Sanierung auf Kosten der Endkunden

284 Millionen Franken Gewinn. Doch die von den Bernischen Kraftwerken vorgelegten Zahlen sind weit weniger gut, als sie scheinen.

Grosskunden bezahlen deutlich weniger für den Strom als Normalverbraucher: Strommasten in Mollis GL. Foto: Urs Jaudas

Grosskunden bezahlen deutlich weniger für den Strom als Normalverbraucher: Strommasten in Mollis GL. Foto: Urs Jaudas

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Es war eine sichtlich stolze Suzanne Thoma, die gestern vor die Medien trat und für die BKW einen Gewinn von 284 Millionen Franken verkündete. Und tatsächlich: Verglichen mit einem Verlust von 990 Millionen Franken bei der Axpo und 830 Millionen Franken bei der Alpiq, haben sich die Berner auf den ersten Blick sehr gut geschlagen. So sind denn auch die Aktien der BKW, immerhin wird gut ein Drittel davon frei gehandelt, an der Börse nicht abgestürzt wie jene der Alpiq vor Wochenfrist, sondern leicht gestiegen.

Doch das Ergebnis ist nicht so gut, wie es auf den ersten Blick aussieht. Die Gesamtleistung nahm nämlich um 7 Prozent auf 2,65 Milliarden Franken ab. Das Betriebsergebnis (Ebit) verbesserte sich dennoch um 10 Prozent auf 382 Millionen Franken. Allerdings nur dank Sondereffekten, etwa die Wechselkursumrechnungen auf Rückstellungen in Euro oder eine Entschädigungszahlung für die verzögerte Inbetriebnahme des Kraftwerks in Wilhelmshaven. Sonst wäre das Ebit um 11 Prozent auf 309 Millionen gesunken.

Höherer Strompreis

Und zudem kann von einem echten Gewinn in der offiziell ausgewiesenen Grössenordnung auf marktwirtschaftlicher Ebene keine Rede sein. Warum? Die BKW ist viel weniger dem Strommarkt ausgesetzt als die Konkurrenz. Während Alpiq und Axpo als Kunden städtische und kantonale Elektrizitätswerke oder Grossfirmen haben, sind es bei der BKW zu einem grossen Teil Haushalte. Das ist darum von Bedeutung, weil für Kunden, die weniger als 100'000 Kilowatt pro Jahr beziehen, keine Marktpreise gelten, sondern sie werden zu Gestehungskosten beliefert. Das heisst, die vorwiegend bernische Kleinkundschaft der BKW mit einem Jahresverbrauch von 4500 Kilowattstunden zahlt für eine Kilowattstunde gut 20 Rappen, die Kunden der Axpo hingegen, die vorwiegend aus Grosskunden wie dem EKZ des Kantons Zürich oder dem AEW des Aargaus bestehen, zahlen gerade mal 2 Rappen. Kein Wunder, fällt da auch auf operativer Ebene in Bern ein Gewinn von 80 Millionen Franken an, währenddem Axpo und Alpiq tiefrot sind.

Wer aber auch ein gutes Geschäft macht – und das wird oft vergessen –, sind die kantonalen und kommunalen Werke. Namentlich in Zürich. So verweist das EKZ in seinem Geschäftsbericht stolz auf seinen Gewinn von 84 Millionen Franken auf Stufe Betriebsgewinn und 35 Millionen Franken nach Abzug aller Kosten. Dass sich die kantonalen Werke auf Kosten der Axpo und Alpiq sanieren, darauf wird natürlich nirgends hingewiesen. Stolz ist man in Bern allerdings nicht nur hinsichtlich des im Gegensatz zur Konkurrenz ausgewiesenen Gewinns, sondern auch, weil man vermehrt in Elektrodienstleistungen investiert. 160 Millionen Franken allein im letzten Jahr gingen in den Kauf von Firmen, zum Beispiel in der Gebäudetechnik. Der ausgewiesene Gewinnbeitrag aus dieser Sparte beträgt hingegen nur gerade 17 Millionen Franken und die Marge bei einem Umsatz von 430 Millionen Franken gerade einmal 4 Prozent. Im Vergleich zum Monopolgewinn im klassischen Stromgeschäft ein Klacks.

Der Kunde zahlt die Zeche

Weiter – und da ist die BKW auch nicht auf sichererem Grund als Axpo und Alpiq – hängt die Aussagekraft der Rechnung weitgehend davon ab, ob die aufgehäuften Reserven für die Still­legung der AKW wirklich reichen. Hier kommt noch hinzu, dass bisher die Fonds für die Stilllegung von Aufwertungsgewinnen an der Börse profitierten. Letztes Jahr hingegen war davon nichts mehr zu spüren, und angesichts der Negativzinsen sind auch in Zukunft kaum mehr Gewinne zu erwarten. Erwarten kann darum der Stromkunde, dass er auch hier die Zeche wird bezahlen müssen und, statt von den sinkenden Grosshandelspreisen zu profitieren, eher höhere Entsorgungskosten tragen muss. In Bern genauso wie in Zürich oder anderswo in der Schweiz. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 17.03.2016, 22:01 Uhr)

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