Sarkozy: L'original c'est moi

Von Ralph Pöhner. Aktualisiert am 17.04.2009

Selbstbewusstsein hat er. Das beweist Nicolas Sarkozy erneut: Vor Parlamentariern ätzte er gegen Obama, Merkel, Barroso und Zapatero, ganz nach dem Motto: Das Vorbild bin ich.

Der Unintelligente (links), der Unerfahrene (Mitte), der Beste (rechts).

Der Unintelligente (links), der Unerfahrene (Mitte), der Beste (rechts).
Bild: Keystone

Bescheiden war er noch nie, und dass er schneller redet, als seinen Diplomaten lieb sein kann, wussten die Franzosen auch schon längst. Jetzt aber hat er sich wieder einmal übertroffen. Denn bei einem Mittagessen schaffte es Nicolas Sarkozy, sich über ein halbes Dutzend Politiker lustig zu machen.

Angela Merkel habe in der Finanzkrise nichts besseres gewusst, als seine, Sarkozys, Position zu kopieren; Barack Obama operiere «noch nicht immer auf dem Niveau von Entscheidungsfähigkeit und Effizienz»; Spaniens Ministerpräsident José Luis Zapatero sei «vielleicht nicht sehr intelligent»; EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sei am G-20-Gipfel «völlig abwesend» gewesen. Immerhin fand Sarkozy warme Worte für Silvio Berlusconi, denn der habe es geschafft, dreimal wiedergewählt zu werden. Und in der demokratischen Politik sei es das Wichtigste, an der Macht zu bleiben.

«Meister der Welt»

Die Veranstaltung mit Tomaten/Mozzarella als Entrée und Früchtemousse zum Dessert fand am Mittwoch statt. 24 Parlamentsabgeordnete waren gekommen, um sich von Sarkozy über den G-20-Gipfel informieren zu lassen. Die Gespräche waren eigentlich off-the-record, aber Sarkozys Sprüche sickerten noch am selben Tag zur (linken) Zeitung «Libération», und diese veröffentlichte sie umgehend. Der Titel: «Sarkozy sieht sich als Meister der Welt».

Der Elysée-Palast dementierte zwar die Äusserungen, allen voran Sarkozys Zweifel an Zapateros geistigen Fähigkeiten, aber diverse Anwesende bestätigten die Darstellung der «Libération» – und die Sache war nun einmal draussen. Jetzt zieht sie internationale Kreise.

Verbesserungspotenzial bei Obama

Dabei werden die Pariser Sprüche selektiv wahrgenommen. Im angelsächischen Raum registrieren die Medien vor allem, dass Sarkozy bei Barack Obama allerhand Verbesserungschancen geortet hat. Der US-Präsident habe zwar einen subtilen Geist, er sei sehr intelligent und sehr charismatisch, gestand ihm Sarkozy zu. Aber er sei erst seit zwei Monaten im Amt und habe auch nie ein Ministerium geleitet. Beim Gespräch über den Klimawandel habe er, Sarkozy, dem Amerikaner dann doch sagen müssen: «Ich denke nicht, dass Sie recht verstanden haben, was wir beim CO2 so machen».

«Auch wenn Mister Sarkozy den Ruf hat, barsch zu sein, ist diese Litanei von Kritik selbst für ihn eine rechte Leistung», kommentierte der «Daily Telegraph» in London trocken.

In Spanien wiederum stürzte sich die Presse auf den Spruch über Zapatero, zumal Sarkozy mit Carla Bruni demnächst in Madrid erwartet wird. Der Ton und die Darstellung blieben durchwegs sachlich, und erwähnt wurde auch, dass Sarkozy die Sache augenzwinkernd gemeint hatte. Dennoch konnte sich kaum ein Blatt in Spanien verkneifen, das Zitat – «Zapatero ist vielleicht nicht sehr intelligent» – zwischen Gänsefüsschen in den Titel zu pflanzen.

«Vielleicht hat Sarkozy ja recht»

Offiziell liess sich die spanische Politik nicht erschüttern. Die Regierung blieb cool und enthielt sich eines Kommentars, und die Opposition, nicht weniger cool, nutzte das Ganze für einen Seitenhieb: «Vielleicht hat Sarkozy ja recht», sagte der Sprecher des Partido Popular, «aber Zapatero ist unser Präsident, und sei es, wie es sei: Wenn sie ihn von aussen angreifen, müssen wir ihn verteidigen.»

In Frankreich nahm man das Affärchen achselzuckend zur Kenntnis, wofür der Grünen-Abgeordnete François de Rugy auch eine logische Erklärung parat hat: «Mich erstaunt höchstens, dass so etwas nach zwei Jahren Präsidentschaft immer noch einige erstaunt.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.04.2009, 14:07 Uhr

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