Wirtschaft
Selbstmordwelle erschüttert France Télécom – mehr als 20 Tote
Aktualisiert am 14.09.2009 14 Kommentare
Am Freitag stürzte sich eine 32-Jährige während der Arbeit aus dem Fenster. «Ich bin tief getroffen, das ist schrecklich», sagte Personalchef Olivier Barberot der Zeitung «Journal du Dimanche». Die Angestellte sollte einen neuen Chef bekommen. Sie habe aber auch persönliche Probleme gehabt, sagte Barberot. Ab sofort sollen alle Betriebsärzte psychisch labile Mitarbeiter melden. In den vergangenen 18 Monaten nahmen sich nach Gewerkschaftsangaben 23 Beschäftigte das Leben.
Eine weitere Folge des jüngsten Suizids ist, dass der Konzern-Umbau vorerst ausgesetzt wird. Bis Ende Oktober werde das Projekt auf Eis gelegt, teilt das Unternehmen mit. Gleichzeitig würden hundert zusätzliche Personalexperten angeheuert. Mit den Gewerkschaften haben heute Gespräche über Stress am Arbeitsplatz begonnen.
22’000 Stellen abgebaut, 7000 Mitarbeiter versetzt
Erst am Mittwoch rammte sich ein Störungstechniker, der im Zuge des Umbaus auf einen anderen Posten wechseln sollte, vor seinen Kollegen ein Messer in den Bauch, weil er einen anderen Posten übernehmen sollte. Er überlebte zwar, Tausende Konzernmitarbeiter beteiligten sich aber am Donnerstag an Protesten gegen ihre Arbeitsbedingungen und die Methoden des Managements.
Die Gewerkschaften gehen davon aus, dass ein Teil der Selbstmorde direkt auf die Arbeitsbedingungen und den Konzernumbau bei France Télécom zurückzuführen sind. In den vergangenen Jahren wurden 22’000 Stellen abgebaut und 7000 Mitarbeiter versetzt.
Bereits nach den ersten vier Selbstmorden hatte die Gewerkschaft Sud-PTT Alarm geschlagen. Ein Mann hatte gemäss «Spiegel online» einen Abschiedsbrief hinterlassen, in dem er schrieb, wie sehr ihn die neuen Arbeitszeiten und die Versetzung in einen Vorort von Strassburg belasten. Ein anderer Mitarbeiter aus Südfrankreich soll sich umgebracht haben, weil er nur schlecht mit der neuen Technik am Arbeitsplatz zurechtgekommen sei.
Suizide nicht über französischem Durchschnitt
Alle Suizide bei France Télécom wurden – mit Ausnahme der Angestellten vom Freitag – von Männern begangen. Rechnerisch liegt die Zahl der Suizide in dem Konzern mit 100'000 Beschäftigten nicht über dem französischen Durchschnitt.
In der Gesamtbevölkerung kommen laut dem französischen Gesundheitsforschungsinstitut INSERM auf 100'000 Menschen 17,1 Selbstmorde pro Jahr; bei Männern zwischen 35 und 65 Jahren sind es demnach zwischen 30 und 40 auf 100'000 Menschen. (bru)
Erstellt: 14.09.2009, 13:52 Uhr
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14 Kommentare
Der stetig steigende Druck am Arbeitsplatz mag gut sein für den Bonus des Chefs, aber sicher nicht für die Menschen, die Mitarbeiter. Davon können auch Mitarbeiter der UBS und anderer 'gewinnoptimierter' Konzerne ein Lied singen... Selbstmord ist da nur eine Facette. Drogenkonsum, Ausraster, psychische Belastung treibt viele unschöne Blüten! Antworten
Einige Neo-Liberalisten würden sowas gerne todschweigen. Jetzt können sich die Statistiker austoben, jedoch stellt sich die Frage, wofür der Mensch arbeitet. Ängste, zu wenig Lohn wobei mehr Arbeitsbelastung sind einige Stichwörter für eine Fehlentwicklung. Gleichheit, Brüderlichkeit und Freiheit existieren immer noch, wobei alles zu kippen droht. Superreiche vs. Verlierer der Gesellschaft! Antworten
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