Schwierige Reisesaison für Banker

Nach der Herausgabe von 10'000 Namen an die USA hat der Bankpersonalverband eine Helpline eingerichtet. Banker berichten von Entlassungen – der Verband davon, dass Topmanager mit den US-Behörden spezielle Agreements aushandelten.

Die USA bleiben nach der Übermittlung von rund 10'000 Namen für viele Schweizer Bankangestellte tabu. Freiheitsstatue im Hafen von New York.

Die USA bleiben nach der Übermittlung von rund 10'000 Namen für viele Schweizer Bankangestellte tabu. Freiheitsstatue im Hafen von New York. Bild: Keystone

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Kann ich überhaupt noch reisen? Wie erfahre ich, ob meine Daten in die USA geschickt wurden? Muss ich damit rechnen, als Zeuge verhört zu werden? Der Zeitpunkt für die Herausgabe von Namen und Funktion Tausender Schweizer Bankangestellter kam zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Wahrscheinlich im April lieferten CS, Julius Bär, HSBC und weitere acht Banken enorme Datensätze an die US-Behörden. E-Mails aus zehn Jahren Kundenbetreuung werden von den Ermittlern in den USA seitdem analysiert. Und jetzt ist Reisesaison.

«Die grösste Verunsicherung bei den Bankangestellten entsteht dadurch, dass die Banken nicht alle Mitarbeiter darüber informieren, ob ihre Daten weitergegeben wurden oder nicht», erklärt Sabina Gasser, die für den Schweizerischen Bankpersonalverband zusammen mit Kollegen die eigens eingerichtete Helpline betreut. «Die Informationspolitik der Banken ist äusserst undurchsichtig. Manche Angestellten erhalten Auskunft über weitergeleitete Daten, andere nicht einmal, wenn sie sie per Anwalt einfordern», so Gasser.

Die USA bleiben für viele tabu

Besonders gross ist bei den Angestellten die Angst vor einer Reise in die USA . «Andere trauen sich nicht einmal, überhaupt ins Ausland zu reisen», so Gasser. Besonders gross sei die Verunsicherung bei Angestellten, die US-Kunden betreut haben. «Selbst die Namen von Assistents wurden weitergegeben. Und teilweise sind die übermittelten Datensätze schon mehr als zehn Jahre alt.»

«Es gibt Leute, die von ihrem neuen Arbeitgeber entlassen wurden, nachdem sich herausstellte, dass sie nicht in die USA reisen können», berichtet Gasser. Andere Anrufer hätten aufgrund der generellen Unsicherheit Mühe, einen neuen Job zu finden. «Teilweise wird in Bewerbungsgesprächen gefragt, wie es um die Reisefähigkeit bestellt ist. Solange die Angestellten von ihrer Bank keine Auskunft über den Datentransfer bekommen, wissen sie das natürlich selbst nicht», so Gasser.

Nicht-Verfolgungs-Agreements für Topmanager

Der SBPV kritisiert zudem, dass Topmanager und Geschäftsleitungsmitglieder problemlos reisen können, weil mit den US-Behörden entsprechende Agreements abgeschlossen wurden. «Von solchen Lösungen profitieren aber nur die Privilegiertesten der Banken. Wir als Verband bemühen uns um eine Lösung für alle Betroffenen.»

Als ersten Schritt habe der Schweizerische Bankenpersonalverband ein Gutachten in Auftrag gegeben, das klären soll, ob die Banken mit der Freigabe der Namen ihrer Angestellten den Datenschutz und ihre Fürsorgepflicht verletzt haben. «Gestützt auf dieses Gutachten werden sich die weiteren Schritte ergeben und es wird zu klären sein, inwieweit die Banken ihren Mitarbeitern und ehemaligen Angestellten bei den verursachten Problemen beistehen müssen.» Der SBPV suche als Sozialpartner der Banken weiterhin das Gespräch und bemühe sich um eine gute politische Lösung der ganzen Angelegenheit. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 25.07.2012, 16:04 Uhr)

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