Showdown in Basel

Von Robert Mayer. Aktualisiert am 09.09.2010 3 Kommentare

Für die neue Bankenregulierung wird bis zur letzten Minute um Kapitalquoten gerungen. Am Sonntag kommt es daher zum Showdown in Basel.

Hier findet die alles entscheidende Sitzung statt: Basel.

Hier findet die alles entscheidende Sitzung statt: Basel.
Bild: Keystone

«Basel III» ist – entgegen anderslautenden Agenturberichten offenbar doch noch nicht im Trockenen. Im Anschluss an eine Sitzung des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht war am Dienstag gemeldet worden, das Gremium habe sich auf Empfehlungen für verschärfte Eigenkapitalvorschriften für die Geldbranche verständigt. Im Umfeld der deutschen Finanzaufsicht hörte sich dies gestern aber anders an: Von einer Einigung im Basler Ausschuss über ein neues Regelwerk könne noch keine Rede sein.

Vielmehr, so ist aus Deutschland weiter zu vernehmen, habe der Ausschuss eine als mehrheitsfähig angesehene Verhandlungsgrundlage mit einer Reihe von offenen Punkten erstellt. Darüber wird nun das Aufsichtsorgan des Ausschusses, der Gouverneursrat mit den Spitzen der Zentralbanken und der nationalen Finanzaufsichtsbehörden, auf der alles entscheidenden Sitzung am Sonntag in Basel zu beschliessen haben.

Deutschland als Bremser

Vor allem Deutschland, aber auch Frankreich und Japan haben sich laut Medienberichten im Basler Ausschuss für eine Abschwächung der neuen Kapitalvorschriften starkgemacht sowie für länger als bisher vorgesehene Übergangsfristen bis zur vollen Wirksamkeit von «Basel III». Aus dem Umfeld der deutschen Regulatoren hiess es dazu lediglich, der Ausschuss habe über die Beschlussvorlage «sehr kontrovers» diskutiert.

Diese Vorlage birgt in der Tat einigen Zündstoff. Gemäss Medienberichten verlangt sie von den Banken eine Mindestlimite von 9 Prozent für die Kernkapitalquote («tier 1»), was gegenüber den derzeit geltenden 4 Prozent mehr als einer Verdoppelung entspricht. Die neue Kernkapitalquote setzt sich aus einer absoluten Mindestquote von 6 Prozent sowie einem Kapitalerhaltungspuffer von 3 Prozent zusammen.

Mindestquote soll ohne Wenn und Aber erfüllt werden

Allerdings werden diese Minimalanforderungen am Ende wohl geringer ausfallen – jedenfalls liess dies der Vizepräsident der Deutschen Bundesbank, Franz-Christoph Zeitler, am Mittwoch in Frankfurt durchblicken. Die neue Mindestquote (wie hoch sie auch immer festgelegt wird) müsse von den Finanzhäusern ab 2013 ohne Wenn und Aber erfüllt werden, erklärte Zeitler. Die Kernkapitalquote (welche das Eigenkapital in Relation zu den risikogewichteten Anlagen setzt) ist das wichtigste Mass für die Kapitalstärke von Banken.

In Zeiten wirtschaftlicher Boomphasen mit entsprechend hohen Zuwächsen bei der Kreditvergabe müssen die Geldinstitute, über das Kernkapital hinaus, einen zusätzlichen antizyklischen Kapitalpuffer von 3 Prozent bilden, wie die Beschlussvorlage des Basler Ausschusses weiter vorsieht. Damit nicht genug: Von Banken, die wegen ihrer Grösse und Vernetzung im internationalen Finanzsystem als systemrelevant gelten, wird noch ein weiterer, noch nicht bestimmter Sicherheitspuffer verlangt.

Neben quantitativen Verschärfungen will «Basel III» auch für eine qualitative Verbesserung des von den Banken zu haltenden Kapitals sorgen. So soll das hochwertigste Kapital, das «harte» Kernkapital, bestehend aus dem Grundkapital und einbehaltenen Gewinnen, künftig eine Minimalquote von 5 Prozent erreichen – verglichen mit derzeit 2 Prozent. Zum harten Kernkapital kommt noch ein Kapitalerhaltungs- und, je nach Wirtschaftslage, ein antizyklischer Puffer von je 2,5 Prozent hinzu. Die Übergangsfrist, die den Banken bis zur Erfüllung der neuen Quote für das harte Kernkapital (inklusive der Puffer) gewährt wird, ist noch zu bestimmen.

US-Banken müssen mitziehen

Laut Marktbeobachtern dürften die verschärften Vorschriften deutsche Banken ganz besonders tangieren. Die zehn grössten Institute des Landes, so schätzt der Branchenverband, müssen infolge von «Basel III» 105 Milliarden Euro an frischem Kapital besorgen. Dennoch gab sich Bundesbank-Präsident Axel Weber gestern auf einer Bankenkonferenz in Frankfurt zuversichtlich, dass ein Durchbruch in Basel kurz bevorsteht. «Wir wollen am Wochenende das Endpaket schnüren», sagte Weber.

Zugleich thematisierte der Notenbanker eine Befürchtung, die in europäischen Finanzkreisen geteilt wird: Dass sich die Banken in den USA, wie bereits im Fall des derzeit gültigen Regelwerks «Basel II», wiederum mehr Zeit nehmen, um das Reformpaket von «Basel III» umzusetzen. «Was nicht passieren darf, ist, dass wir ‹Basel III› implementieren und die USA zurückfallen», betonte Weber. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.09.2010, 08:55 Uhr

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3 Kommentare

Ulrich Raumer

09.09.2010, 09:23 Uhr
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Das Mindeste wäre, dass die Eigenkapitalquote eine Höhe hat, welche die Bank von ihren Kreditkunden, z.B. im Hypothekargeschäft erwartet. Antworten


Hnas Kaufmann

09.09.2010, 17:07 Uhr
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@Ulrich Raumer: Herr Raumer hat grundsätzlich recht, aber das allein kann es doch wirklich nicht sein. Verschiedene Leute wurde durch hohe Verluste (trotz Anpreisung des Kapitalschutzes) in den Ruin geführt. Man sollte schon einen Entschädigungsfond errichten, welcher die besorgniserregten Dinge wieder in Lot bringen. Geld verdienen ja, aber auf eine faire Art und Weise. Antworten



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