Schweinegrippe: Wie stark die Wirtschaft leidet
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Es sei zu befürchten, dass sich fast jeder dritte Europäer anstecken könne, wenn sich das Virus in den kommenden Monaten verändere und deutlich aggressiver werde, sagte EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou der Tageszeitung «Die Welt». Infolge dessen könne die wirtschaftliche Erholung in der EU geschwächt werden. Zugleich rief die EU-Kommissarin die Bevölkerung zur Impfung auf.
Dabei schützt eine landesweite Impfung nicht nur vor Ansteckung und damit einer weiteren Ausbreitung der Epidemie, sondern ist nach einer Studie von Allianz und Rheinisch-Westfälischem Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) auch ökonomisch sinnvoll. Denn mit einer deutlich reduzierten Erkrankungsrate würden die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen halbiert.
40 Milliarden Euro weniger BIP
Im schlimmsten Fall, also einer angenommenen Ansteckungsrate von 50 Prozent der Bevölkerung, würde der Studie zufolge das Bruttoinlandsprodukt um 1,6 Prozent oder rund 40 Milliarden Euro zurückgehen. Bei einer landesweiten Impfung würde in diesem schwersten Szenario das Minus dagegen nur bei 0,8 Prozent liegen.
Als Ursachen für den gesamtwirtschaftlichen Rückgang werden einerseits hohe Krankenstände und damit unter anderem niedrigere Produktivität angenommen. Auf der Nachfrageseite schlägt sich nach den Berechnungen ein geändertes Sozial- und Konsumverhalten nieder, mit dem der Einzelne versuche, eine Ansteckung zu vermeiden. Besonders schwer betroffene Branchen wären daher vor allem Transport, Gastgewerbe und Kultur mit erwarteten Rückgängen von jeweils maximal sechs Prozent.
Krise bei Schweinegrippe besser als Boom
Bei einer entsprechenden Untersuchung aus dem Jahr 2006 über mögliche Auswirkungen einer Vogelgrippenseuche war insgesamt gleichwohl noch von doppelt so hohen Verlusten ausgegangen worden. Neben dem bislang relativ milden Verlauf der Schweinegrippe machen die Experten ausgerechnet die Wirtschaftskrise für die vergleichsweise geringen Auswirkungen verantwortlich. «Tatsache ist, dass die Unternehmen in der aktuellen schwierigen Wirtschaftslage weniger unter der neuen Grippe leiden als im Boom», erklärte RWI-Präsident Christoph Schmidt.
In einem mittleren Pandemieszenario mit einer auch von der EU als möglich erachteten Erkrankungsrate von 30 Prozent würde das BIP demnach um 0,8 Prozent beziehungsweise 0,4 Prozent (bei landesweiter Impfung) zurückgehen. Bei dem als leicht erachteten Szenario mit 15 Prozent Angesteckten würde es um 0,4 beziehungsweise 0,2 Prozent sinken.
Selbst bei leichtem Verlauf sollen Zigtausende Intensivbetten fehlen
Selbst auf dieses leichte Pandemieszenario sind die Krankenhäuser in Deutschland der Studie zufolge nicht ausreichend vorbereitet: Schon bei einer Erkrankungsrate von 15 Prozent fehlen demnach rund 45'000 Intensivbetten und Beatmungsplätze. Bei einem schweren Verlauf wären es sogar 180'000, wie Allianz und RWI erklärten. Auch die Notfallplanung in den Betrieben sei noch nicht optimal.
EU-Kommissarin Vassiliou rief die Bevölkerung erneut zur Impfung auf: «Je höher die Zahl der geimpften Menschen ist, desto weniger kann sich die Pandemie ausbreiten.» Mehr als die Hälfte der Deutschen will sich nach einer Umfrage des Hamburger Gewis-Instituts nicht gegen die Schweinegrippe impfen lassen.
In Österreich startete derweil eine landesweite Impfaktion. Die russischen Gesundheitsbehörden melden die ersten Todesfälle durch Schweinegrippe. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit etwa 5000 Menschen an der Schweinegrippe gestorben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.10.2009, 14:22 Uhr
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