«So schafft Novartis kein Vertrauen»

Aktionärsvertreter staunen: Daniel Vasella erhält 72 Millionen Franken Abgangsentschädigung. Nicht nur deswegen ist an der Novartis-GV von nächster Woche Zoff programmiert.

Thomas Minders unfreiwilliger Helfer: Daniel Vasella an der Novartis-Generalversammlung 2011.

Thomas Minders unfreiwilliger Helfer: Daniel Vasella an der Novartis-Generalversammlung 2011. Bild: Keystone

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Am 22. Februar hält Novartis (NOVN 92.1 3.54%) die jährliche Generalversammlung ab. Und am 3. März stimmt die Schweiz über die Abzockerinitiative des Schaffhauser Ständerats Thomas Minder ab. Beide Anlässe erhalten durch eine heute Morgen bekannt gewordene Information zusätzliche Brisanz. Wie das Portal Inside Paradeplatz am Freitagmorgen schrieb, erhält der abtretende Novartis-Präsident Daniel Vasella über die nächsten fünf Jahre insgesamt 75 Millionen Franken ausbezahlt. Vasella bestätigte am Abend, eine Entschädigung von 72 Millionen Franken zu erhalten. Die Summe sorgt bei Experten für rote Köpfe.

«Sollte die Zahl stimmen, wäre das wirklich schamlos», sagt Roby Tschopp, Geschäftsführer bei Actares, zu Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Für den Aktionärsvertreter steht die Summe in keinem Verhältnis zum Markt: Würde Vasella bei einer anderen Firma anheuern – infrage kommen für Tschopp keine Grossunternehmen aus der Pharmabranche, sondern kleinere Unternehmen und Start-ups –, so läge sein Verdienst weit unter den von Inside Paradeplatz kolportierten 15 Millionen Franken. «Bisher waren wir von maximal der Hälfte ausgegangen», sagt Tschopp.

2014 muss Novartis sprechen

Auch Gregor Greber von Z Capital hebt die Augenbrauen. «So schafft Novartis kein Vertrauen», sagt er. Die Zuger Vermögensverwalter und Aktionärsdienstleister hatten Novartis bereits vor zwei Wochen aufgefordert, die Details über Vasellas Abgangsentschädigung publik zu machen. Trotz ausführlicher Berichterstattung über die Saläre im Jahr 2012 ist Novartis dem Verlangen bislang nicht nachgekommen. «Es ist unverständlich, dass Novartis die Konkurrenzklausel für Vasella nicht öffentlich macht», sagt Greber. Zumal das Basler Pharmaunternehmen ohnehin verpflichtet sei, die Vereinbarung im Geschäftsbericht 2013 offenzulegen.

Den Jahresbericht samt Vergütungsreport fürs Jahr 2012 veröffentlichte Novartis am 28. Januar. Über Daniel Vasellas Abgangsentschädigung samt Konkurrenzverbot geben die Dokumente aber keinen Aufschluss. «Das Thema wird an der Generalversammlung zu reden geben», ist Roby Tschopp überzeugt. Doch nicht nur die 72 Millionen Franken bergen an der Veranstaltung in einer Woche Zündstoff. Novartis lässt an der GV konsultativ auch über ein neues Vergütungssystem abstimmen, das am 1. Januar 2014 in Kraft treten soll. Dies, um «die Angleichung an die Interessen der Aktionäre zu verbessern und die langfristige Wertschöpfung zu fördern», wie Novartis im Brief an seine Aktionäre schreibt.

Faktor 4 bei den Boni

Actares lehnt das neue Lohnsystem ab. Grund sind die hohen Boni, die auch im neuen System möglich bleiben. «Maximal kann der Bonus das Festgehalt um den Faktor 4 übersteigen», sagt Tschopp. «Dieses Verhältnis ist viel zu hoch.» Gemäss dem aktuellen Lohnbericht von Novartis erhält CEO Joe Jimenez 2012 ein Basissalär von 2,0 Millionen Franken. Zusammen mit der «jährlichen Leistungsprämie», dem Beteiligungsplan «Select», einem «langfristigen Leistungsplan sowie «Pensionsleistungen» und «sonstigen Leistungen» beläuft sich der Gesamtlohn des Firmenchefs auf 13,2 Millionen Franken.

«Die totale Vergütung auf CEO- und Geschäftsleitungsebene für 2012 ist zu hoch», kommentiert Gregor Greber von Z Capital diese Zahlen. Wie Actares spricht sich auch Z Capital gegen das neue Vergütungssystem von Novartis aus. Denn, so Greber: «Das vorgeschlagene System beinhaltet nach wie vor eine grosse Hebelwirkung.» Im Klartext bedeutet dies, dass sich eine Erhöhung des Fixlohns im Bonus multiplizieren und so den Gesamtlohn in die Höhe treiben würde. «Positiv ist immerhin, dass Novartis beim Vergütungssystem mehr Details offenbart, als vorgeschrieben wäre», räumt Greber ein.

Ablehnend hatte sich vor zehn Tagen bereits Ethos geäussert. Man erachte «die variable Vergütung für den CEO bei Erreichen der Leistungsziele sowie die maximale variable Vergütung (beim Übertreffen der Ziele) als unangemessen hoch», schrieb die Aktionärsstiftung in einem Bericht. Gemäss den Berechnungen von Ethos könnte Jimenez auf Basis des Fixlohns 2012 auch im Jahr 2014 noch 10,5 Millionen Franken Gesamtvergütung einstreichen. Je 1,4 Millionen davon wären Boni in Cash und in Aktien, 3,7 Millionen beziehen sich auf einen längerfristigen Aktien-Performance-Plan.

Schwung für die Minder-Initiative

Pikant ist dabei, dass Ethos zum Lager der Gegner von Thomas Minders Abzockerinitiative zählt. Die Stiftung unterstützt den parlamentarischen Gegenvorschlag, weil dieser dem Verwaltungsrat von Firmen die Pflicht gibt, ein Vergütungsreglement zu erlassen, über welches die Generalversammlung abstimmen kann, wie Ethos schreibt: «Letztlich bringt der Gegenvorschlag die Möglichkeit zu einer umfassenden Stärkung der Aktionärsrechte auf Gesetzesstufe, die unmittelbar in Kraft tritt.»

«Nur der Initiativtext verbietet genau solche Entschädigungen im Zusammenhang mit dem Austritt explizit», hält dagegen Claudio Kuster in der heutigen Onlineausgabe der «Handelszeitung» fest. Für den Mitinitianten und Sekretär der Volksinitiative «Gegen die Abzockerei» sind die 72 Millionen Franken, die Vasella angeblich erhalten soll, nichts anderes als «Dekadenz pur». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 15.02.2013, 12:44 Uhr)

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