Schweizer Exil? Easyjet zieht lieber woanders hin

Um nach dem Brexit keine Flugrechte zu verlieren, gründet Easyjet einen neuen Ableger. Den Plan, die Schweiz zu stärken, hat die Fluglinie verworfen.

Flieger von Easyjet: Die Fluggesellschaft will in der EU weiterhin vom Open-Skies-Abkommen profitieren.

Flieger von Easyjet: Die Fluggesellschaft will in der EU weiterhin vom Open-Skies-Abkommen profitieren. Bild: Alessandro della Valle/Keystone

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Hinter verschlossenen Türen britischer Landsitze und vor vollen Zuschauerrängen im Europaparlament ging es in den vergangenen Wochen hitzig zu und her. Airline- und EU-Vertreter diskutierten die Frage: Wie schaffen Easyjet, Ryanair und Co. es, auch nach dem Brexit noch im ganzen Kontinent ohne Einschränkungen hin und her zu fliegen?

Easyjet glaubt offenbar nicht daran, dass das sogenannte Open-Skies-Abkommen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU in seiner Form bestehen bleibt. Es ermöglicht Airlines, beliebig in der EU hin und her zu fliegen, ohne dass die Ausgangsdestination im Heimatland liegt. Um diese Rechte in der EU weiterhin zu haben, gründet Easyjet nun eine neue Fluggesellschaft in Österreich.

Umfangreicher und gründlich geplanter Prozess

«Nach einem umfangreichen und gründlich geplanten Prozess» habe man Anfang Jahr um ein Air Operator Certificate (AOC) bei der österreichischen Luftfahrtbehörde Austro Control sowie um eine Betriebsbewilligung beim österreichischen Ministerium für Verkehr, Innovation und Technologie angefragt. Die Zulassungsverfahren seien inzwischen weit fortgeschritten, schreibt die Fluggesellschaft. Easyjet hoffe auf die Erteilung des AOC und der Betriebsbewilligung «in naher Zukunft.»

Dass Easyjet die Gründung einer neuen Gesellschaft in Europa plant, war schon länger klar. Der Entscheid für Österreich hingegen überrascht. Als Favorit galt eigentlich wegen der geografischen Nähe und der englischen Sprache Irland. Auch die Niederlande und Zypern wurden als mögliche Standorte gehandelt. Für Österreich habe man sich entschieden, weil Austro Control einen strikten Kurs bei der Umsetzung von Sicherheitsrichtlinien verfolge. Gleichzeitig sei der Regulator in der Lage, eine grosse Anzahl an Flugzeugen zu übernehmen, und habe Erfahrung mit grossen Airlines.

Easyjet Switzerland war auch im Rennen

In der Schweiz betreibt Easyjet mit Easyjet Switzerland bereits eine eigene Airline. Weil die Schweiz bereits ein Open-Skies-Abkommen mit der EU hat, hatte Easyjet-Chefin Carolyn McCall ursprünglich auch einmal mit dem Gedanken gespielt, die Schweizer Tochter zu stärken. Von der Option hat man sich aber nun offenbar verabschiedet.

Eine Sprecherin der Airline betont, dass es sich bei der Gründung in Österreich um ein bürokratisches Konstrukt handele. Es würden keine Flugzeuge von einem anderen Ort nach Österreich verschoben, sondern lediglich die Zertifikate umgeschrieben. Konzernsitz der Fluggesellschaft bleibe London Luton. Doch mit dem Schritt werde man nun zu einer paneuropäischen Airline-Gruppe mit drei Fluggesellschaften in Österreich, der Schweiz und in Grossbritannien.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.07.2017, 12:35 Uhr

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