Schweizer Elektrizitätswerke planen eine landesweite Datenautobahn
Kanton Bern stark vertreten
Der Verband Openaxs setzt sich dafür ein, dass alle Dienstanbieter die Glasfasernetze der Elektrizitätswerke zu gleichen Bedingungen nutzen können. Vorläufig gehören elf Elektrizitätswerke Openaxs an: Energie Wasser Bern (EWB); Energie Service Biel; BKW Energie AG; Groupe E in Freiburg; Industrielle Werke Basel (IWB); St. Galler Stadtwerke; EBL Liestal; Stadtwerk Winterthur; EKT Thurgau; AMB Bellinzona; EBM Münchenstein.
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Die Elektrizitätswerke wollen verhindern, dass die Swisscom sich zur Alleinherrscherin auf dem Glasfasernetz aufschwingen kann. Deshalb haben sie mit Franz Stampfli einen erfahrenen Telekommunikationsspezialisten an die Spitze des Verbandes Openaxs gewählt. Elf städtische Elektrizitätswerke gehören Openaxs an. Die Organisation setzt sich für den offenen Zugang zum Glasfasernetz ein.
Der in Ittigen wohnhafte Stampfli arbeitete längere Zeit beim Computerkonzern DEC. Später leitete er mehrere Jahre Alcatel-Lucent in der Schweiz. Die Tochter des französischen Telecomausrüsters bekam den Auftrag für den Bau des Zürcher Glasfasernetzes. «Dabei wurde mir klar, dass das Glasfasernetz gesamtschweizerisch verbunden sein muss. Nur so kann es kostengünstig betrieben werden. Ein Flickenteppich genügt nicht», sagt Stampfli auf Anfrage. Nach seinem Rücktritt bei Alcatel-Lucent im vergangenen Sommer will er nun seine Vorstellungen in die Tat umsetzen.
Möglichst viele Gemeinden anwerben
Als neuer Präsident hat er für Openaxs innert kurzer Zeit eine Projektorganisation auf die Beine gestellt. Sie ist vorerst bei der Freiburger Groupe E untergebracht. Bis Anfang kommenden Jahres will er eine fünfköpfige Geschäftsstelle aufbauen. «Wir stehen vor einer grossen Herausforderung», sagt Stampfli. Es gehe nicht nur darum, die unterschiedlichen Interessen der städtischen EWs unter einen Hut bringen. Openaxs wolle auch die Agglomerationen und die ländlichen Regionen erschliessen. «Es darf nicht sein, dass das Glasfasernetz an der Gemeindegrenze zwischen Bern und Köniz endet oder Gemeinden wie Bolligen und Münsingen ausgeschlossen bleiben», ereifert sich Stampfli.
Deshalb will Openaxs möglichst viele Gemeinden und deren Elektrizitätswerke als neue Mitglieder anwerben. «Wir werden ihnen bei der Erschliessung mit Glasfasern beratend zur Seite stehen», sagt Stampfli. Themen seien beispielsweise der Geschäftsplan, technische Fragen sowie der Abschluss von Verträgen. Das nötige Wissen sei bei Openaxs-Mitgliedern wie Energie Wasser Bern (EWB) oder den Industriellen Werken Basel (IWB) vorhanden. Es gehe darum, dieses Knowhow zusammenzutragen, es zu dokumentieren und den neuen Mitgliedern zur Verfügung zu stellen.
EWZ macht nicht mit
Ausgerechnet das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ), bei welchem Stampfli seine Erfahrungen mit Glasfasern sammelte, ist aber nicht Mitglied bei Openaxs. Er sei aber zuversichtlich, dass er die Zürcher ebenfalls ins Boot holen könne. «Wir stehen in engem Kontakt», sagt Stampfli.
Die Mitgliederwerbung ist das eine, das Gewinnen von Kunden das andere. Die im Aufbau befindlichen Glasfasernetze in Bern, Basel und Zürich haben zwar mit über einem Dutzend Fernseh- und Internetprovidern Verträge abgeschlossen. Aber ein grosses Unternehmen wie Sunrise wünscht ein gesamtschweizerisches Angebot. Diesbezüglich müsse Openaxs zusammen mit seinen Mitgliedern eine Reihe von Fragen klären, betont Stampfli: Gibt es eine gemeinsame Marke, einheitliche Qualitätskriterien, einen gemeinsamen Marktauftritt und standardisierte Schnittstellen? Und nicht zuletzt: Sind die Preise für die Netznutzung überall gleich?
Swisscom hat es einfacher
Die Swisscom hat es einfacher. Sie baut das Glasfasernetz gemeinsam mit den Elektrizitätswerken, beansprucht aber überall eine Faser für sich. Für diese kann sie Standards und Preise selber festlegen. Die lokalen Fasern hängt sie zu einem nationalen Netz zusammen. Stampfli befürchtet, dass die Swisscom vorerst nur die grossen Städte abdecken wird. Dagegen werde sie geringe Lust verspüren, in weniger dicht besiedelten Regionen Glasfasern zu verlegen. «Das zu tun, ist die Aufgabe, aber auch die Chance für die Elektrizitätswerke», meint Stampfli. Die EWs hätten grosse Erfahrung im Bau von Leitungen, und ihr Image in der Bevölkerung sei mindestens so gut wie jenes der Swisscom. Diese Vorteile gelte es für das neue Netz zu nutzen.
Kritiker behaupten, die Rechnung werde für die Elektrizitätswerke nirgends aufgehen: Auf dem Land rentierten die Investitionen in die Glasfasertechnik nicht, und in den Städten werde die Swisscom den Markt dominieren. Den Elektrizitätswerken blieben am Ende nur die Brosamen.
Partner und Konkurrenten
«Elektrizitätswerke und Swisscom sind zugleich Partner und Konkurrenten», sagt Stampfli, «wer von dieser Konstellation mehr profitieren wird, muss sich zeigen.» Wie alle grossen Infrastrukturprojekte sei auch der Bau des Glasfasernetzes mit Risiken verbunden. Aber diese Risiken müssten eingegangen werden. Das Telekommunikationsnetz sei für die Schweiz ebenso wichtig wie das Strassen- und das Bahnnetz. «Es geht darum, dass sich die Schweizer Agglomerationen im Standortwettbewerb mit München, Mailand und Lyon behaupten können», erklärt er.
Erstaunt zeigt sich Stampfli über die jüngst eingereichte Klage von Swisscable bei der Eidgenössischen Wettbewerbskommission. Der Verband der TV-Kabelnetzbetreiber moniert, die Verträge der Swisscom mit den Elektrizitätswerken verschaffe dem Telekommunikationsunternehmen ungerechtfertigte Wettbewerbsvorteile. «Openaxs lädt die Kabelnetzbetreiber zur Zusammenarbeit ein», sagt darauf Stampfli. Die Cablecom habe das Angebot zwar abgelehnt. Aber viele kleinere Kabelnetzfirmen seien sehr interessiert, da sie vor grossen Investitionen stünden.
Die Rechnung gehe für die Elektrizitätswerke weder in der Stadt noch auf dem Land auf, sagen Kritiker des Projekts. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 30.05.2010, 23:12 Uhr
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