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Schwabs Naturbursche
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Klein und geopolitisch peripher: Wie die Schweiz, so hat auch Norwegen bislang auf eine Mitgliedschaft in der EU verzichtet. Die besten Politköpfe aus diesem Land werden deshalb nicht EU-Kommissare, sondern übernehmen Spitzenämter in internationalen Organisationen, wie etwa der frühere Ministerpräsident Thorbjörn Jagland, der heute Generalsekretär des Europarats in Strassburg ist. Und nun der 45?Jahre alte Börge Brende.
Der Verwaltungsrat des World Economic Forum (WEF) hat den zweifachen Familienvater in die Geschäftsleitung berufen, wo er die Kontakte zur Zivilgesellschaft pflegen soll. Dieses Amt hatte der ehemalige Journalist der Osloer Tageszeitung «Aftenposten» schon einmal kurzzeitig inne, bevor er 2009 Generalsekretär des Norwegischen Roten Kreuzes wurde. Jetzt kehrt Brende an den Genfersee zurück, gerade noch rechtzeitig zur bevorstehenden Wachablösung des WEF-Gründers Klaus Schwab.
Konservative Jugend
Geboren in einem kleinen Dorf zuhinterst im über hundert Kilometer langen Hardangerfjord, entwickelte Börge Brende schon als Schulbub grosses Interesse am Weltgeschehen. Als 10-Jähriger brachte er seine Eltern, ein Handwerkerpaar, dazu, die drei grössten Tageszeitungen Norwegens zu abonnieren; als 14-Jähriger trat der Junge – dessen ungewöhnlicher Vorname vom gleichnamigen Nationalpark inspiriert ist, den seine Eltern gemeinsam durchwandert hatten – der Jugendorganisation der konservativen Partei bei. Diese trägt bis heute den schonungslosen Namen «Höyre», die Rechte.
Wie in der Schweiz, so tut sich auch in Norwegen in Bezug auf die Weltoffenheit ein Graben zwischen den urbanen und den ländlichen Gebieten auf. So betrachtet, wuchs der junge Brende in der Diaspora auf, denn als Kleinunternehmer an der Nordatlantikküste hatte es sein Vater mit Petroleumfirmen und Fischtrawlern aus allen Himmelsrichtungen zu tun. Börge Brende selbst meldete sich mit 15 Jahren ohne Wissen seiner Eltern für ein Austauschjahr jenseits des grossen Teichs in den USA an. Nach seiner Rückkehr engagierte er sich intensiv (aber letztlich erfolglos) für einen EU-Beitritt seines Landes.
Für die Umwelt
Einige Jahre arbeitete Brende im familieneigenen Betrieb, bevor er an der Universität Trondheim Sozialökonomie und Rechtswissenschaft studierte und schliesslich, als 32-Jähriger, ins norwegische Parlament, das Stortinget, gewählt wurde. Schon nach wenigen Jahren wurde er zum norwegischen Umweltminister ernannt. Obwohl ein Mann der Wirtschaft, machte er sich – ganz im Geist der früheren Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland – für die Anliegen der Natur und der Umwelt stark. Und wie Brundtland erhielt Brende bald Aufträge der Vereinten Nationen und leitete später die UNO-Kommission für nachhaltige Entwicklung.
Es ist typisch für Norwegen, dass Spitzenkräfte in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft relativ einfach ihre Hauptbetätigungsfelder tauschen. Die Übersichtlichkeit des Landes und flache Hierarchien machen dies möglich, das moderne Familienverständnis trägt dazu bei. Ausgerüstet mit einem solchen Rucksack, macht sich Börge Brende nun dazu auf, in der Geschäftsleitung des WEF, der vielleicht wichtigsten Schnittstelle von internationaler Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, Brücken zu bauen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 08.03.2011, 20:39 Uhr
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