Wirtschaft
Spitäler haben wegen Ehec Angst vor finanziellem Kollaps
Aktualisiert am 07.06.2011 4 Kommentare
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«Ich appelliere an die Politik angesichts der Ehec-Epidemie, die geplanten finanziellen Kürzungen für die Krankenhäuser zurückzunehmen», sagte Hauptgeschäftsführer Georg Baum der Düsseldorfer «Rheinischen Post».
Unterdessen geht die Suche nach der Infektionsquelle für den gefährlichen Darmkeim weiter: Bei ersten Proben aus einem Betrieb in Niedersachsen war nach Angaben des Gesundheitsministeriums kein Ehec-Erreger nachgewiesen worden. Die Ergebnisse weiterer Proben werden am Dienstagnachmittag erwartet.
«Die Kliniken machen heute alles»
Bundesweit ist die Zahl der Todesopfer im Zusammenhang mit Ehec-Infektionen nach Angaben des Robert-Koch-Institutes seit Anfang Mai auf 22 gestiegen. Demnach starben 15 Menschen im Zusammenhang mit dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS). Sieben weitere Todesopfer waren mit Ehec infiziert. Die meisten Toten gibt es den Angaben zufolge in Niedersachsen (6) gefolgt von Schleswig-Holstein (5) und Nordrhein-Westfalen (4). Die Zahl der übermittelten Fälle sei seit Anfang Mai auf über 1600 gestiegen. An dem gefährlichen Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS) seien inzwischen 630 Personen erkrankt.
Baum sagte, die Epidemie zeige, wie wichtig es sei, in den Krankenhäusern Kapazitäten an Betten und Personal vorzuhalten, um solche schwierigen Situationen zu meistern. Derzeit könne die Lage nur bewältigt werden, weil die Kliniken untereinander Personal austauschten. «Die Kliniken machen heute alles, was für die Versorgung der Erkrankten notwendig ist - ohne Rücksicht darauf, ob sie ihre Leistungen am Ende von den Krankenkassen auch vergütet bekommen», sagte Baum.
Aigner verteidigt Krisenmanagement der Behörden
Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) verteidigte indes das Vorgehen der Behörden bei der Bewältigung der Ehec-Erkrankungen gegen Kritik aus der Opposition. «Das Krisenmanagement funktioniert – die Behörden konzentrieren alle ihre Kräfte auf die Bekämpfung dieser Epidemie», sagte Aigner der «Saarbrücker Zeitung. Jetzt sei auch nicht die Zeit für Föderalismusdebatten.
Aigner sagte, tausende Landwirte und Betriebe seien von dramatischen Umsatzeinbrüchen betroffen. Sie hätten hochwertige Produkte hergestellt und verantwortungsvoll gewirtschaftet. Beim Sondertreffen der EU-Agrarminister am (heutigen) Dienstag in Luxemburg werde es daher auch um Hilfen gehen. »Diese Betriebe brauchen jetzt unsere Unterstützung«, sagte Aigner.
Die EU will die von der Ehec-Krise betroffenen Obst- und Gemüseproduzenten finanziell unter die Arme greifen. Agrarkommissar Dacian Ciolos wollte nach Angaben von Kommissionssprecher Roger Waite auf dem Sondertreffen konkrete Vorschläge machen.
Zusammenlegung von Bundesinstituten
Der Vorsitzende des Verbraucher-Ausschusses des Bundestages, Hans-Michael Goldmann (FDP), hat sich für eine Zusammenlegung der drei mit der Ehec-Krise befassten Bundesinstitute ausgesprochen. Das Robert-Koch-Institut, das Bundesinstitut für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sowie das Bundesinstitut für Risikobewertung müssten ihre Arbeit in einer einzigen Institution bündeln, die «die Gesundheit der Menschen in besonderer Weise im Blick« habe, sagte Goldmann dem SWR. In der aktuellen Gefahrensituation um den Darmkeim sei »diese Art von Föderalismus nicht mehr zeitgemäss«.
Nordrhein-Westfalens Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) hält dagegen eine Bündelung der Kompetenzen auf Bundesebene nicht für sinnvoll. »Ich wüsste nicht, wie aus Berlin die konkrete Probennahme in Betrieben organisiert werden sollte«, sagte er im ARD-»Morgenmagazin«. Die Lebensmittelkontrollen seien von den Kommunen gut koordiniert, die Abstimmung mit den Landesbehörden eng und gut organisiert.
Mobile Taskforce für Ehec gefordert
Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach, kritisierte die Informationspolitik des Bundesgesundheitsministeriums. Bundesminister Daniel Bahr (FDP) hätte für eine offensive Aufklärung und mehr Druck sorgen müssen, sagte Lauterbach der «Passauer Neuen Presse».
«Die Koordination der Untersuchungen und die Aufklärung der Bevölkerung waren suboptimal», urteilte Lauterbach. Er forderte eine mobile Taskforce für Ehec und andere Epidemien unter Zuständigkeit des Bundesgesundheitsministers.
Kein Befund bei Sprossen-Packung
Die am Montag in Hamburg abgegebene Sprossen-Packung aus dem verdächtigten Gartenbaubetrieb in Bienenbüttel enthält keine Ehec-Erreger. Das habe die Untersuchung durch das Institut für Hygiene und Umwelt ergeben, sagte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Dienstag in der Hansestadt.
Ein an Ehec erkrankter Hamburger hatte die Packung mit Ablaufdatum 23. April in seinem Kühlschrank gefunden und am Montagmorgen im Bezirksamt Eimsbüttel abgegeben. Die 100-Gramm-Packung der Mischung «Milde Sprossen» stammte aus dem Gartenbaubetrieb in Bienenbüttel. Durch die Kontrolle der Lieferwege waren die niedersächsischen Behörden am Wochenende auf die Spur der Sprossen als möglichem Ehec-Verursacher in der Gärtnerei im Landkreis Uelzen gekommen.
Wieder gesund
Der 42-Jährige war Anfang Mai an dem gefährlichen Ehec-Erreger erkrankt und in einem Krankenhaus in Lüneburg behandelt worden. Inzwischen ist er wieder gesund.
Auch darüber hinaus gibt es in Hamburg bislang keinen Nachweis des Ehec-Erregers auf Sprossen. Das Institut für Hygiene und Umwelt hatte in den vergangenen Wochen acht Sprossen-Proben untersucht, davon fünf aus dem in Verdacht stehenden Betrieb im niedersächsischen Bienenbüttel, wie ein Sprecher der Gesundheitsbehörde bereits in Hamburg mitgeteilt hatte. Alle acht Proben seien Ehec-frei gewesen. (bru/dapd)
Erstellt: 07.06.2011, 12:28 Uhr
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4 Kommentare
immer noch wird im dunklen gefischt-
es war nicht das Restaurant, und auch nicht die Sprossen- ein anderer Produzent ruiniert-.
Wann lernt man endlich den Mund zu halten bis man einen Beweis hat? 8 Proben untersucht und alle sauber.
Morgen ist es vielleicht Obst, Täfeli, Eier, Fleisch, Spaghetti- nur so weiter- dann leben wir von was?
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