Wirtschaft

Stehplatzpläne von Ryanair gestoppt

Aktualisiert am 13.04.2010

Der Chef des irischen Billigfliegers, Michael O'Leary, überrascht immer wieder mit unkonventionellen Ideen. Jetzt geht er für die Behörden zu weit.

«Wir sind keinen Schritt weitergekommen»: Michael O'Leary.

«Wir sind keinen Schritt weitergekommen»: Michael O'Leary.
Bild: Keystone

Nur noch eine Toilette und Stehplätze an Bord - diese radikalen Sparpläne darf der Billigflieger Ryanair (RYA 4.112 1.06%) nicht in die Tat umsetzen. Ryanair-Chef Michael O'Leary räumte am Dienstag in Brüssel ein, dass die Behörden das Vorhaben aus Sicherheitsgründen ablehnen. «Wir denken darüber nach, aber wir bekommen nicht viel Unterstützung von den Aufsichtsbehörden», sagte der Chef der irischen Fluggesellschaft, der mit ungewöhnlichen Sparideen immer wieder für Aufsehen gesorgt hatte. «Wir sind keinen Schritt weitergekommen.»

Nach O'Learys Worten verweigern der amerikanische Hersteller Boeing, der die Ryanair-Flotte baut und die Kabinen künftig entsprechend umbauen müsste, ebenso wie die US-Aufsichtsbehörde Federal Aviation Authority (FAA) ihre Zustimmung. Beide müssten grünes Licht geben.

Ryanair wollte statt drei nur noch ein einziges WC in seine Maschinen einbauen. So hätte eine weitere Sitzreihe im Flugzeug Platz und die Fluggesellschaft könnte mehr verdienen. «Die Behörden argumentieren damit, dass im Notfall die Evakuierung des Flugzeugs länger dauern würde», sagte O'Leary und betonte, dass er anderer Auffassung sei. «Wir glauben, es wird kürzer dauern, weil der Flaschenhals hinten im Flugzeug die beiden Toiletten sind.»

Ausserdem sei es bequemer für die Passagiere, die am Gang sitzen, wenn nicht ständig jemand aufstehe, um zur Toilette zu gehen. Stattdessen sollten die Fluggäste animiert werden, die Toiletten am Boden zu benutzen. Ein Ryanair-Flug dauere im Durchschnitt ohnehin nur eineinhalb Stunden. Die Airline fliegt nur innerhalb Europas.

Wohl keine Stehplätze

Auch Stehplätze wird es wohl nicht geben: Boeing und die FAA sind laut O'Leary strikt dagegen. Ryanair hatte vor, seinen Passagieren künftig ein Ticket ohne Sitzplatz verkaufen. «Warum kann man in einem Flugzeug nicht stehen, wenn man in einem Zug in der Londoner U-Bahn stehen kann?», fragte O'Leary.

Alle Pläne beziehen sich allerdings auf die entfernte Zukunft: Nach früheren Angaben der Airline sind die Bestellungen neuer Maschinen bis zum Jahr 2012 abgeschlossen. An der Toilettengebühr hält Ryanair zunächst aber fest. Die Airline will einen Münzschlitz an den WC-Türen anbringen und pro Toilettenbesuch ein Pfund (zirka 1,60 Franken) oder einen Euro verlangen. (vin/sda)

Erstellt: 13.04.2010, 18:57 Uhr

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