Wirtschaft
Siemens verliert Spitzenfrau
Von Markus Balser. Aktualisiert am 12.02.2010 2 Kommentare
Hat nach nur anderthalb Jahren schon genug: Jill Lee. (Bild: Siemens)
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Als sich Siemens-Chef Peter Löscher nach Dienstantritt 2007 in seinem neuen Unternehmen umsah, klagte der Österreicher über mangelnde Internationalität und männerdominierte Flure im Management des Weltkonzerns. So konnte es nicht weitergehen, befand Löscher. Warum sollte nicht ein Chinese das China-Geschäft leiten? Oder eine Frau bis ganz nach oben rücken? Der Konzern setzte wenig später mit Jill Lee den ersten hauptamtlichen Chief Diversity Officer ein. Sie sollte Siemens (SIN 68.58 2.25%) bunter machen und Talente fördern. Nun gibt der Konzern ihren Abschied bekannt – und wurde offenbar überrumpelt. Eine Nachfolgeregelung ist noch nicht getroffen.
Schweizerin ist höchste Frau
Lee sollte im Konzern vor allem die Karrierechancen von Frauen verbessern. Im Geschäftsjahr 2008/09 lag der weltweite Frauenanteil der Siemens-Mitarbeiter bei 25 Prozent. Vergleichszahlen aus anderen Jahren lägen nicht vor, sagte eine Siemens-Sprecherin. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen liegt der Anteil weiblicher Führungskräfte sogar unter 10 Prozent. Die höchste Frau im Konzern ist die Schweizerin Barbara Kux. Sie ist als erste Frau in den Siemens-Vorstand eingezogen und für den weltweiten Einkauf zuständig.
Auch bei der Internationalität haperte es: Während zwei Drittel aller Siemens-Mitarbeiter nicht aus Deutschland stammen, liegt die Quote in der Chefetage nur bei einem Drittel, klagte Lee vor einem Jahr. Siemens hatte weltweit zuletzt 405'000 Beschäftigte, 128'000 davon in Deutschland.
Lees Vertrag laufe noch bis Ende Mai, danach verlasse sie Siemens auf eigenen Wunsch, weil sie ein attraktives Angebot habe und sich neuen Herausforderungen stellen wolle, erklärt der Konzern. Dagegen heisst es in Unternehmenskreisen, Lee sei auch über mangelnde Fortschritte und Widerstand enttäuscht gewesen. Die agile Managerin habe sich in einigen Bereichen grössere Freiheiten gewünscht.
Ein Frauennetzwerk aufgebaut
Lee hatte immer wieder erklärt, ihre Strategie bis 2011 umsetzen zu wollen. Das Unternehmen hatte die Initiative für mehr Internationalität und Vielfalt bei der Besetzung von Managementpositionen und bei der Förderung von Talenten breit verkündet und den Posten Lees dafür eigens geschaffen. Unter der Führung der Managerin aus Singapur entstand ein Netzwerk von 500 Diversity-Botschaftern und ein Frauennetzwerk. Bei Bewerbungen um Führungsposten müsse zudem mindestens ein Kandidat in der Endrunde die Vielfaltkriterien erfüllen. Generell geht es darum, geeignete Talente in aller Welt aufzuspüren und über spezielle Programme zu fördern.
Ob sie in der deutschen Chefetage mit Widerstand gegen die wachsende Internationalisierung rechne, wurde Lee zum Start vor anderthalb Jahren gefragt. «Das wäre gegen die Zukunft des Konzerns gerichtet», antwortete sie. Gerade angesichts des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels sei Vielfalt eine Grundvoraussetzung für erfolgreiche Geschäfte. Denn das Angebot an qualifizierten Fach- und Führungskräften in den Industriestaaten werde immer knapper. Sie habe gute Argumente, fand Lee. «Denen können sich die Männer bei Siemens nicht verschliessen.»
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 12.02.2010, 04:00 Uhr
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2 Kommentare
Wer in einer Männerdomäne als Frau Erfolg haben will, halte sich an die Zauberformel: Nicht gegen sondern mit... so lassen sich Veränderungen fliessend und gesund verwirklichen. Dies ware der Weg gewesen, den Frau Lee hätte beschreiten müssen, um ihr vereinbartes Ziel zu erreichen. Antworten
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