Saftige Busse für die Genfer Bank des «Wolf of Wallstreet»

Die Union Bancaire Privée löst den Steuerstreit mit den USA mit einer Busse von 188 Millionen Dollar. Sie entgeht damit einer Strafverfolgung.

Spuren zum Schwarzgeld gelöscht: Die UBP in Genf wurde in den USA zu einer hohen Busse verdonnert. Foto: Keystone

Spuren zum Schwarzgeld gelöscht: Die UBP in Genf wurde in den USA zu einer hohen Busse verdonnert. Foto: Keystone

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Die UBP war die Hausbank des als «Wolf of Wallstreet» bekannt gewordenen Schwindlers Jordan Belfort. Doch spielte die Union Bancaire Privée auch eine unrühmliche Rolle als Anlaufstelle für amerikanische Steuerbetrüger, wie aus der am Mittwochabend publizierten Einigung mit dem US-Justizministerium hervorgeht. Demnach betreuten in Genf zeitweise mehr als 200 Banker ein Vermögen von bis zu 4,9 Milliarden Dollar, das amerikanische Kunden deponiert hatten. Von den 2919 US-Konten dürfte mehr als die Hälfte nicht deklariert worden sein. Die Busse von 188 Millionen Dollar ist die zweithöchste für jene Banken, die mit der US-Justiz kooperieren und damit einer Strafverfolgung entgehen wollen.

Unterschrieben ist das Abkommen mit der US-Justiz unter anderem von Edgar de Picciotto, dem 85-jährigen Gründer der Privatbank. Er gilt als eine der grossen Figuren des Finanzplatzes Schweiz. Mit einer Reihe von aggressiven Übernahmen hat er eine Privatbank mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 130 Milliarden Dollar geschaffen. Die Übernahme der holländischen ABN Amro 2011 allerdings erwies sich als fatal. Damit holte de Picciotto nach Angaben der US-Behörden zusätzlich 1282 Steuerbetrüger ins Unternehmen. Und dies, obwohl die Bank kurz nach Auffliegen des UBS-Skandals 2009 begonnen hatte, sich von den riskanten US-Kunden zu trennen.

Mehr als 900 Verdächtige gemeldet

In ihrer Tatsachenfeststellung – einer Art Schuldgeständnis – räumt die Bank ein, seit Jahrzehnten US-Kunden betreut zu haben, von denen sie annehmen musste, dass sie die Gelder nicht deklariert hatten. So half sie, Gelder auf Offshore-Steueroasen in der Karibik und in Liechtenstein zu verschieben. Sie löschte die Spuren zum Schwarzgeld, indem sie Papierdokumente bei sich aufbewahrte und Kundennamen mit Codewörtern tarnte. In zwei Fällen erlaubte sie Kunden, unversteuertes Geld für mehr als 50 Millionen Dollar in Form von Goldbarren zu beziehen. Dies entspricht nach heutigem Marktwert mehr als einer Tonne Gold. Ein anderer Kunde konnte fast eine Million Dollar in Form von Goldmünzen zu eine anderen Bank verschieben. Alles in allem wurden 1662 US-Konten mit Codewörten getarnt; und 502 Konten im Wert von 1,2 Milliarden Dollar wurden in Strohfirmen auf Offshore-Finanzplätzen verwaltet.

«UBP zahlt einen heftigen Preis für ihr kriminelles Verhalten», sagte die verantwortliche Staatsanwältin im Justizministerium, Caroline Ciraolo. Die Vereinbarung habe weitreichende Folgen, erlaube sie doch, vertiefte Einblicke in andere Banken und das Verhalten weiterer US-Steuerpflichtiger. Tatsächlich holte die Bank für 918 verdächtige Konten einen «Waiver» ein, der erlaubt, Kundendaten an die US-Justiz weiterzugeben. Gestützt darauf ist mit einer Fülle weiterer Prozesse gegen Steuerflüchtige zu rechnen.

Belfort und sein Genfer Banker

Jordan Belfort schildert in seinen Memoiren, wie er die UBP dazu brauchte, einen Teil des erschwindelten Vermögens zu verstecken. Gespielt wird Belfort im Film «The Wolf of Wall Street» von Leonardo DiCaprio – ein Umstand, der dem Betrüger nach eigenen Worten sehr schmeichelte. Der Genfer Banker im Film war in Wirklichkeit der UBP-Angestellte Jean-Jacques Handali. Er war 1994 zusammen mit einem Kumpel von Belfort in Miami verhaftet worden. Die Schweiz sperrte damals wegen des Verdachts auf Wäscherei von Drogengeldern 15 Millionen Dollar auf einem UBP-Konto. Heute arbeitet Handali als Vermögensverwalter in Genf. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 07.01.2016, 08:02 Uhr)

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