zürich. Bild: Archivbild/Keystone

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Die SBB unternehmen derzeit eine ganze Reihe von Massnahmen, um die Kunden vom Schalter zu den Automaten und digitalen Kanälen wie Internet oder Mobile-App zu lenken. So sind etwa weniger Schalter geöffnet, und die Öffnungszeiten sind kürzer.

Neu sollen auch Promoter die Pendler vor Ort vom Automaten überzeugen, wie SRF online berichtet. Dazu sprechen die Angestellten an Bahnschaltern in Warteschlangen stehende Kunden an und begleiten sie zum Ticketautomaten.

Die SBB bestätigen das Vorgehen: «An grösseren Bahnhöfen werden die Kunden von unseren Beratern höflich an die Automaten gelenkt. Da soll ihnen gezeigt werden, dass gewöhnliche Bahnbillette einfacher und bequemer am Automaten gelöst werden können.» Gerade älteren Bahnkunden wolle man so die Angst vor dem Automaten nehmen.

«Bevölkerung wünscht Beratung»

Im vergangenen Jahr wurden bereits 76,8 Prozent der SBB-Tickets an Automaten und übers Internet oder Handy erworben. Während 2012 noch 30 Prozent der Billette am Schalter gekauft wurden, sollen es laut SBB im Jahr 2023 nur noch 10 Prozent sein.

Der nachlassende Kundenkontakt bei den SBB ist der Verkehrsgewerkschaft SEV ein Dorn im Auge. «Die SBB sind eine Dienstleisterin und müssen einen gewissen Kundendienst anbieten. Schliesslich wünscht noch immer ein grosser Teil der Bevölkerung eine Beratung beim Kauf eines Bahnbilletts», sagt Gewerkschaftssekretär Jürg Hurni zu SRF online.

Auch reagieren nicht alle Kunden begeistert auf die Promoter. Ein Pendler erzählt dem Sender: «Mich hat man für den Kauf eines Billetts zum Flughafen an den Automaten begleitet. Eigentlich kam ich aber extra wegen einer Auskunft für eine bevorstehende Reise nach Innsbruck an den Schalter. Also musste ich mich danach wieder in die Schlange stellen. Schliesslich lief ich davon. Jetzt fahre ich mit dem Auto nach Tirol!» (pat)

Erstellt: 20.10.2016, 13:12 Uhr

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