Wirtschaft

Spitze – beim Geldverdienen

Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 07.04.2010 20 Kommentare

Die Führung des Rückversicherers sticht jene der Münchener Rück vor allem in einem Punkt aus: bei der Entschädigung. Vergleicht man die Aktienkursentwicklung, haben Swiss-Re-Aktionäre nichts zu lachen.

Konkurrenten, unterschiedlich erfolgreich: Hans-Jürgen Schinzler, Präsident der Münchener Rück (links) und Swiss-Re-Präsident Walter Kielholz.

Konkurrenten, unterschiedlich erfolgreich: Hans-Jürgen Schinzler, Präsident der Münchener Rück (links) und Swiss-Re-Präsident Walter Kielholz.
Bild: Keystone

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Dreht man das Jahr zwölf Monate zurück, muss man der Swiss-Re-Leitung ein Kränzchen winden. Am 6. April 2009 lag der Aktienkurs bei Fr. 21.16. Gestern Abend schloss der Swiss-Re-Titel bei Fr. 53.60 – ein Wertzuwachs innerhalb eines Jahres von über 150 Prozent. Oder nimmt man den 8. Februar dieses Jahres, zeigt sich ebenfalls ein rosiges Bild. Damals lag der Kurs bei Fr. 42.19 gegenüber den Fr. 53.60 von gestern Abend.

Die Bilder sind trügerisch. Zieht man nur schon statt des 8. Februar den 11. Januar als Vergleich heran, ergibt sich eine andere Wertentwicklung. Damals lag die Aktie bei Fr. 53.70, also – wenn auch nur unwesentlich – über dem Schlusskurs von gestern.

Die beiden Schönwetter-Vergleiche hinken aber vor allem deshalb, weil die wenigsten Anleger ihre Aktien an einem dieser Daten gekauft haben. Die meisten haben ihre Swiss-Re-Papiere vor zwei, drei, fünf oder mehr Jahren erworben. In dem Fall sieht ihre Bilanz düster aus. Im Juli 1998 lag der Kurs über 200 Franken. Bis ins Jahr 2002 bewegte sich die Aktie meistens über 160 Franken. Und bis vor der Finanzkrise fast immer über 80 Franken. Wer in all den Jahren Geld in den Schweizer Rückversicherer investiert hat, kann beim Anblick des aktuellen Kurses nicht wirklich glücklich werden.

Neue Regeln nach der Krise

Im Entschädigungsbericht der Swiss Re (SREN 54.95 0.27%) wird mehrfach betont, dass die Vergütungen der Führungspersonen mit den Interessen der Aktionäre gekoppelt würden. Beispielsweise steht zu lesen: «Die Honorarstruktur für den Präsidenten und den Vizepräsidenten des Verwaltungsrats wurde verändert, indem ein neuer Leistungsaktienplan mit auf Aktionärsinteressen ausgerichteten Leistungskriterien eingeführt wurde.»

Dieser neue Leistungsaktienplan wurde erst nach der Krise eingeführt – im Tiefpunkt gewissermassen, zu einem Zeitpunkt also, von dem an es fast nur noch aufwärtsgehen kann. Falsch liegt deshalb, wer glaubt, dass die Verknüpfung von Aktionärs- und Managementinteressen im Fall der Swiss Re bedeutet, dass sich die Vergütungen über viele Jahre parallel zum Aktienkurs bewegen.

Die Konzernleitung des Rückversicherers liess sich für das Geschäftsjahr 2009 52,7 Millionen Franken vergüten, der Verwaltungsrat 10,9 Millionen. Wie viel Geld das ist, lässt sich etwa anhand eines Vergleichs mit der Münchener Rück feststellen – einer Gesellschaft, die gemessen am Prämienvolumen oder der Zahl der Mitarbeitenden wesentlich grösser ist.

Fast dreimal mehr

Statt mit 52,7 Millionen Franken wurde die Konzernleitung in München mit umgerechnet 25,5 Millionen Franken abgegolten – das bei einer neunköpfigen Führungsetage. Die Spitze der Swiss Re zählt nur sieben Köpfe. Pro Kopf verdiente damit ein Münchner Manager 2,8 Millionen Franken, ein Zürcher mit 7,5 Millionen fast dreimal mehr. In dieses Bild passt, dass Stefan Lippe, Konzernchef der Swiss Re, mit 12,6 Millionen entschädigt wurde. Nikolaus von Bomhard musst sich mit 4,9 Millionen Franken begnügen.

Drastischer präsentiert sich der Vergleich beim Aufsichtsgremium. Der Verwaltungsrat der Swiss Re sprach sich insgesamt 10,9 Millionen Franken zu. Der deutsche Aufsichtsrat verteilte fünfmal weniger: 2,1 Millionen. Im deutschen Gremium sitzen 20 Personen, im schweizerischen 9.

Kielholz ist Spitze

Um noch eine Stufe extremer zeigt sich der Vergleich der Präsidenten-Honorare. Während sich Swiss-Re-Präsident Walter Kielholz mit 3,8 Millionen Franken entschädigen liess, verdiente sein Pendant bei der Münchener Rück, HansJürgen Schinzler, mit rund 380 000 Franken zehnmal weniger. Tatsächlich erhielt Kielholz für das vergangene Geschäftsjahr sogar 5,2 Millionen zugesprochen. Da er nachträglich für das verlustreiche Jahr 2008 auf die Hälfte seiner Entschädigung verzichtet hatte, wies die Swiss Re für 2009 eine um diesen Betrag gekürzte Abgeltung aus.

Ein Blick auf den Verlauf der Aktienkurse der beiden Gesellschaften (siehe Grafik) zeigt, dass die Münchener Rück im Vergleich zur Swiss Re markant besser abschneidet – das mit einer Unternehmensleitung, die zu wesentlich tieferen Bezügen zu arbeiten gewillt ist.

Es kann auch null sein

Bei der Swiss Re verweist man darauf, dass die Leistungskomponente beim Präsidenten dann null betragen könne, wenn sich der Versicherer im unteren Bereich einer Gruppe von Referenzunternehmen wiederfinde. «Dies beinhaltet somit ein bedeutendes Element der Ungewissheit in Bezug auf die zukünftig auszurichtende Vergütung.»

Zum Vergleich mit der Münchener schreibt die Swiss Re: «Es ist uns nicht möglich, den Entschädigungsbericht eines direkten Mitbewerbers zu kommentieren, da dieser den Regeln eines anderen Landes und einer anderen Börse unterliegt, in einer anderen Währung ausgewiesen ist und diesem ein anderes langfristiges Anreizsystem zugrunde liegt.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.04.2010, 08:39 Uhr

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20 Kommentare

nicolas meier

07.04.2010, 07:56 Uhr
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Danke, liebe Redaktion! Ein sehr guter vergleich! An den Löhnen der - notabene in der Finanzkrise viel solideren - Münchner Rück wird sich wohl kaum jemand stören. Besser kann man nicht illustrieren, was für Selbstbedienungsläden die Schweizer Multis (Banken, Versicherer, Pharma, Nestle, ABB etc.) sind. Antworten


Daniel Rauch

07.04.2010, 08:27 Uhr
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Super Artikel! Ich denke hier kann man wirklich ein Direktvergleich tätigen und sieht wie die Aktionäre abgezockt werden. Wir lustig an der GV wenn der Herr Kiehlholz sein Lohn versucht dem Herr Buffet zu erklären. Den seit der Finanzkriese gehören beide Firmen praktisch ihm. Ist doch lustig, wenn du zwei Firmen im Portfolio hast und beide im gleichen Segment tätig sind und die eine mehr kostet Antworten



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