Wirtschaft

Staatsanwaltschaft belastet Fastweb-Gründer schwer

Von René Lenzin, Rom. Aktualisiert am 26.02.2010

Silvio Scaglia müsse vom Millionenbetrug gewusst haben, sagt die Justiz. Er habe Fastweb verkauft, um den Ermittlungen zu entgehen.

Im Visier der Justiz: Fastweb-Gründer Silvio Scaglia.

Im Visier der Justiz: Fastweb-Gründer Silvio Scaglia.
Bild: Keystone

«Magier» hat man ihn genannt, den heute 51-jährigen italienischen Ingenieur Silvio Scaglia. Er war einer der wenigen Gewinner des New-Economy-Hypes um die Jahrtausendwende – und das erst noch in einem Land, das sich in den neuen Technologien nicht sonderlich hervorgetan hat. Sein Vermögen wird auf über eine Milliarde Euro geschätzt, und die Basis legte er mit dem Verkauf seiner Fastweb an die Swisscom.

Für die Römer Ermittlungsbehörden, die den mutmasslichen Betrugs- und Geldwäschereiskandal rund um Fastweb und die Telecom-Tochter Sparkle untersuchen, ist Scaglia jedoch kein Zauberer, sondern einer der Haupttäter. Als eigentlicher «Deus ex machina» habe Scaglia bei Fastweb jederzeit alles im Griff gehabt, zitiert die Wirtschaftszeitung «Il Sole 24 Ore» aus dem 1600-seitigen Bericht des Römer Untersuchungsrichters Aldo Morgigni. Und weiter: «Es kann daher ausgeschlossen werden, dass die beschriebenen Vergehen realisiert wurden, ohne dass Scaglia im Detail darüber im Bild war.»

Happiger Verdacht

Noch happiger ist der Verdacht, Scaglia habe Fastweb verkauft, um der damals bereits laufenden Untersuchung wegen Betrugs zu entgehen. Der Verkauf an Swisscom, schreibt Morgigni, sei «verdächtig bezüglich Modalität und Zeitpunkt». Nicht nur habe Scaglia sofort ein erstes Aktienpaket an die Unicredit Merchant Bank abgestossen, als die Untersuchungen bekannt geworden seien. Er habe kurz darauf auch den Verkauf an die Swisscom angekündigt, obwohl Fastweb-Chef Stefano Parisi Verkaufsabsichten kurz zuvor noch verneint habe. Für Morgigni ist der Verkauf daher Teil von Scaglias «Verdunkelungsstrategie».

Träfe der Verdacht des Untersuchungsrichters zu, hätte Scaglia letztlich die Swisscom missbraucht, um sich selber zu schützen. «Von diesen Spekulationen haben wir auch gehört», sagt Swisscom-Sprecher Carsten Roeth dazu. «Derartige Behauptungen kommentieren wir selbstverständlich nicht.» Scaglia selbst streitet jegliche Verwicklung in die mutmasslichen Betrugs- und Geldwäschereidelikte ab. Er hat angekündigt, möglichst bald von einer Geschäftsreise in Lateinamerika nach Italien zurückzukehren und das Gespräch mit den Ermittlungsbehörden zu suchen.

300 Millionen beschlagnahmt

Die beiden Breitbandspezialisten Fastweb und Sparkle sollen Teil einer internationalen kriminellen Organisation sein, die Millionengewinne mit fiktiven Rechnungen im Umfang von zwei Milliarden Euro erzielt haben soll. Die italienische Justiz hat bei der Telecom Italia, der Muttergesellschaft von Sparkle, vorsorglich 300 Millionen Euro beschlagnahmt. Aufgrund der laufenden Ermittlungen hat Telecom die für gestern vorgesehene Verabschiedung der Jahresrechnung 2009 im Verwaltungsrat um einen Monat vertagt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.02.2010, 04:00 Uhr

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