Schweiz öffnet die Tür zum Renminbi-Handel

Dank einem Swap-Abkommen mit China kann der heimische Finanzplatz Boden gutmachen gegenüber europäischen Mitbewerbern.

Chinesisches Geld soll mit einem «Renminbi-Hub» auch in der Schweiz erhältlich sein: Ein Bankangestellter in Shanghai beim Notenzählen. Foto: Getty Images

Chinesisches Geld soll mit einem «Renminbi-Hub» auch in der Schweiz erhältlich sein: Ein Bankangestellter in Shanghai beim Notenzählen. Foto: Getty Images

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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) und ihr chinesisches Pendant, die ­People’s Bank of China (PBC), haben das Fundament für vermehrte Kapitalflüsse zwischen den zwei Ländern gelegt. Anlässlich seines Chinabesuchs unterzeichnete SNB-Präsident Thomas Jordan gestern ein Swap-Abkommen, auf das sich die beiden Notenbanken in mehrmonatigen Verhandlungen verständigt hatten. Wie die SNB in ihrer Mitteilung festhält, sei die Übereinkunft «eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung eines Renminbi-Marktes in der Schweiz».

Die Schweizerische Bankiervereinigung (SBV) ist denn auch voll des Lobes über den Vertragsabschluss. «Wir freuen uns sehr darüber, dass das Swap-Abkommen unter Dach und Fach ist», sagte SBV-Sprecherin Daniela Flüciger. Man habe lange darauf hingearbeitet in regelmässigen Kontakten mit chinesischen Vertretern des Finanzsektors, zuletzt beim ersten «Swiss-Chinese Financial Round-Table» im Juni in Bern. Dabei, ergänzte Flückiger, «haben wir immer ein starkes Interesse aufseiten unserer Gesprächspartner in China gespürt».

Europäischer Wettlauf

Verschiedene europäische Finanzzentren liefern sich einen Wettlauf, um sich als Offshore-Handelsplatz für die chinesische Währung Renminbi und chinesische Wertpapiere zu positionieren. Die – wenngleich sehr vorsichtigen – Bestrebungen Chinas, den eigenen Finanzsektor für ausländische Akteure zu öffnen, die grenzüberschreitenden Kapitalströme auszuweiten und dem Renminbi mehr Gewicht als internationale Transaktionswährung zu verleihen, werden in Europa als Chance gesehen, den Banken einen vielversprechenden neuen Wachstumsmarkt zu erschliessen.

Grundvoraussetzung dafür ist jedoch der Abschluss eines Swap-Abkommens. Die mit China unterzeichnete, auf drei Jahre befristete Vereinbarung erlaubt es der SNB, bis zu maximal 150 Milliarden Renminbi (21 Milliarden Franken) von Chinas Notenbank zu beziehen, falls hiesige Banken Mühe bekunden, anderweitig zu chinesischem Geld zu kommen; Gleiches gilt umgekehrt für die PBC beim Bezug von Franken bei der SNB. Somit kann die Schweiz nun gleichziehen mit den Hauptkonkurrenten bei der Etablierung eines «Renminbi-Hubs», Grossbritannien und die Eurozone. China hat Swap-Abkommen mit insgesamt über 20 Ländern ausgehandelt.

Der «nächste wichtige Schritt», so SBV-Sprecherin Flückiger, auf dem Weg zu einem Renminbi-Handelsplatz wäre die Ansiedlung einer chinesischen Geschäftsbank in der Schweiz, welche die operative Abwicklung der Franken-Renminbi-Transaktionen (Clearing) übernehmen würde. Doch bislang ist hierfür noch niemand auszumachen: Laut Vinzenz Mathys, Sprecher der Finanzmarktaufsicht Finma, liegt derzeit kein Gesuch eines chinesischen Instituts um Erhalt einer Banklizenz vor. Dies ist indes der einzige Weg, denn China verlangt, dass das Renminbi-Clearing durch eine chinesische Bank erfolgen muss.

London eilt diesbezüglich der kontinentaleuropäischen Konkurrenz voraus: Mitte Juni hatte die PBC die zweitgrösste Bank des Landes, die China Construction Bank, mit dem Clearing auf dem dortigen Finanzplatz betraut. Ende letzten Monats machte die chinesische Notenbank zwar ihre grundsätzliche Absicht publik, auch für Paris und Luxemburg zwei chinesische Clearing-Institute zu ernennen, ohne aber zu sagen, wann diese Ernennungen erfolgen.

Rückschläge immer möglich

Dessen ungeachtet beurteilt Daniela Flückiger die Chancen der Schweiz als Renminbi-Hub nach wie vor als «gut». Die Sprecherin der Bankiervereinigung verweist auf die unterschiedliche Ausgestaltung der europäischen Finanzplätze und die «international herausragende Stellung» von Genf und Zürich in der internationalen Vermögensverwaltung.

Dass bei diesem Wettbewerb mitunter auch Rückschläge einzustecken sind, musste letzte Woche Frankfurt erleben. Die Bank of China, die zu den vier ­Grossen des Landes zählt, liess die dort vorgesehene Unterzeichnung einer ­Clearing-Vereinbarung kurzfristig und ohne Angabe von Gründen platzen. Das Kreditinstitut ist nach einem Bericht des staatlichen chinesischen Fernsehens in die Kritik geraten, weil es – neben anderen einheimischen Geldhäusern – vermögenden Chinesen dabei behilflich ist, Renminbis ins Ausland zu verschieben. Dies unter Umgehung der rigorosen chinesischen Kapitalkontrollen, welche die jährlich ins Ausland zu transferierende Geldsumme auf umgerechnet 50'000 Dollar beschränken.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 22.07.2014, 06:46 Uhr)

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