Wirtschaft
So hätte Sauber den Betrüger entlarven können
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 26.11.2009
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Der renommierte Autobauer BMW liess sich beim Versuch, den Rennstahl BMW-Sauber zu verkaufen, von einem bereits verurteilten Finanzbetrüger täuschen. Wie war das möglich? Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat mit einem Wirtschaftsprüfer gesprochen, der mehrere Jahrzehnte bei einem führenden Unternehmen dieses Bereichs in leitender Stellung tätig war. Er möchte allerdings anonym bleiben.
«Ich bin von BMW enttäuscht», sagt er. Für das renommierte Unternehmen wäre es ein Leichtes gewesen, die Hintergründe der vermeintlichen Investoren herauszufinden. «Heute kann man bei Spezialisten für 10'000 Franken einen 50-seitigen Bericht über eine gewünschte Person anfordern, in dem sich alle Details finden», sagt der Ex-Kadermann. Im Vergleich zu der Summe, um die es hier geht, sei das ein kleiner Betrag, erklärt er. Den Hintergrund von potenziellen Geschäftspartnern auszuleuchten, gehöre zum Business von Prüfunternehmen.
«Man kann sich im Internet eine Identität zusammenbasteln»
Am Anfang einer Recherche steht in der Regel eine simple Internetsuche über «Factiva». Der Dienst, der zur Dow Jones Gruppe gehört, ermöglicht den Zugriff auf Artikel von 2500 Medienerzeugnissen weltweit, dazu kommen noch eine ganze Reihe weiterer Quellen. Doch selbst Google ist ein gerne benutztes Mittel der Datenfahnder. Allerdings erfordert schon diese Suche Erfahrung: «Man kann sich im Internet eine ganze Identität zusammenbasteln», sagt der Experte. Viele mutmassliche Betrüger versuchen Verwirrung zu stiften, in dem sie mit verschiedenen Schreibweisen ihrer Namen spielen.
Wenn es bei einem der zu Überprüfenden «raucht», geht die Recherche tiefer, sagt der Fachmann. Stammen suspekte Personen aus anderen Ländern oder unterhalten sie dort Niederlassungen, wenden sich die die Wirtschaftsprüfer an ihre Kollegen dort. Anhand von lokalen Quellen wird dann weiterrecherchiert. Besondere Bedeutung haben offenbar die Niederlassungen in Moskau oder Dubai. «Es kommt praktisch nie vor, dass einer gar keine Spuren hinterlässt», sagt der einstige Kadermann. Und wenn zu Personen, die plötzlich mit viel Geld auftreten und sich damit aufspielen, kaum eine Geschichte zu finden ist, sei das ein Grund, besonders wachsam zu sein.
Die Top-Fahnder arbeiten in der «forensischen Abteilung»
Beginnt sich ein Verdacht zu erhärten, kommt die so genannte «forensische Abteilung» zum Zug. Der Fachmann nennt die Leute dort «eine verschworene Truppe». Die Abteilung ist so etwas wie die Abteilung für Verbrechen innerhalb der Prüfunternehmen. Dort arbeiten auch Leute, die von den Strafverfolgungsbehörden her kommen, wie etwa einstige Staatsanwälte. Sie profitieren nicht nur von ihrer Erfahrung, sondern auch von informellen Kontakten zu ihren einstigen Kollegen. Die Leute dieser Abteilung durchkämmen aber auch Akten, wie jene, die beim Handelsregisteramt hinterlegt sind. «Wenn etwas gehörig stinkt, hat man oft auch Journalisten ‹off the record› informiert, um die Sache an die Öffentlichkeit zu bringen», sagt der Spezialist.
In wichtigen Fällen wird auch eines der weltweit führenden Detektivbüros aus den USA eingeschaltet, die rekrutieren sich ebenfalls aus einstigen Strafverfolgungsbehörden, wie der US-Bundespolizei FBI. «Es ist wahnsinnig, was die jeweils alles noch herausfinden», schwärmt der einstige Kadermann.
Der Wert der Reputation
Eine besondere Bedeutung spielt auch die Reputation des Umfelds einer Person. Wenn jemand durch Treuhänder oder Berater unterstützt wird, die kaum bekannt sind oder einen zweifelhaften Ruf haben, sei Vorsicht angebracht. Einige Orte haben offenbar einen besonders schlechten Ruf: «Wenn ein Treuhänder aus Liechtenstein kam, haben wir uns stets genauer erkundigt», sagt der Spezialist. Betrüger umgeben sich daher gerne mit illustren Namen. Nicht selten kommt es vor, dass Unternehmen weitum geachtete Verwaltungsräte aufgeführt haben, die bei Nachfrage selbst nichts über ihr angebliches Engagement wussten. Selbst der Name von renommierten Prüfgesellschaften werde da oft missbraucht. Den Trick mit der Reputation hat auch der Betrüger im Fall von BMW Sauber, Russell King, angewendet. Gelockt hat er mit reichen Investoren aus Nahost, die allerdings nicht existieren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.11.2009, 17:07 Uhr


