Wirtschaft

Sind Elektroautos ein Flop?

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 10.01.2012 53 Kommentare

Die Verkäufe der Elektroautos sind enttäuschend. Doch der nächste Erdölschock kommt bestimmt – und die Chinesen mischen im Elektroautogeschäft kräftig mit.

1/7 Die Verkäufe des mit viel Pomp angekündigten Chevy Volt...
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Derzeit zeigt sich die Autoindustrie an der Detroit Motor Show in glänzender Laune: 2011 war das beste Jahr seit Ausbruch der Wirtschaftskrise. In Asien ist ein eigentlicher Boom ausgebrochen, der nordamerikanische Markt hat sich erholt. Nur an einer Front sieht man lange Gesichter: bei den Elektroautos. Die Hybridautos haben in den USA Marktanteil verloren, er ist von 2,4 auf 2,2 Prozent gesunken. Selbst der Prius musste Federn lassen. Die Verkäufe des mit viel Pomp angekündigten Chevy Volt liegen weit unter den Erwartungen, ebenso das erste, massentaugliche Vollelektroauto, der Nissan ( 9.7 1.78%) Leaf.

Die Autohersteller lassen sich jedoch nicht beirren. GM will dieses Jahr 45'000 Exemplare seines Chevy Volts absetzen. Toyota ( 76.8 -0.52%) will einen kleinen Bruder seines erfolgreichsten Hybridmodells auf den Markt bringen, den Prius C, und Carlos Gshon, Chef von Nissan und Renault, (RNO 33.685 1.40%) gibt sich unverdrossen optimistisch. «2011 haben wir 9700 Leaf verkauft, dieses Jahr werden es doppelt so viele sein.» Ist das Pfeifen im dunklen Wald oder gibt es Gründe für diesen Optimismus?

Im Energiebereich geht alles viel langsamer

Elektroautos sind diesmal keine Eintagsfliege, sondern werden sich durchsetzen. Aber das wird seine Zeit dauern, denn im Energiebereich herrschen andere Gesetzmässigkeiten als in der IT-Industrie. Von Laptops, iPads und Smartphones erwarten wir, dass jede Generation einen Quantensprung darstellt. Diese Erwartungen werden in der Regel erfüllt, denn in der IT-Branche gilt nach wie vor das Moor’sche Gesetz, wonach sich die Kapazität eines Chips alle 18 Monate verdoppelt. Im Energiebereich geht alles viel langsamer. Bis leistungsfähigere Batterien entwickelt und bis eine Infrastruktur für Elektroautos aufgebaut sind, dauert es Jahrzehnte. Auch das Verhalten des Konsumenten ist nicht vergleichbar: Laptops und iPhones werden nach ein bis zwei Jahren ersetzt, eine Autoflotte erneuert sich durchschnittlich alle zwölf Jahre.

Kurzfristig ist kein Boom der Elektroautos zu erwarten. Für die meisten Konsumenten sind sie noch zu teuer. Der Chevy Volt beispielsweise kostet fast doppelt so viel wie sein mit Benzin betriebener Bruder Chevy Cruz, und das, obwohl der Volt mit 7500 Dollar Subventionen vom Staat gestützt wird. Auch die Kundenfreundlichkeit ist noch suboptimal. Es dauert sehr lange, bis diese Autos wieder aufgeladen sind, und eine flächendeckende Batterie-Infrastruktur fehlt.

Das intelligente Stromnetz

Langfristig hingegen müssen wir einen immer grösseren Teil unserer Autoflotte auf elektrischen Strom umrüsten. Wir haben gar keine andere Wahl. Die Klimaerwärmung ist bereits eine Tatsache, und ihre Folgen werden immer deutlicher sichtbar. Benzin- und Dieselmotoren sind bedeutende Emittenten von CO2. Wenn der aufstrebende Mittelstand in den Schwellenländern ebenfalls auf solche Autos setzt, lässt sich eine Ökokatastrophe nicht mehr vermeiden.

Es gibt eine realistische Zukunft für Elektroautos. Daniel Yergin, einer der führenden Energiefachleute, schildert sie in seinem soeben erschienenen Buch «The Quest» wie folgt: «Wind und Sonne werden für Elektrizitätsvorräte sorgen. Dieser Strom wird über ein weit ausgedehntes Netz verteilt werden. Wenn dieser Strom in die Städte kommt, wird er von einem «Smart Grid», einem intelligenten Stromnetz, gemanagt werden, das ihn durch ein Feinnetz verteilt. Er kommt so in die Haushalte und schliesslich in die Batterien der Autos. Möglicherweise werden diese Autobatterien selbst zu sich bewegenden Aufladestationen, die ihren Strom wieder ins Netz abgeben, wenn sie nicht gebraucht werden.»

Durchbruch im Osten

Nebst Geduld sind die Elektroautos auch auf einen hohen Ölpreis angewiesen. Das kann schon morgen der Fall sein. Eine Blockade der Strasse von Hormus oder gar ein Krieg am Persischen Golf würde den Erdölpreis sofort explodieren lassen und die Rechnung sähe für die Konsumenten ganz anders aus.

Es ist aber auch sehr gut möglich, ja sogar wahrscheinlich, dass der Durchbruch des Elektroautos für die Massen nicht im Westen, sondern im Osten erfolgen wird. Die chinesische Regierung propagiert längst ein sogenanntes «New Energy Vehicle» als wichtigen Teil ihrer Strategie zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Das Elektroauto steht dabei im Vordergrund und mit BYD habend die Chinesen bereits einen führenden Batteriehersteller. Und die Batterie ist der Schlüssel zum Erfolg, wenn es um Elektroautos geht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.01.2012, 12:18 Uhr

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53 Kommentare

Peter Kaegi

10.01.2012, 15:42 Uhr
Melden 21 Empfehlung

Die Strombezüger für Elektroautos müssen dann auch akzeptieren, dass neue Atomkraftwerke nötig werden. Antworten


Kirsten Karger

10.01.2012, 14:59 Uhr
Melden 14 Empfehlung

Vermutlich glauben 90% der Schweizer immer noch, die Chinesen würden gute, bewährte Europäische Produkte kopieren und nur Schrott produzieren.
Leider sind wir schon lange keine Pioniere mehr, versenken unser Geld im Sozialstaat, statt in Smart Grid, Elektromobilität und alternative Energien zu investieren.
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