Schlechtes Zeugnis für die Post – Briefe kommen zu spät
Die Qualität der postalischen Grundversorgung hat im letzten Jahr erneut abgenommen. Dies stellt die Postregulationsbehörde PostReg in ihrem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht fest. Mehr Wettbewerb könnte es richten, sagte PostReg-Leiter Marc Furrer.
Die Überwachung der Qualität des Service public mit Postdienstleitungen gehöre zu einer den Kernaufgaben der PostReg, sagte Furrer vor den Bundeshausmedien. Die Behörde stellte fest, dass letztes Jahr vermehrt Briefe zu spät bei ihren Empfängern eingetroffen sind.
Das Problem der Briefkastenleerung
95,9 Prozent - im Vorjahr 97,1 Prozent - der inländischen A-Post- Briefe und 95,7 Prozent (96,7 Prozent) der B-Post-Briefe sind rechzeitig angekommen. Gesamthaft sind damit rund 121'000 A-Briefe verspätet zugestellt worden, 44 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei den B-Einzelbriefen trafen 123'000 Briefe zu spät ein.
Für PostReg ist diese Leistungsverschlechterung durch Anlaufschwierigkeiten der neuen Briefzentren in Härkingen SO und in Eclépens VD erklärbar - «aber dennoch unerfreundlich». Kritisch betrachtet die Kontrollinstanz auch, dass die Leerungszeiten von Briefkästen in den Vormittag verschoben worden sind.
Zweieinhalb Tage für A-Brief
Die Laufzeit eines A-Post-Briefes dürfte sich verlängern, sollte die Post das Pilotprojekt «Zeitfenster» ausdehnen. Seit August 2008 wird die Post als Testversuch in einigen Gemeinden im Kanton Waadt erst am Nachmittag verteilt. Lediglich Geschäftszonen werden am frühen Morgen bedient.
Wegen der vorverschobenen Leerungszeiten könnte die Reise eines A-Post-Briefes im schlechtesten Fall also zweieinhalb Tage dauern, ohne als verspätete Zustellung zu gelten. PostReg hält fest, dass frühere Leerungszeiten und spätere Zustellungen einen Abbau der Grundversorgung bedeuten würden.
Paketmarkt im Aufwind
Besser sieht es dagegen im Paketmarkt aus. Die Laufzeit bei den Priority-Paketen verbesserte sich gegenüber dem Vorjahr von 97,6 auf 98 Prozent und bei den Economy-Paketen von 97,5 auf 98,7 Prozent. Für den seit 2004 vollständig liberalisierten Paketmarkt sei das eine kontinuierliche Qualitätszunahme.
Wie die PostReg festellt, nimmt die Zuverlässigkeit der Post im Wettbewerb zu. Im Monopol hingegen, zu dem bis zum 1. Juli Briefe bis unter 100 Gramm gehören, hat sich der Dienst verschlechtert. Dies obwohl die Post mit den Monopoldiensten mehr verdient hat - rund 292 Millionen gegenüber 223 Millionen im Vorjahr.
Post-Reg attestiert auch den privaten Postanbietern im Jahr 2008 gute Arbeitsbedingungen. Für praktisch alle Mitarbeitenden gelte ein Mindestjahreslohn von 42'000 Franken brutto. Die Regelarbeitszeit liege bei 43 Stunden pro Woche. Für Lastwagenfahrer ist eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 46 Stunden branchenüblich.
Post im Dorfladen
Die PostReg verfolge aufmerksam, wie Poststellen ausgelagert werden können, sagte Furrer. Ende 2008 gab es noch 2408 Poststellen. Das Angebot von «Post im Dorfladen» sei im internationalen Vergleich gering. Die Vorgabe sei, dass 90 Prozent der Poststellen in 20 Minuten erreichbar sein sollten.
In seinem Vorwort zum Jahresbericht schreibt Furrer, der Service public sei in kaum einem Lande so heilig wie in der Schweiz. Es gebe eine ausgezeichnete und flächendeckende Versorgung durch Bahnen und Busse, Telekommunikation und auch durch Postdienstleistungen. Diese gelebte Solidarität mit Minoritäten und Randregionen sei einer der wesentlichen Werte der Schweiz. (cpm/sda)
Erstellt: 30.06.2009, 11:19 Uhr
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