Wirtschaft
Schweizer AKW-Zulieferer wittern das grosse Geschäft in Asien
Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 08.07.2011 13 Kommentare
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In China und Indien explodieren die Umsätze der Atomindustrie. In Europa hingegen schrumpfen die Geschäftschancen im Zuge des Atomausstiegs. Seit Fukushima sprechen mehr als 80 Unternehmen in Europa davon, dass die Atomkraft bis 2020 einen wesentlich kleineren Anteil ausmachen wird als heute. Diese Einschätzung hat das Marktforschungsunternehmen Homburg & Partner erhoben.
«Während das Geschäft für die Atomindustrie in Europa rückläufig sein wird, liegen in den Wachstumsmärkten die Steigerungsraten für die Branche bei 15 Prozent mehr Umsatz pro Jahr», sagt Studienautor Vitali Kasmil. Jetzt soll die seit 30 Jahren bestehende Atomtechnologie verstärkt nach China und Indien verkauft werden.
Verscherbeln alter Technologien
Was Sabine von Stockar, Projektleiterin der Schweizer Energiestiftung SES, heftig kritisiert: «Die Technologie ist uralt und hat sich seit 30 Jahren nicht verändert.» Alte Atomkraftwerke seien ein Flickwerk. Und bei neu errichteten AKW seien lediglich die Sicherheitssysteme ein wenig angepasst worden. «Die älteren Technologien in neuen Märkten weiterzuverkaufen, ist ein Muster, das wir schon von der nicht mehr ganz aktuellen Kohlekraftwerkstechnologie kennen», sagt Kasmil. Nachdem in Europa Kohlekraftwerke weniger gefragt waren, sei die Technologie umso mehr beispielsweise in die Türkei verkauft worden.
Derzeit sieht die Atomindustrie ihre Felle davonschwimmen. In den nächsten 20 Jahren erreichen laut SES mehr als die Hälfte aller AKW weltweit ihre Altersgrenze und müssen vom Netz. Allein in Europa werden bis 2025 rund 50 laufende AKW stillgelegt. Ohne Frage werde der Atomausstieg die Branche viel Geld kosten. In der Schweiz setzen laut Homburg & Partner insgesamt sieben Atomzulieferbetriebe zusammen 145 Millionen Franken pro Jahr um. Darunter Firmen wie ABB, Endress + Hauser, Parker Hannifin oder Swan. Dass es sich um ein gewaltiges Business handelt, wird am Branchenriesen ABB besonders deutlich: Das Unternehmen setzt mit der Zulieferung von Bestandteilen für Kraftwerke weltweit umgerechnet 532 Millionen Franken um. Um die Umsätze halten zu können, schielen die meisten Firmen insbesondere auf die Märkte China und Indien.
Aus gutem Grund: «Die Atomausstiegsdebatte wird in China und Indien kaum registriert», sagt Michael Ziesemer, Geschäftsführer von Endress + Hauser. «Dass einige Länder im Westen aussteigen werden, darauf wird man sich einstellen müssen.» Der Schweizer Zulieferer und Familienbetrieb setzt mit der Lieferung von Kraftwerkskomponenten fast 16 Millionen Franken pro Jahr um. Auf die Investitionen in China und Indien werde sich der Atomausstieg aber nicht auswirken. Beide Länder haben einen enormen Nachholbedarf an Elektrizitätsinfrastruktur. Die International Energy Agency (IEA) geht davon aus, dass China und Indien bis 2030 mehr als die Hälfte der weltweit steigenden Energienachfrage ausmachen werden.
Milliarden-Umsätze in Aussicht
Wenn die Schwellenmärkte halten, was sie versprechen, dann werden diese beiden Märkte zur Goldgrube für die Schweizer Atomzulieferbranche. Die Prognose lautet, dass die Schweizer Zulieferer in 15 Jahren die Milliarden-Umsatz-Grenze geknackt haben werden. Was die Unternehmen lockt: «Die Technologie ist erprobt und die beiden Länder sind atomfreundlicher, weil die Gesetzgebung vor allem auf diese Energieform ausgerichtet ist», so Kasmil. ABB-Sprecher Antonio Ligi sieht das ähnlich: «Schwellenländer wählen die ganze Breite von Energieproduktionsmöglichkeiten und vermehrt vor allem auch erneuerbare Energiegenerierungsformen wegen eines enormen brachliegenden Potenzials.»
Wobei die Märkte China und Indien durchaus unterschiedlich sind: In China wird vorrangig in grosse Projekte im Kraftwerkssektor investiert. «Der gesamte Maschinenbau ist in China von Riesenprojekten dominiert», sagt Ziesemer. Ganz im Gegensatz zu Indien, wo sich die Investitionen auf viele kleinere Energieversorgungs- und Infrastrukturprojekte verteilen.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.07.2011, 16:15 Uhr
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13 Kommentare
War doch zu erwarten: Schweizer haben ein reine Weste, die alten Meiler sind im Ausland, und von denen kaufen wir dann Strom. Obwohl es 1000 Mal klüger wäre, neue AKWs mit bester Technologie in der CH zu bauen, unter eigener Kontrolle. Aber eben, solche Überlegungen sind nicht jedermanns Sache. Lieber Augen zu und auf die Explosion der uralten AKWs in der Türkei warten. Antworten
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