Wirtschaft
Spekulanten treiben den Kurs der Oerlikon-Aktie in die Höhe
Von Andreas Flütsch. Aktualisiert am 22.04.2010
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Vor einem Monat machte der TA publik, dass Grossaktionär Viktor Vekselberg, die Banken und mehrere Hedgefonds sich auf einen Sanierungsplan für die hoch verschuldete Oerlikon geeinigt haben. Darauf tauchte der Kurs des Industriekonzerns kurz, erholte sich und bewegte sich bei 35 Franken seitwärts.
Die Baissiers haben jetzt ein Problem
Eine Reihe von Spekulanten hat aber darauf gewettet, dass der Wert der Oerlikon-Aktien stark sinken wird. Denn zum Rettungsplan gehört, dass das bestehende Aktienkapital des Konzerns zu 95 Prozent abgeschrieben und später in einem zweiten Schritt wieder aufgestockt wird. Der Kapitalschnitt und die Kapitalerhöhung müssen aber erst noch im Mai von den Aktionären an der Generalversammlung abgesegnet werden.
Jetzt haben die Baissiers, die auf fallende Kurse wetteten, ein Problem. Der Börsenwert von Oerlikon ist innert Monatsfrist um rund 50 Prozent gestiegen. In den letzten Tagen ist der Kurs gar förmlich explodiert. Allein gestern legte der Titel um 17,1 Prozent zu und schloss mit 55.10 Franken. Dieser Wert liegt rund ein Drittel über den 37 Franken, welche die Industriespezialisten von Helvea im Vorfeld der Refinanzierung von Oerlikon für angemessen halten.
Das ist ungünstig für die Spekulanten, die sich zu stark steigenden Kursen mit Oerlikon-Aktien eindecken müssen, damit sie liefern können, wenn ihre Wette fällig wird. Zumal ihre Eindeckungs-Aktionen in dem engen Markt für Oerlikon-Titel dazu führen, dass sie sich gegenseitig den Preis hochtreiben. Ein Indikator dafür, wie kräftig in Oerlikon-Titeln spekuliert wurde, sind die hohen Handelsvolumen. In den ersten Aprilwochen wurden jeweils weniger als 100 000 Stück am Tag gehandelt. Letzte Woche zog der Handel scharf an. Am Dienstag wechselten gegen 300 000 Titel die Hand, gestern waren es weit über 400 000 Stück.
Zur Absicherung Titel kaufen
Zusätzlich wirkt sich preistreibend aus, dass auf Oerlikon eine Reihe von Optionen im Markt sind. Sobald der Kurs steigt, nimmt auch die Wahrscheinlichkeit zu, dass die Optionen ausgeübt werden. Deshalb müssen die Banken, die diese Optionen kreiert haben, zur Absicherung Oerlikon-Titel zukaufen. Wäre der Kurs gesunken, wie die Baissiers hofften, hätte der gleiche Mechanismus ihnen geholfen, weil die Banken dann Titel hätten abstossen können. Diese Hebelwirkung von Optionen bekommen die Spekulanten, weil sie sich verwettet haben, nun auf teure Weise zu spüren. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 22.04.2010, 08:19 Uhr
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