Wirtschaft
Skimming-Diebe sind erfinderisch
Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 23.06.2012 39 Kommentare
Zwei mutmassliche Betrüger verhaftet
Nach der Überwachung eines manipulierten Ticketautomaten sind zwei mutmassliche Betrüger am Freitag in Aarau von der Polizei festgenommen worden. Die beiden Rumänen im Alter von 32 und 33 Jahren sitzen in Untersuchungshaft, wie die Aargauer Kantonspolizei heute mitteilte.
Ein Kunde hatte kurz vor 18 Uhr festgestellt, dass ein Ticketautomat beim Bahnhof Aarau manipuliert worden war. Er meldete dies sofort der SBB, welche die Kantonspolizei informierte.
Die Polizei stellte fest, dass am Automaten ein Skimminggerät angebracht worden war. Der Automat wurde daher überwacht und nach kurzer Zeit wurden die beiden Männer angehalten. Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau leitete ein Strafverfahren ein.
Beim Skimming werden die Daten von Kredit- und Bankkarten über einen kaum erkennbaren Aufsatz ausgelesen und die PIN-Nummer ausgespäht. Dies erlaubt es den Betrügern, eine Kopie der jeweiligen Karte anzufertigen und im Ausland an Bancomaten Geld zu beziehen. (sda)
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«Die Fallzahlen bei Bancomaten sind gesunken.» Das ist die gute Botschaft, die Rolf Nägeli verbreitet. Der Chef des Kommissariats Prävention bei der Stadtpolizei Zürich gibt aber keine Entwarnung: «Die Fälle bei anderen Geldterminals, bei Tankstellen und Billettautomaten, haben zugenommen.»
Nägeli vertritt die Stadtpolizei bei «Stop Skimming» – der Sensibilisierungskampagne gegen Kartenmissbrauch. Mit Skimming bezeichnet man das Manipulieren von Kartenautomaten. Dabei werden die Daten des Magnetstreifens kopiert und der PIN-Code ausgespäht. Ist das gelungen, können die Datendiebe von jedem Geldautomaten auf das Konto des Kartenbesitzers zugreifen.
32 Automaten manipuliert
Die Berner Kantonspolizei gab gestern bekannt, vier Rumänen der Manipulation von 32 Automaten überführt zu haben. Über 1700 Kredit- und Debitkarten mussten gesperrt werden. Den Gesamtschaden beziffert die Polizei auf 460'000 Franken.
Skimming (Englisch to skim: absahnen, abschöpfen) gibt es seit Jahren. «Lange Zeit war es nur eine Randerscheinung», sagt Bernhard Wenger, Sprecher der Payment Services von SIX. 2010 wurde das Skimming in der Schweiz zum Problem. Man zählte 135 Fälle von manipulierten Bancomaten. 2011 schnellte die Zahl auf 489 hoch.
Banken überlisten die Gauner
Die Banken, die den Schaden in der Regel tragen, reagierten mit dem Einbau neuer Technik. Elektromagnetische Felder stören das Kopieren der Magnetspur. Erschütterungssensoren registrieren, wenn am Apparat herumgebastelt wird. Damit halten – zurzeit – die Betreiber der Bancomaten die Ganoven in Schach. Nägeli warnt allerdings: «Die Datendiebe sind sehr innovativ und reagieren schnell.»
Zurzeit weichen sie auf Kartenautomaten aus, die noch nicht aufgerüstet sind. Das sind vorab Billettautomaten, Tankomaten, aber auch Zutrittsleser, die bei Banken die Tür zu den Selbstbedienungszonen öffnen. Die UBS hat darauf reagiert. Statt mit der Karte kommt man bei der Grossbank seit einiger Zeit mit Knopfdruck in die Selbstbedienungszone. Ist nach wie vor die Karte gefragt, gibt SIX-Sprecher Wenger den Tipp, sich mit der Kreditkarte den Zutritt zu verschaffen, dann aber mit der Debitkarte am Automaten Geld zu ziehen. Denn die Daten von Debit- und Kreditkarte stimmen nicht überein, nützen einem allfälligen Datendieb also wenig.
Vorfälle rückläufig
Die Statistik des laufenden Jahres bestätigt, dass die Manipulationen an Bancomaten rückläufig sind. Für das erste Quartal weist SIX 93 Manipulationen im Bankbereich (Bancomaten und Zutrittssysteme) aus. Auf das Jahr hochgerechnet sind das 372 Manipulationen gegenüber 489 im Vorjahr. Während aber 2011 nur 12 Prozent der registrierten Fälle Zutrittsleser betrafen, wurden im ersten Quartal 2012 plötzlich mehr Zutrittssysteme manipuliert als Bancomaten.
Kaum Probleme gibt es zurzeit bei den Zahlterminals im Detailhandel. Gemäss Wenger zählte man 2011 knapp zwei Dutzend Manipulationsversuche. Nur vier seien erfolgreich gewesen.
Deliktsumme steigt an
Dessen ungeachtet spricht Rolf Nägeli von der Zürcher Stadtpolizei von einer klaren Verlagerung der Fälle. Obwohl im Moment weniger Bancomaten manipuliert würden, könne er keine Entwarnung geben: «Die Deliktsumme ist gemessen an der Vergleichsperiode des Vorjahres mindestens so hoch, wenn nicht sogar höher.»
Bei den SBB hört man das nicht gern. 2011 hat man 81 Fälle von manipulierten Billettautomaten gezählt. Zum Jahr 2012 sagt Sprecher Reto Kormann: «Im Vergleich zum Vorjahr stellen wir in den ersten fünf Monaten – wenn überhaupt – nur eine leichte Zunahme der Skimming-Fälle fest.» Kormann fügt bei: «Das Wort ‹Verlagerung› würde ich dafür jedenfalls nicht in den Mund nehmen.»
Nichtsdestotrotz wollen die SBB 1000 ihrer insgesamt 1500 Touchscreen-Billettautomaten der ersten Generation durch neue ersetzen: 150 Automaten 2013, in den zwei Folgejahren 480 beziehungsweise 370 Apparate.
Die SBB im Blickfeld
Wenn Nägeli von einer Verlagerung der Automatenmanipulationen unter anderem auf Billettautomaten spricht, hat er die SBB, aber auch andere im Blickfeld. Er erwähnt etwa die Bergbahnen. Andreas Keller, Sprecher des Verbandes Seilbahnen Schweiz, hält dem entgegen, dass bei Seilbahnen nur wenige Billettautomaten in Betrieb seien. Die Fahrkarten beziehe man in der Regel am Schalter. Das Skimming sei im Verband bisher kein Thema gewesen.
Die meisten Banken geben an, dass die Skimming-Fälle im laufenden Jahr zurückgegangen seien. «Markant zurückgegangen», heisst es etwa bei Raiffeisen. Von einem Fall im Januar wegen eines technischen Defekts der Anti-Skimming-Software abgesehen, verzeichnete die UBS «keine weiteren erfolgreichen Skimming-Attacken». Dieses Jahr «keine Geräte geskimmt», teilt die Berner Kantonalbank mit.
Bei der Zürcher Kantonalbank gab es im Vergleich zur Vorjahresperiode mehr Fälle. Sprecher Thomas Pfenninger präzisiert allerdings: «Bis heute ist es nicht gelungen, Bancomaten der ZKB erfolgreich zu manipulieren.» Die meisten befragten Banken weisen darauf hin, dass Daten ihrer Kunden meistens beim Benutzen von fremden Automaten kopiert werden. Das sind entweder gar keine Geldautomaten – oder solche von Banken, die nicht nachgerüstet haben. SIX-Sprecher Bernhard Wenger sagt: «Es gibt einzelne Banken, die ihre Hausaufgaben noch nicht gemacht haben.» Namen will er keine nennen.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 23.06.2012, 12:40 Uhr
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39 Kommentare
Ach, Hr.Recher - Ihr PFZ-Argument ist sowas von ausgelutscht! Oder glauben Sie wirklich, dass die bösen Buben brav über den Zoll gehen - mit dem Risiko, dass sie ihren Kofferraum aufmachen müssten, weil der Zöllner zufälig eine Warenkontrolle machen will, wie bei den Einkaufstouristen?? - Nein, natürlich würden sie ihr "Werkzeug" sowieso ordnungsgemäss verzollen! Antworten

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