Schweizer Banken sind reich und ineffizient

Die hohen Kosten lassen Schweizer Privatbanken im Vergleich mit dem Ausland schlecht abschneiden. Für kleine Geldhäuser wird es eng.

Schweizer Privatbanken sind nicht effizient genug: Paradeplatz in Zürich (6. Januar 2015).

Schweizer Privatbanken sind nicht effizient genug: Paradeplatz in Zürich (6. Januar 2015). Bild: Christian Beutler/Keystone

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Die Kosten steigen, die Einnahmen sinken. Das ist seit Jahren die unbequeme Ausgangslage für Schweizer Banken. Die Weissgeldstrategie des Schweizer Finanzplatzes soll dafür sorgen, dass die Geschäfte künftig sauber sind. Gleichzeitig steigen die gesetzlichen Anforderungen. Der Spagat ist für viele Schweizer Banken schmerzhaft, und er führt dazu, dass immer wieder eine Bank auf der Strecke bleibt, wie zuletzt die Zürcher Privatbank Hottinger.

Wie schwierig die Ausgangslage derzeit ist, zeigt eine neue Studie. Die Universität Zürich hat vor wenigen Tagen ihr internationales Privatbanken-Barometer aktualisiert. Die Forscher zeigen auf, dass die Schweizer Banken zwar am meisten Geld pro Mitarbeiter verwalten, doch dafür auch den grössten Aufwand für ihr Geschäft betreiben müssen. Die entscheidende Messgrösse dafür ist das Verhältnis von Kosten und Ertrag. Noch ineffizienter als die untersuchten Institute aus der Schweiz sind nur die Banken aus Deutschland und Grossbritannien. Die Nase vorn haben Banken aus den Benelux-Staaten und Italien.

Laut der Studie liegt das Kosten-Ertrags-Verhältnis bei fast allen Schweizer Banken über 75 Prozent. Vor der Finanzkrise lag es deutlich unter dieser Grenze. Ein Wert über 90 Prozent gilt als gefährlich, und er ist oftmals ein Zeichen dafür, dass die Bank bald die Segel streicht. Ein Blick in ältere Ausgaben der Uni-Zürich-Studie zeigt, dass das durchaus stimmt. Viele Banken, die bei dieser Messgrösse schlecht abschnitten, existieren heute nicht mehr.

Saläre im Sinkflug

Auch in der aktuellen Ausgabe weisen einige Schweizer Privatbanken wieder Kosten-Ertrags-Verhältnisse von bis zu 200 Prozent aus. Für sie dürfte es schwer werden. Zum Vergleich: Die neue Schweizer Credit Suisse, die nächstes Jahr aus der Taufe gehoben wird, will bis ins Jahr 2018 ihr Kosten-Ertrags-Verhältnis von 68 Prozent auf 56 Prozent senken. Das effizienteste der untersuchten Finanzhäuser ist die Privatebanking-Abteilung der Luzerner Kantonalbank.

Das grosse Problem für die Schweizer Banken sind die hohen Löhne. Die Durchschnittskosten pro Privatbankier sind in den letzten zehn Jahren um rund zehn Prozent zurückgegangen. Im Vergleich zum Ausland sind sie noch immer am höchsten. Denn auch in den meisten anderen Ländern sind die Kosten pro Mitarbeiter deutlich gesunken. Die einzigen Banker, die laut der Studie mehr verdienen als früher, wohnen in den Benelux-Ländern und in Frankreich.

30 Prozent verschwinden

Im August prognostizierten das Beratungsunternehmen KPMG und die Universität St. Gallen, dass 30 Prozent der Schweizer Privatbanken in den nächsten Jahren verschwinden werden. Vor allem Geldhäuser mit Vermögen unter 10 Milliarden Franken dürften es schwierig haben. Ihnen fehle oftmals eine Strategie für die Zukunft, so das bittere Fazit dieser Studie.

Profiteure dieser Entwicklung können die Grossbanken sein. Die Credit Suisse will im Schweizer Geschäft weiter wachsen und hat angekündigt, dafür hiesige Banken zu übernehmen oder sie als externe Vermögensverwalter andocken zu lassen. Prominente Objekte sind derzeit auf dem Markt. Mit der Tessiner Bank BSI steht die aktuelle Nummer sieben in der Schweiz zum Verkauf. Noch ist nicht bekannt, wer zuschlägt. Als ein potenzieller Käufer wird oft die Bank Julius Bär genannt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 01.01.2016, 16:19 Uhr)

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