Wirtschaft
Steht die Glühbirne kurz vor dem Comeback?
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Die EU-Kommission müsse das Glühbirnenverbot «unverzüglich» ausser Kraft setzen, forderte der Vorsitzende des deutschen Industrieausschusses, Herbert Reul (CDU), in der «Welt». Die Kommission müsse auch überprüfen, ob die als Alternative zur Glühbirne vorgesehene Energiesparlampe angesichts der nachgewiesenen Gesundheitsgefahren überhaupt noch vertrieben werden dürfe.
Der FDP-Abgeordnete Holger Krahmer kritisierte am Mittwoch, das giftige Quecksilber in Energiesparlampen sei beim Verbot der Glühbirne nicht beachtet worden. Seine Fraktionskollegin Silvana Koch-Mehrin sprach sich für eine Aussetzung des Glühbirnen-Verbots aus.
Richtwert wird um das Zwanzigfache überschritten
Das deutsche Umweltbundesamt (UBA) hatte Anfang Dezember vor Gesundheitsgefahren durch das Quecksilber in Energiesparlampen gewarnt. Geht eine Energiesparlampe zu Bruch, kann demnach eine Quecksilberkonzentration im Raum freigesetzt werden, die den Richtwert von 0,35 Mikrogramm pro Kubikmeter um das Zwanzigfache überschreitet.
Die Studie beruht allerdings nur auf Stichproben mit zwei zerbrochenen Birnen. Diese wurden überdies mehrere Stunden lang in einem geschlossenen Raum belassen. Das UBA riet Verbrauchern zu Energiesparlampen, die etwa durch eine Kunststoffummantelung vor dem Zerbrechen gesichert sind.
Das deutsche Umweltministerium relativiert
Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums relativierte die Ergebnisse der Studie. «Es ist nicht so, dass sich das Umweltbundesamt gegen diese Lampen ausgesprochen hat», betonte er. Aus Sicht seines Ministeriums seien Energiesparlampen «kein grosses Problem». Zudem gelange bei der Stromerzeugung in Kohlekraftwerken mehr Quecksilber in die Umwelt als durch die Lampen. Im Übrigen gebe es energiesparende Alternativen wie Halogenlampen und so genannte LED-Birnen, die kein Quecksilber enthalten.
Der CDU-Umweltexperte im Europaparlament, Peter Liese, verteidigte den Einsatz energiesparender Lampen, räumte aber Probleme bei der Entsorgung ein. Diese müsse «bürgerfreundlicher» gestaltet werden. Der Umweltausschuss prüfe derzeit entsprechende Vorschläge.
Versäumnisse der Industrie
Sein Fraktionskollege Karl-Heinz Florenz warf der Industrie Versäumnisse vor. Vor allem die grossen Hersteller Osram und Philips (PHG 14.31 0.07%) hätten sich jahrelang gegen das Verbot gestellt, anstatt rechtzeitig attraktive Alternativen zu entwickeln. Solange eine herkömmliche Glühbirne nur fünf Prozent der Energie in Licht umwandele und den Rest als Wärme verpuffen lasse, gebe es keine Alternative zu dem Verbot.
Herkömmliche Glühbirnen mit 100 Watt dürfen in der EU seit September 2009 nicht mehr verkauft werden, ein Jahr später trat das Verbot für 75-Watt-Birnen in Kraft. Ab September kommenden Jahres dürfen auch die am meisten verbreiteten 60-Watt-Birnen nicht mehr neu in Verkehr gebracht werden. (pbe/AFP)
Erstellt: 22.12.2010, 16:14 Uhr
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