Wirtschaft

Schmerzlicher Gewinneinbruch für Orell Füssli

Aktualisiert am 09.02.2012 16 Kommentare

Der Konzern muss für 2011 einen erheblichen Gewinnrückgang verkraften. Orell Füssli nennt mehrere Gründe für das schlechte Resultat. Und setzt seine Hoffnungen auf das Internet.

Orell Fuessli


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Verkaufte weniger Bücher: Buchhandlung Orell Füssli in Zürich. (Bild: Keystone )

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Die Industrie- und Buchhandelsgruppe Orell Füssli hat ein schwieriges Geschäftsjahr hinter sich. Die Ergebnisse sind 2011 in allen Divisionen zurückgegangen. Der Betriebsgewinn (Ebit) etwa sackte um 83 Prozent auf 2,3 Millionen Franken ab.

Der Umsatz brach um 9 Prozent auf 289 Millionen Franken ein, wie Orell Füssli am Donnerstag aufgrund erster provisorischer Zahlen bekanntgab. Damit bestätigte sich die Mitte Dezember vom Unternehmen herausgegebene Gewinnwarnung. Die negative Ergebnisentwicklung wurde dabei vom operativen Geschäft aller Divisionen sowie durch Sondereffekte im Industriegeschäft Atlantic Zeiser und bei den Buchhandlungen verursacht.

Personalkosten seien überproportional

Während Atlantic Zeiser 2011 zwar den Umsatz in Euro steigern konnte, blieb das Wachstum aber deutlich unter den Erwartungen. Die Personalkosten seien überproportional gewachsen. Massnahmen zur Senkung der Fixkosten seien aber in die Wege geleitet worden.

Das Buchhandelsgeschäft war laut Orell Füssli 2011 geprägt von Preissenkungen von bis zu 10 Prozent, die durch Währungsverschiebungen verursacht wurden. In Kombination mit einem leichten Absatzrückgang habe sich dies massiv auf den Umsatz ausgewirkt. Da der Umsatzrückgang nicht im gleichen Masse auf der Kostenseite kompensiert werden konnte, verschlechterte sich das operative Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr.

Weitere Verzögerung der Banknoten

Im Sicherheitsdruck habe trotz der unerwarteten Verzögerungen beim Druck der neuen Schweizer Banknoten dank ausländischen Aufträgen eine gute Auslastung der Produktion erreicht werden können. Der starke Franken habe allerdings zu einer erheblichen Margenminderung geführt.

Wie schon im Dezember 2011 mitgeteilt, musste der Produktionsstart der neuen Schweizer Banknoten verschoben werden, weil ein Zulieferer die Vorgaben der Schweizerischen Nationalbank (SNB) nicht ganz erfüllen konnte. Dies müsse nun korrigiert werden, sagte Orell-Füssli-Chef Michel Kunz am Donnerstag der Nachrichtenagentur sda.

Weitere Verzögerung bei Geldnoten

Die SNB wollte die neuen Banknoten, die in einem neuen Verfahren hergestellt werden, eigentlich Ende 2012 in Umlauf bringen. Heute teilte die SNB indes mit, dass sich die Emission um mindestens ein Jahr verzögern werde.

Aufgrund dieser Probleme wird auch der Druck auf unbestimmte Zeit hinausgeschoben. Michel Kunz schliesst aber nicht aus, dass Orell Füssli die Noten noch in diesem Jahr produzieren kann. «Die SNB braucht eine Vorlaufzeit von sechs bis neun Monaten nach dem Druck, bevor die Banknoten in Umlauf gebracht werden können», erklärt Kunz.

Aber auch wenn sich weitere Verzögerungen der neuen Schweizer Banknoten abzeichnen, werde im Sicherheitsdruck die Produktion im 2012 für eine Rückkehr zum gewohnten Ertragsniveau sorgen, da in einem solchen Fall mehr alte Banknoten nachgedruckt würden, führte der Orell-Füssli-Chef aus.

Beruhigung der Preise erwartet

Insgesamt schaut das Unternehmen verhalten optimistisch in die Zukunft. So sollen im laufenden Jahr bei Atlantic Zeiser strukturelle Massnahmen umgesetzt werden, um eine nachhaltige Ertragswende einzuleiten. Die Kosten für die Umstrukturierung wurden der Jahresrechnung 2011 belastet.

Beim Buchhandelsgeschäft rechnet Orell Füssli mit einer Beruhigung bei der Preisentwicklung. Überdies sei man Dank der Bereinigung des Filialnetzes und dem Ausbau der Internetaktivitäten zuversichtlich, bessere Ergebnisse zu erreichen.

Orell Füssli gibt die detaillierten Zahlen zum Jahresabschluss 2011 am 12. April bekannt. 2010 hatte das Unternehmen bei einem Umsatz von 317 Millionen Franken einen Ebit von 13,2 Millionen Franken erzielt.

Die Orell-Füssli-Aktie gibt deutlich nach. Der Titel lag kurz nach Mittag 2,7 Prozent im Minus auf 104 Franken. Der Gesamtmarkt gemessen am Swiss Performance Index (SPI) notierte derweil praktisch unverändert (-0,05 Prozent). (kpn/sda)

Erstellt: 09.02.2012, 09:11 Uhr

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16 Kommentare

Hans Meier

09.02.2012, 10:06 Uhr
Melden 9 Empfehlung

Orell Füssli hat den Buchmarkt in Zürich kaputt gemacht. Computer Buchhandlung Ernst, Kunstbuchhandlung, etc. Immer dasselbe: Möglichst eine grosse Abteilung aufbauen bis die Konkurrenz kaputt ist, dann sofort das Angebot wieder herunterfahren, schön eine nach der anderen. Damit haben sie viele treue Buch-Kunden verärgert, zum Beispiel mich. Ich bestelle aus Prinzip nichts mehr bei Orell Füssli Antworten


Thomas Meier

09.02.2012, 10:12 Uhr
Melden 7 Empfehlung

Bei einem Ja zur Buchpreisfindung dürften die Resultate noch deutlich schwächer ausfallen. Dann würden Kunden vermehrt ihre Bücher Online bestellen, und da hat Amazon immer noch die Nase vorn.
Während der Buchpreisbindung bis 2007 hat man sich zu lange auf seinen Lorbeeren ausgeruht und erst auf grossen Konkurrenzdruck ein etwas attraktiveres Online-Portal aufgebaut. Wer zu spät kommt......
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