Schweizer Taxifahrer demonstrieren gegen Uber

In Bern gehen Taxifahrer gegen die ungeliebte Konkurrenz aus dem Silicon Valley auf die Strasse. Das ist ihre Forderung.

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Hupend, mit eingeschalteten Warnblinkern und dekoriert mit «Anti-Uber«-Fahnen und -Klebern sind heute Nachmittag rund 450 Taxis in Kolonnen durch die Stadt Bern gefahren. Sie fordern ein Verbot des amerikanischen Fahrdienstanbieters Uber in der Schweiz.

«In Basel nimmt Uber den Taxis 20 bis 30 Prozent des Umsatzes weg», sagte Rita Taschner neben den rund 450 Taxis beim Stade de Suisse. Taschner ist Taxifahrerin in Basel, im Vorstand der Taxifachgruppe der Unia und Mitglied in der nationalen Taxi Union. Die beiden Organisationen haben zur nationalen Demonstration in Bern aufgerufen.

Video: Martin Bürki

Forderung nach schweizweitem Verbot

«Uberfahrer haben keine Taxometer im Auto und verstossen damit gegen Schweizer Recht», sagte Taschner. Zudem bezahle die Firma, die den europäischen Sitz in Holland hat, den Fahrerinnen und Fahrern keine Sozialleistungen. «Ubertaxis brauchen ausserdem die Schweizer Strassen, ohne dass die Firma hier Steuern bezahlt», ergänzt Andreas Suter, ebenfalls Taxifahrer und Mitglied der erwähnten Organisationen.

Nach der gemeinsamen Fahrt vom Wankdorf zur Bundeskanzlei wollten die Taxifahrerinnen und Taxifahrer der Regierung und dem Parlament einen offenen Brief übergeben, in welchem sie ein schweizweites Verbot von Uber verlangen.

Kritik von den Jungfreisinnigen

Der Fahrdienstanbieter Uber teilte der Nachrichtenagentur sda im Vorfeld der Demonstration mit, dass in den vergangenen Monaten vergeblich das Gespräch mit der Unia gesucht worden sei. «Aus unserer Sicht wäre es sinnvoller, die vorhandenen Kräfte in die Modernisierung der Branche zu stecken», schreibt der umstrittene Fahrdienstanbieter. Sie hätten gerne mit der Unia darüber diskutiert, welche Möglichkeiten der Zusammenarbeit es gäbe.

Ebenfalls auf Kritik stossen die Demonstranten mit ihrer Aktion bei den Jungfreisinnigen. Die Kampfansage gegen ein innovatives Unternehmen wie Uber sei fehl am Platz, schreiben sie in einer Mitteilung.

Die Polizei hatte für die bewilligte Kundgebung am Montagnachmittag für die Taxis bis 16.00 Uhr die Bundesgasse und Amtshausgasse gesperrt und vor einer erschwerten Zufahrt zur Innenstadt gewarnt.

Uber - in Paris erfunden – in San Francisco gegründet

Uber gibt es seit 2009. Gemäss Angaben auf der Firmenwebseite hatten Travis Kalanick und Garrett Camp ein Jahr zuvor an einem verschneiten Abend in Paris Schwierigkeiten, ein Taxi zu bekommen. An diesem Abend entstand die Idee für Uber.

Kalanick ist heute Konzernchef von Uber. Mit einem geschätzten Vermögen von 6 Milliarden US-Dollar belegte der 39-Jährige 2015 Platz 283 auf der «Forbes«-Liste der reichsten Menschen der Welt. Der 37-jährige Camp, der eine Reihe vielversprechender Internet-Startups mit angeschoben hat, sitzt im Verwaltungsrat der kalifornischen Firma.

Das Unternehmen firmierte nach seiner Gründung in San Francisco zunächst unter dem Namen Ubercab. Das Uber stammt dabei vom deutschen Wort «über». Das «Übertaxi» musste seinen Namen 2011 wegen eines Rechtsstreits zu Uber ändern.

Keine Vermittlung in Genf

Wie der Fahrdienstvermittler Uber mitteilt, hat er die Zahl seiner Fahrten in der Schweiz im vergangenen Jahr um das Vier- bis Fünffache gesteigert. Alleine in Zürich gibt es rund 100'000 Nutzer und eine hohe dreistellige Zahl an Fahrern.

In der Schweiz vermittelt das US-Unternehmen drei Fahrdienste: UberPop, UberX und UberBlack. Bei UberPop befördern Privatleute Fahrgäste mit dem eigenen Auto. Der Fahrdienstvermittler bezeichnet UberPop als Bestandteil der Share Economy, wo jeder sich und seine Fähigkeiten der Allgemeinheit zur Verfügung stellt.

Besonders mit UberPop stösst das Startup weltweit auf scharfen Gegenwind der Taxi-Branche. Inzwischen wurde das Angebot nach mehreren Gerichtsurteilen in zahlreichen Städten und Ländern eingestellt oder verboten. UberPop gibt es in Basel, Zürich und Lausanne, aber nicht in Genf. (ij/nag/sda)

(Erstellt: 29.02.2016, 15:11 Uhr)

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