Wirtschaft

Schweizer Firma entlässt Mitarbeiter – und leistet sich Luxus

Von Melissa Müller. Aktualisiert am 02.07.2009 32 Kommentare

Die krisengeschüttelte Müller Martini lässt für einen fünfstelligen Betrag einen Oldtimer restaurieren. Das möchte die Firma jedoch geheim halten.

Die erste Martini-Eigenproduktion im Automobilbau: Kutsche mit Frauenfelder Motor aus dem Jahr 1898. Derzeit lässt die Firma einen Oldtimer renovieren.

Die erste Martini-Eigenproduktion im Automobilbau: Kutsche mit Frauenfelder Motor aus dem Jahr 1898. Derzeit lässt die Firma einen Oldtimer renovieren. (Bild: zvg)

Anzeigen-Boykott

Leider wollte die Firma Müller Martini am Mittwoch keine Stellung nehmen. Firmensprecherin Daniela Hofstetter, Assistentin der Geschäftsleitung in Felben-Wellhausen, drohte, falls der Artikel publiziert würde, eine Stornierung von Inseratenaufträgen an. Nachdem die «Thurgauer Zeitung» ihr gegenüber festgehalten hat, dass dieser Artikel erscheinen wird, wurden Anzeigenaufträge in der Höhe von 5270 Franken zurückgezogen.

Ursula Fraefel, Chefredaktorin «Thurgauer Zeitung»

Müller Martini hat im Frühjahr den Abbau von über 200 seiner weltweit rund 4000 Stellen angekündigt. 60 Jobs gingen am Standort Felben-Wellhausen TG verloren. Und vor diesem Hintergrund hütet das Unternehmen, das Anlagen für die grafische Industrie herstellt, ein teures Geheimnis. Dieses steht in der Garage eines Frauenfelder Automobil-Renovators, zerlegt in 100 Einzelteile. Es ist ein schwarzer Oldtimer mit Jahrgang 1918, dessen Motor einst in Frauenfeld hergestellt wurde. Das Prunkstück stammt aus der Zeit, als die Müller Martini die erfolgreichste Personenwagenfabrik der Schweiz war – 1897 bis 1934.

Die Restauration soll kostspielig sein, da sie ein ganzes Jahr dauert und mehrere Handwerker – Spengler, Sattler, Auto-Restauratoren – beschäftigt. Müller Martini hält den Oldtimer, der laut Garagist nicht Eigentum der Firma ist, unter Verschluss. Und sie nimmt zum Fakt auch keine Stellung. Man fürchtet, dass sich die Entlassenen verletzt fühlen könnten. Die Tatsache, dass sich das international tätige Unternehmen in der momentan angespannten Wirtschaftslage einen solchen Luxus leistet, dürfte denn auch manchen Betroffenen vor den Kopf stosssen.

«Über Kosten reden wir nicht»

«Die Rechnung geht nicht auf», sagt Erich Kramer, Sektionsleiter der Unia Thurgau. «Die Müller Martini spart mit Kurzarbeit. Gleichzeitig klotzt sie mit einem Prestigeobjekt, das sie sich durch ihre Mitarbeiter finanziert.»

«Über die Kosten reden wir nicht», sagt Daniela Hofstetter, Assistentin der Geschäftsleitung in Felben-Wellhausen. Eigentlich wollte man bis zum Frauenfelder Pfingstrennen 2010 warten und dort mit dem Oldtimer vorfahren. Man arbeite an einem Marketingkonzept mit der Stadt, und es sei denkbar, dass die Müller Martini ihren Oldtimer dereinst den Stadträten zur Verfügung stellt. (ThurgauerZeitung)

Erstellt: 02.07.2009, 11:38 Uhr

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32 Kommentare

Hubert Hodler

02.07.2009, 11:11 Uhr
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Dumm ist nur dass die Firma die Karten nicht offen auf den Tisch legt, gute Gründe für eine Restauration des Mobils gibt es doch sicherlich..... Sehr bedenklich ist die erpresserische Drohgebärde gegenüber der Thurgauer Zeitung, das riecht nach einigem mehr Dreck unter dem Teppich. Da wurden wohl die falschen Personen entlassen! Antworten


susanne franke

02.07.2009, 12:34 Uhr
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Firmenentscheidungen und strategische Kommunikation sind das eine, was ich respektiere. Was hier jedoch auf der Hand liegt, dass es an Sozial- und damit Medienkompetenz mangelt. Neuerdings kann man keine Dinge mehr verheimlichen oder wegradieren. Das ist das neue Internet. Dort gehts der Unglaubwürdigkeit zur Recht an den Kragen. Kommunikation geht alle an und Aufrichtigkeit ist ein wertvolles Gut Antworten



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