Wirtschaft

Sanierer Hans Ziegler pokert mit 28 Banken um Oerlikons Zukunft

Von Andreas Flütsch. Aktualisiert am 03.03.2010 3 Kommentare

Grossaktionär Viktor Vekselberg und die Banken streiten, wer mehr zahlen muss, um den Konzern zu retten. Gelingt bis Ende März keine Einigung, drohen der Nachlass und die Aufspaltung.

Tausende Arbeitsplätze sind gefährdet, wenn bei Oerlikon keine Einigung erzielt wird.

Siggi Bucher

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Das Schicksal von Oerlikon ist auf Messers Schneide. Sanierer Hans Ziegler bleiben nur noch wenige Wochen, um den Industriekonzern mit 16 000 Arbeitsplätzen zu retten. Schafft Ziegler es bis Ende März nicht, Grossaktionär Viktor Vekselberg und die 28 Geldgeber zu einer Einigung zu bewegen, muss Oerlikon zum Nachlassrichter.

Die Banken und der Oligarch streiten sich seit Monaten, wer in der Refinanzierung von Oerlikon welche Opfer bringen muss. Jetzt ist der Konflikt eskaliert, weil eine Gruppe angelsächsischer Banken, angeführt von der Citibank als Leadbank, sich gegen Abschreiber wehrt. Oerlikon müsse die Schulden von 2,5 Milliarden Franken vollumfänglich bedienen, fordern sie. Die Geldgeberbanken aus Europa seien eher bereit, Abstriche zu machen und Schulden in Eigenkapital umzuwandeln, heisst es. Oligarch Vekselberg seinerseits wolle maximal 300 bis 400 Millionen Franken zu einer Kapitalerhöhung beisteuern, um Oerlikon zu erhalten.

Texas Pacific Group mischt mit

Die Verhandlungen werden zusätzlich erschwert, weil die Zahl der Geldgeber innert Jahresfrist von 21 auf 28 angestiegen ist. Der Grund dafür ist, dass beispielsweise die Citibank 103 Millionen Franken, also rund die Hälfte ihrer Forderung, an die Private-Equity-Firma Texas Pacific Group verkauft hat. Die deutsche WestLB habe gar ihre ganze Forderung von 150 Millionen Franken an Hedge-Funds abgetreten, heisst es.

Sanierer Ziegler wird es schwer haben, die Pattsituation unter dem enormen Zeitdruck zu lösen. Denn Citi und andere Banken spekulieren offensichtlich darauf, Oerlikon in Nachlass gehen zu lassen, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden. In diesem Falle wollen einzelne Finanzinstitute sich schadlos halten, indem sie die Verwertung ihrer Pfandrechte geltend machen, die sie sich gesichert haben. Oerlikon musste im Juni letzten Jahres während der ersten Umschuldungsrunde den wichtigsten Banken «Sicherheiten durch die Verpfändung von Anteilen wesentlicher Tochtergesellschaften» gewähren. Kommt es zu keiner Einigung, kann Oerlikon Ende März fällige 600 Millionen nicht zurückzahlen und kommt in Verzug. Gelingt dann nicht rasch eine Refinanzierung durch Vekselberg und andere Geldgeber, drohen Nachlass oder gar Konkurs.

Tochterfirmen würden verkauft

Wenn dann Banken die Verwertung ihrer Pfänder geltend machen, droht die Aufspaltung. Die verpfändeten Tochterfirmen würden verkauft, um die Pfandgläubiger zu befriedigen, den Konzern gäbe es in dieser Form nicht mehr. Die übrigen Gläubiger müssten den Rest teilen. Die Aktionäre würden alles verlieren, in den verkauften Tochterfirmen Tausende Jobs verschwinden, um sie gewinnbringend zu machen.

Sanierer Ziegler kann nur hoffen, dass es trotz der bei Refinanzierungen in der Schlussphase üblichen Streitereien doch noch eine Einigung gibt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.03.2010, 11:08 Uhr

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3 Kommentare

Peter Gutknecht

03.03.2010, 16:21 Uhr
Melden

@majo Naef: es geht hier nicht um 16000 Arbeitsplätze, sondern es geht darum, unter welcher Firma diese 16000 Arbeitsplätze laufen. Antworten


majo naef

03.03.2010, 10:28 Uhr
Melden

Soll mir noch einer kommen bei Abstimmungen mit dem Argument Arbeitsplätze würden gefährdet. Antworten



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