Wirtschaft
Spekulanten setzen auf GM-Bankrott
Von Walter Niederberger, San Francisco. Aktualisiert am 13.05.2009 3 Kommentare
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Der Autokonzern hat noch bis zum 1. Juni Zeit, den zusammen mit der Regierung und der Autogewerkschaft UAW entworfenen Sanierungsplan mehrheitsfähig zu machen. Doch für eine entscheidende Gruppe von Mitbesitzern gibt es keinen Grund, GM rasch aus dem Sumpf zu ziehen. Es sind dies die Obligationäre, die General Motors Kredite von 27 Milliarden Dollar gegeben haben und einen massiven Abschreiber akzeptieren müssen, wenn sie dem Sanierungskonzept zustimmen.
Sie haben vorgesorgt und sogenannte Credit Default Swaps (CDS) gekauft. Das sind Versicherungen für den Fall, dass GM die Kredite nicht oder nur teilweise zurückzahlen kann. Die Depositary Trust & Clearing Corporation hat nach Angaben der «Financial Times» berechnet, dass Absicherungsgeschäfte für rund 34 Milliarden Dollar abgeschlossen wurden und darauf Gewinne von 2,4 Milliarden erzielt werden, sollte GM zahlungsunfähig werden. Der Umfang der CDS deutet darauf hin, dass sich nicht nur die Gross-Obligationäre in den Pensionskassen und Anlagefonds abgesichert haben, sondern auch Investoren in Hedge-Funds und BoutiqueBanken. Für die Spekulanten gibt es keinen Grund, in eine rasche Sanierung einzuwilligen. Sie machen nur einen Profit, wenn GM vor ein Konkursgericht geht und dort die Zahlungsunfähigkeit festgestellt wird. GM ist am Ende, sagen Experten
Regierungs-Deal nicht attraktiv
Allerdings gibt es auch für die ordentlichen Besitzer von GM-Schuldscheinen wenig Anreize, den von der Regierung offerierten Deal anzunehmen. Der Plan sieht nämlich vor, dass die Obligationäre für ihre Investition von 27 Milliarden Dollar lediglich 10 Prozent der künftigen, sanierten GM bekommen. Die Regierung selber beansprucht dagegen einen Anteil von 50 Prozent; und zwar für die Staatszuschüsse von ebenfalls 27 Milliarden. Die Gewerkschaft soll für die offenen Verpflichtungen gegenüber den Angestellten und Pensionierten in der Höhe von 20 Milliarden einen Anteil von 39 Prozent bekommen, plus 10 Milliarden in Cash.
Branchenexperten sind sich einig: GM wird mit dem Sanierungsplan scheitern. Die Credit Suisse schreibt, der Konzern «wird höchstwahrscheinlich eine Reorganisation nur vor dem Konkursgericht durchbringen. Und das bestehende Aktienkapitel wird wertlos werden.» Am Montag haben fünf Topmanager von GM ihre letzten Aktien abgestossen und die Kurse damit weiter in die Tiefe getrieben. Die Analysefirma Argus hält das Unternehmen für einen «verlorenen Fall»; die Hoffnung auf eine Erholung sei vergeblich. Der Konzern «ist vollständig abhängig von Geldern der Regierung».
Obama drückt Ansprüche nach unten
Diese Abhängigkeit ist bereits den Chrysler-Obligationären zum Verhängnis geworden. Präsident Barack Obama beschloss, ihre Ansprüche entgegen der langjährigen Praxis des Konkursrechts weit nach unten zu drücken. Sie mussten ihre Investitionen auf nur gerade 29 Prozent abschreiben. Damit ist der Weg frei für eine rasche Restrukturierung von Chrysler und den Einstieg von Fiat. Die weit komplexeren Finanzverhältnisse dürften hingegen eine rasche Sanierung von GM verhindern.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.05.2009, 22:43 Uhr
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3 Kommentare
Anscheinend floriert das Geschaeft mit sogenannten Credit Default Swaps immer noch und die Herausgeber haben anscheinend immer noch nichts gelernt, AIG ist ein gutes Beispiel, ich bin gespannt welche Versicherer bzw. welche Banken bald wieder ueber Milliardenabschreibungen resultierend aus Forderungen von Credit Default Swaps berichten muessen!!! Antworten
Der Fall GM zeigt doch auf, wo in der Krise wir tatsächlich stecken: Solange man nur von Regulierung spricht, aber CDS oder auch Leerverkäufe weiterhin wie im Kassino toleriert, wird das Licht im Tunnel nie näher rücken! Da können sich Regierungen und Medien noch so optimistisch geben... Antworten
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