Wirtschaft
So geht die Migros in die Offensive
Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 15.02.2010
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Breiter Mittelgang, grossflächige Auslagen, viele Degustationsstände und gar eine Kinderspielecke: In seiner Grosszügigkeit erinnert der Supermarkt der Migros im Shoppyland Schönbühl bei Bern eher an eine Globus Delicatessa als an eine herkömmliche Migros.
Wie auf dem Markt
Wie die im Herbst eröffnete Filiale im Einkaufszentrum Stücki in Basel ist das Shoppyland nach dem aus Italien stammenden Ladenbaukonzept 2010 gestaltet. Marketingchef Oskar Sager will der Kundschaft Marktatmosphäre bieten. Das fängt an bei der um 20 Prozent ausgebauten Fläche für Obst und Gemüse, setzt sich fort mit grossen Auslagen und bedienten Theken für Fleisch, Fisch und Käse und endet bei Degustationen, die Lust auf Neues machen sollen. Licht und Farbe werden gezielt eingesetzt. Die Grundfarbe Lila beim Käse soll vor allem den Frauen gefallen.
Der 14 Millionen Franken teure Umbau scheint sich auszuzahlen: Im Shoppyland stieg der Umsatz in den ersten Wochen um 15 Prozent, die Ausgaben pro Einkauf stiegen auf über 60 Franken. Zum Vergleich: Die Auswertung der Einkäufe der Inhaber einer Cumulus-Karte über das ganze Land ergibt einen Kassenzettel von 45 Franken.
Nachholbedarf gegenüber Coop
Branchenkenner sind sich einig: In der Ladengestaltung hat das orange M Nachholbedarf – gerade gegenüber dem Hauptkonkurrenten Coop. Im Grossraum Zürich gibt es allerdings noch keine Filiale nach dem neuen Konzept; geplant ist ein Umbau in Dielsdorf. Bereits im Betrieb sind die ersten Kombi-Filialen mit Denner, so etwa in Rüschlikon beim Dutti-Park.
Das neue Konzept sowie die Kombi-Standorte mit Denner sind die eine Offensive, mit der sich die Nummer eins im Detailhandel dem Verlust von Marktanteilen an Coop, Spar, Volg und die deutschen Discounter Aldi und Lidl entgegenstemmt. Zweiter Angriffspunkt ist eine neue Strategie bei Bioprodukten. Symbolisiert wird diese durch neue, beige Verpackungen und ein neues Bio-Logo. Beides wird derzeit eingeführt.
Coop verkauft viel mehr Bio
Das Label ist neu, aber die Anforderungen sind die alten geblieben: Produkte aus der Schweiz stammen von Landwirtschaftsbetrieben, die nach den Vorgaben von Bio Suisse mit der Knospe zertifiziert sind. Jene aus dem Ausland tragen das Zertifikat der europäischen Bio-Verordnung.
Die Migros hat auch hier Aufholpotenzial: Sie macht mit Bio halb so viel Umsatz wie Coop, und das will man ändern. Erreichen soll das Renato Isella – vor Jahren bei Coop Chef der Bio-Linie Naturaplan. Zuletzt war der Ingenieur-Agronom Geschäftsführer von Bio Partner Schweiz – dem Fusionsprodukt aus Eichberg Bio, Via Verde und Vanadis.
Regionale Unterschiede
Bis Ende Jahr will Isella das über 1000 Produkte starke Biosortiment der Migros stark ausbauen, insbesondere bei Brot und Molkereiprodukten. Hier sowie bei Käse und Gemüse ist der Abstand zu Coop laut Aussagen von Isella besonders gross. Wie so oft bei der Migros, sind die Unterschiede zwischen den regionalen Genossenschaften allerdings beträchtlich: Während Migros Aare, Luzern und Ostschweiz dem Konkurrenten auf den Fersen sind, ist der Marktanteil der Migros Wallis verschwindend klein.
Nachholbedarf hat die Migros auch in einem andern Bereich. Das Netz der Verkaufssstellen ist deutlich gröber geknüpft als bei Coop. Verteilt aufs ganze Land, zählt die Migros 540 Supermärkte der drei Kategorien M, MM und MMM. Coop kommt auf insgesamt 816 Filialen; das sind 50 Prozent mehr. Migrolino und Coop Pronto sind nicht mitgezählt – aber auch hier hat Coop die Nase vorn. Sogar der Migros-Discounter Denner ist mit 752 Filialen und Satelliten in der Fläche besser vertreten als die Migros.
Coop-Filiale liegt meist näher
Anders gesagt: Der Weg zur nächsten Migros ist meistens länger als der zum nächsten Coop oder auch Denner. Dieses Faktum ist nicht zu unterschätzen – zumal in einem Land, in dem die Erreichbarkeit neben der Frische wichtigstes Kriterium für die Wahl des Einkaufsorts ist, wie Studien immer wieder belegen. Ist der nächste Laden ein Coop, gehen selbst Migros-Anhänger oft dort einkaufen. Das gilt auch umgekehrt, es ist aber viel seltener der Fall.
Da hilft es wenig, dass die Migros trotz kleinerem Vertriebsnetz ungefähr 10 Prozent mehr Verkaufsfläche hat als Coop. Grössere Filialen können gewisse Kunden auch auf grössere Distanz anlocken – aber lange nicht alle und lange nicht immer.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 15.02.2010, 11:20 Uhr
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