SNB kaufte Fremdwährungen für 188 Milliarden Franken

Zur Stützung des Euro-Mindestkurses hat die Nationalbank im letzten Jahr 188 Milliarden Franken in die Hand genommen. Insgesamt erzielte sie einen Gewinn von fast 7 Milliarden Franken.

Die Nationalbank erzielte 2012 einen Milliardengewinn: Inschrift am Hauptsitz in Bern.

Die Nationalbank erzielte 2012 einen Milliardengewinn: Inschrift am Hauptsitz in Bern.

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Das Stammhaus der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hat im vergangenen Jahr einen Gewinn von 6 Milliarden Franken erzielt, nach 13 Milliarden Franken 2011. Weil die SNB mit den einst wertlosen Papieren im UBS-Rettungsfonds erneut verdient hat, steigt der Gesamtgewinn des Konzerns auf 6,9 Milliarden Franken.

Aus den Anlagen des sogenannten Stabilisierungsfonds, der die Giftpapiere der UBS aus der Finanzkrise enthält, erwirtschaftete die SNB einen Gewinn auf Konzernstufe von knapp 2 Milliarden Franken, wie die Nationalbank bekanntgab. Nach Abzug weiterer Erfolgskomponenten und der Verlustabsicherung trug der Fonds 939 Millionen Franken zum Gesamtgewinn bei. Im Vorjahr waren es 23 Millionen Franken gewesen.

Dabei hätten sich die Marktbedingungen für die Anlagen im Portfolio des Fonds verbessert, führte SNB-Präsident Thomas Jordan am Donnerstag vor den Medien in Zürich aus. Insbesondere die Kredit- und Wertpapiermärkte hätten sich entspannt. Ausserdem seien Investoren in diese Marktsegmente zurückgekehrt.

Eigenkapital des Rettungsfonds gestiegen

Auch das Risiko, das die SNB mit der Übernahme der Papiere auf sich nahm, reduzierte sich deutlich. Der Umfang der Risikopositionen verminderte sich von 8,5 Milliarden auf rund 5,3 Milliarden Franken. Auch führten weitere Liquidierungen zu Tilgungszahlungen auf dem von der Nationalbank gewährten Darlehen. Dieses schrumpfte von 7,6 Milliarden auf unter 4,4 Milliarden Franken.

Das Eigenkapital des Fonds stieg derweil von 3,5 Milliarden im 2011 auf 5,2 Milliarden Franken im vergangenen Jahr. Derzeit beinhaltet der Fonds 75 Prozent Wertschriften, 16 Prozent Kredite, 8 Prozent Derivate und 1 Prozent Immobilien.

Dass die UBS die ehemaligen Giftpapiere, welche die Grossbank 2008 beinahe hatten kollabieren lassen, frühzeitig zurückkauft, schloss Thomas Jordan aus. «Der Stabilisierungsfonds wird nicht vorzeitig zurückbezahlt», sagte Jordan und unterstrich damit frühere Aussagen.

Dies sei erst ein Thema, wenn das Darlehen an die SNB vollständig zurückbezahlt worden sei. Jordan geht davon aus, dass dies in zwei Jahren der Fall sein wird. Allerdings hänge der Zeitpunkt stark von der Entwicklung der Finanzmärkte ab.

188 Milliarden für die Stützung des Mindestkurses

Vom Gewinn des Stammhauses von 6 Milliarden Franken - nur dieser Teil ist für die Gewinnausschüttung relevant - werden 3,6 Milliarden Franken zurückgestellt. 1 Milliarden Franken überweist die SNB an die Kantone, 1,5 Milliarden Franken schüttet sie als Dividende aus. Mit den verbleibenden 1,4 Milliarden Franken erhöht die Nationalbank die Ausschüttungsreserven auf nunmehr 5,3 Milliarden Franken.

Der Gewinn 2012 ist fast ausschliesslich auf den Erfolg auf Gold- und Fremdwährungspositionen zurückzuführen. Der Goldpreis hat sich nochmals etwas erhöht, was knapp 1,4 Milliarden Franken zum Erfolg beitrug.

Der Anteil der Fremdwährungspositionen betrug insgesamt 4,5 Milliarden Franken. Die Erträge und Kurserfolge auf Zinspapieren und -instrumenten erreichten 8,4 Milliarden Franken. Der Ertrag mit Beteiligungspapieren - sprich Aktien - lag bei 6,7 Milliarden Franken. Damit wurde der Verlust im Wechselkursgeschäft von 10,6 Milliarden Franken gut weggesteckt.

Per Ende Jahr hatte die Nationalbank zur Sicherung des Euro-Mindestkurses von 1,20 Franken Fremdwährungen im Gegenwert von 188 Milliarden Franken erworben. Infolge dessen haben die Devisenanlagen nochmals deutlich zugenommen. Per Ende 2012 hatte die Nationalbank total 432,2 Milliarden Franken an Devisenanlagen in den Büchern stehen.

Die Bilanzsumme schwoll um 153,4 Milliarden auf fast 500 Milliarden Franken an. Wie sich diese Position im laufenden Jahr entwickeln könnte und wie die SNB die Bilanz zu schmälern gedenkt, dazu wollte SNB-Präsident keine Auskunft geben. (mw/bru/sda)

(Erstellt: 07.03.2013, 10:00 Uhr)

Präsident Thomas Jordan über die extremen Schwankungen bei den Jahresergebnissen, die riesigen Fremdwährungspositionen und den Stabilisierungsfonds der UBS. (Video: Keystone )

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