Wirtschaft
Schweizer Firmen zwischen den Fronten
Die Lage verschärft sich
In der westafrikanischen Elfenbeinküste droht die Gewalt erneut zu eskalieren. Am Mittwoch starben mindestens fünf Angehörige der Sicherheitskräfte bei Kämpfen mit Anhängern des neu gewählten Präsidenten Alassane Ouattara in der Hafenstadt Abidjan.
«Die Zusammenstösse waren die schwersten seit den Präsidentenwahlen Ende November», berichtete Salvatore Sagués, Westafrika-Experte der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) aus Abidjan. Er befürchtet ein neues Aufflammen bewaffneter Konfrontationen, die das Land zurück in den Bürgerkrieg stürzen könnten.
Die Elfenbeinküste leidet seit Wochen unter einem schweren Machtkonflikt. Der abgewählte Präsident Laurent Gbagbo weigert sich, das Amt an den von der internationalen Gemeinschaft anerkannten Ouattara zu übergeben.
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Die in der Elfenbeinküste ansässigen Schweizer Unternehmen leiden derzeit noch nicht unter der politischen Krise des Landes und den damit verbundenen Krawallen. Sie führen den Betrieb ruhig weiter - allerdings mit gesteigerter Wachsamkeit.
Barry Callebaut, der weltweit grösste Schokoladenproduzent, betreibt zwei Fabriken in der Elfenbeinküste. «Wir hatten bisher keine Probleme. Die Produktion läuft ohne Kürzungen», sagte der Sprecher des Zürcher Unternehmens, Raphael Wermuth. Auch die Ernte in diesem Sommer sei sehr gut gewesen.
«Wir verfolgen die Situation laufend»
«Selbstverständlich beobachten wir die Ereignisse im Land sehr genau und haben entsprechende Vorsichtsmassnahmen getroffen», präzisiert Wermuth. Dasselbe gilt für den in der Elfenbeinküste ansässigen Schweizer Zementfabrikanten Holcim. Das Unternehmen beschäftigt in einer kleinen Fabrik in Abidjan rund 200 Personen.
Der Nahrungsmittelriese Nestlé, der im krisengebeutelten Land im Westen von Afrika über 1000 Mitarbeiter beschäftigt und eine Bouillon-, eine Kaffeefabrik sowie ein Forschungszentrum betreibt, drückt sich besorgter aus: «Unsere Tätigkeiten in der Elfenbeinküste führen wir im Bereich des Möglichen weiter. Wir verfolgen die Situation laufend», schreibt Nestlé in einer Stellungnahme, ohne weitere Details zu nennen.
Alle Mitarbeiter bleiben vor Ort
Unter den insgesamt 35 Schweizer Firmen in der Elfenbeinküste ist auch der Warenprüfungskonzern SGS. Beim Genfer Unternehmen hat die unstabile Situation gemäss eigenen Aussagen zu einer Reduktion der Produktion um rund 20 bis 30 Prozent geführt.
«Unsere Tätigkeiten im Bereich Bergbau sind derzeit auf Eis gelegt. Zudem stellen wir einen Rückgang im Bereich der technischen Kontrolle von Fahrzeugen fest», sagt SGS-Sprecher, Jean-Luc de Buman. Im Bereich Qualitäts- und Mengenkontrollen in Frachthäfen hingegen, einem wichtigen Geschäftszweig von SGS, sei weiterhin sehr viel Bewegung auszumachen. Auch wenn SGS «selbstverständlich» Sicherheitsmassnahmen für die 450 Angestellten vor Ort getroffen habe, arbeite man unter dem Strich «ziemlich ruhig». «Auf jeden Fall bleiben vorerst alle Mitarbeiter in der Elfenbeinküste», so de Buman weiter.
Keine Ausreiseempfehlung
Im Gegensatz zu Frankreich und Grossbritannien hat die Schweiz ihre Landsleute nicht generell dazu aufgerufen, die Elfenbeinküste zu verlassen. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) empfiehlt aber Personen, deren Anwesenheit vor Ort nicht unbedingt nötig sei, das Land zeitweilig zu verlassen, bis sich die Situation normalisiert habe.
Gemäss dem EDA ist die Schweiz hinter Frankreich und Grossbritannien der drittgrösste ausländische Investor im westafrikanischen Land. Das Handelsvolumen zwischen den beiden Ländern stagniere allerdings mit 40 Millionen Franken seit 2008 auf einem tiefen Niveau.
Blutige Auseinandersetzungen
Die Elfenbeinküste leidet unter einer politischen Krise im Nachgang an die Präsidentschaftswahlen vom 28. November. Zwei Kandidaten, der bisherige Präsident Laurent Gbagbo und sein Herausforderer Alessane Ouattara, beanspruchen den Wahlsieg für sich. In Abidjan, dem Regierungssitz des Landes, kam es mehrmals zu blutigen Auseinandersetzungen der beiden politischen Lager. (jak/Sophie Gaitzsch, sda)
Erstellt: 12.01.2011, 23:21 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.




