Wirtschaft

Schuldnerjagd im Internet

Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 11.06.2012 39 Kommentare

Soziale Netzwerke wie Facebook werden in Deutschland jetzt auch als Spionagewerkzeug von Schuldeneintreibern genutzt. Greift dieser Trend auch auf die Schweiz über?

Schuldner unter der Lupe von Betreibungsbüros: Wer seine Schulden nicht zahlt, muss damit rechnen, von den Betreiberfirmen über Facebook ausspioniert zu werden.

Schuldner unter der Lupe von Betreibungsbüros: Wer seine Schulden nicht zahlt, muss damit rechnen, von den Betreiberfirmen über Facebook ausspioniert zu werden.
Bild: Keystone

Artikel zum Thema

Zur Rechtslage

Rechtlich gesehen dürfen den Schuldnern keine Inkassokosten auferlegt werden. Dennoch kommt es oftmals zu diesen Aufschlägen. Das wird deshalb gemacht, weil die Erfolgsquote der Inkassobüros relativ gering ist, sagen Rechtsexperten. Um wenigstens die Kosten für die Betreibung zu decken, werden diese Aufschläge dennoch verlangt.

Nur der Staat hat das Eintreibungsmonopol, private Schuldeneintreiber befinden sich hingegen in einer rechtlichen Grauzone (siehe Artikel). Meist prüfen die Betreibungsbüros keine Einzelfälle und machen mit der Masse das Geschäft. Kommt ein Fall doch einmal vor Gericht, dann verlieren zumeist die Inkassobüros.

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Wer seine Schulden nicht zahlt, muss damit rechnen, von den Betreiberfirmen über Facebook (FB 18.19 -0.82%) ausspioniert zu werden. Das plant der grösste deutsche Auskunftsdienst Schufa (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) einem Bericht des Radiosenders NDR zufolge. Die Schufa, die massgeblich am Bad Homburger Inkassobüro beteiligt ist, wollte mit der Universität Potsdam in einem Projekt Daten aus sozialen Netzwerken wie Facebook analysieren, um so viele Informationen wie möglich über «Kunden» zu erlangen. Das heikle Thema wurde der Universität zu heiss, die Kooperation wurde umgehend beendet. An den Absichten der Schufa ändert das bis dato nichts.

Auch in der Schweiz finden diese Methoden Anklang bei den Schuldeneintreibern. «Man kann das für die Identifikation nutzen, oder um einen Schuldner aufzufinden», bestätigt Claude Federer, Geschäftsführer bei der Gläubigerschutzorganisation Creditreform. Für Bonitätsauskünfte sei dies zwar nicht geeignet, wohl aber für die Bestimmung von Schuldnern.

Was für die deutsche Schufa taugt, ist für das Schweizer Pendant Deltavista vorerst noch keine gute Lösung. «Deltavista nutzt keine Daten aus Facebook oder anderen Social-Media-Plattformen», sagt dessen Leiter Peter Stämpfli. «Wir schätzen den Informationsgehalt der Social-Media-Plattformen für unsere Dienstleistungen als nicht relevant ein.» Deltavista betreibe selbst keine eigenen Inkassotätigkeiten, sondern stelle die Informationen dafür zur Verfügung.

Für Giovanni Borrelli, Geschäftsführer und Inhaber des Betreibungsbüros Collecta, sind die Angaben auf Facebook oft zu vage, er räumt aber ein, dass eine Sichtung «in Spezialfällen» erfolge. «Wir haben aber in der Vergangenheit damit bisher wenig Erfolg gehabt.»

Rechtliche Grauzone

Die Vertreter der Bonitätsprüfer gehen mit Ihren Antworten sehr vorsichtig um. Umstritten ist das Metier der Schuldeneintreibung allemal. Häufig führen deren Methoden zu rechtlichen Auseinandersetzungen.

Der Zürcher Anwalt Nicolas Schwarz erklärt, weshalb sich die Schuldeneintreiber in einer rechtlichen Grauzone befinden: «Facebook und Google lassen sich von den Schweizer Behörden nichts diktieren. Und in den USA ist der Datenschutz sehr grosszügig geregelt.» Auch gebe es in der Schweiz keine gerichtlichen Präzedenzfälle für die (missbräuchliche) Nutzung von Facebook-Informationen. «Man wird wohl auf den Zweck, den der Nutzer verfolgt, abstellen müssen», meint Schwarz. «Und dieser ist sicher nicht, die Informationen für Auskunftsdienste nutzbar zu machen.»

«Schmutzige Tätigkeit»

Weil die Methoden der Betreibungsbüros und deren Tätigkeit rechtlich umstritten sind, wollen diese auch jeglichen Reputationsschaden vermeiden. Weil das Geschäft besonders heikel ist, werden Konsumentenbetreibungen deshalb gerne in Tochtergesellschaften ausgelagert, die mit dem renommierten Mutterhaus nicht in Verbindung gebracht werden sollen.

Ein Beispiel für die Aufgabenteilung: Zum Prüfungsunternehmen Dun & Bradstreet gehört in der Schweiz die Schwestergesellschaft Credita. Diese kontrolliert laut eigenen Angaben die Liquidität des Gläubigers – und zwar «mit hoher Erfolgschance», wie es auf der Website heisst. Darüber hinaus heisst es: «Credita überwacht die Lebens- und Vermögenssituation.» Der Sprecher des Mutterhauses D&B, Christian Wanner, stellt aber klar: «Facebook nutzen wir nicht als Datenquelle.» Ob Facebook von der Schwestergesellschaft Credita zumindest als Informationsquelle genutzt wird, lässt sich laut Wanner nicht so einfach beantworten.

Für Anwalt Schwarz ist die Sache klar: «Einige Unternehmen dieser Branche sind öfter in den Medien, weil sie wegen ihrer schmutzigen Tätigkeit von sich reden machen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.06.2012, 20:00 Uhr

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39 Kommentare

Walter Boshalter

10.06.2012, 20:41 Uhr
Melden 116 Empfehlung 0

Als Wohnort Bäch SZ angeben. Eine Bemerkung in der Mercedes-Gruppe über das lästige Scheibenwischer-Problem mit meinem AMG SLS. Danach in der Börsengruppe die Frage, wie ich die Leverage meiner Leerverkäufe stegern kann. Im Unternehmer-Forum dann motze ich über >150k CHF für einen Spezialisten in meinem Betrieb, ist aber OK da der Umsatz gerade explodiert. Das sollte für ein AAA-Ranking reichen. Antworten


Thomas Tschan

10.06.2012, 20:50 Uhr
Melden 81 Empfehlung 0

Tagein, tagaus hört man kritische Stimmen über Facebook. Mangelnder Datenschutz hier, verpatzter Börsenstart dort. Und dennoch die Menschen nicht den Mumm, sich davon loszulösen. Offenbar ist die Angst, etwas zu verpassen, doch zu gross. Tja... Antworten



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