Steuervorwürfe gegen Glencore

Der Rohstoffgigant soll in Australien jahrelang keine Steuern bezahlt haben – trotz Milliardenerträgen.

Das Steueramt deckte mehrere Fälle «pseudo-legaler» Steuerverminderung auf: Kohlenverlad am Hafen von Newcastle, Australien.

Das Steueramt deckte mehrere Fälle «pseudo-legaler» Steuerverminderung auf: Kohlenverlad am Hafen von Newcastle, Australien. Bild: Daniel Munoz/Reuters

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15 Milliarden australische Dollar soll Glencore in den letzten drei Jahren mit Kohle in Australien eingenommen haben – rund 13 Milliarden Franken. Trotzdem hat der Konzern vor Ort keine Steuern gezahlt. Das berichtet der Medienkonzern Fairfax mit Verweis auf einen mit der Firma vertrauten «Experten in multinationaler Finanzierung». Den ­Namen des Fachmanns wollte Fairfax nicht nennen. Es soll sich um eine «frühere internationale Führungskraft» handeln.

Konkret soll Glencore – der grösste Förderer von Kohle in Australien – seine Steuerpflicht mit teuren und unnötigen Darlehen umgangen haben. Glencore soll 3,4 Milliarden australische Dollar bei Partnerfirmen im Ausland aufgenommen haben – zu einem Zins von bis zu 9 Prozent. Dies sei «doppelt so viel, wie wenn Glencore das Geld bei einer Bank geholt hätte», schreibt Fairfax. Die Zinszahlungen seien anschliessend in der Steuererklärung als Abzüge verbucht worden. Gleichzeitig habe der Konzern zinsfreie Darlehen zugunsten «verbundener Parteien» ausgegeben. Nutzniesser dieser Praxis seien möglicherweise auch Führungskräfte von Glencore gewesen.

«Absurde» Behauptung

Die Quelle scheint direkten Zugang zu den Büchern des Rohstoffhändlers zu haben. Sie berichtet etwa von einem deutlichen Anstieg der Verkäufe von Kohle an Firmen, die mit dem Konzern verbunden seien. Gründe dafür habe Glencore nicht angegeben. Dies sei ein Indiz für Gewinnverschiebung – eine Praxis, die in Konflikt mit australischem Steuerrecht steht. Danach sind Konstrukte verboten, die technisch legal sind, in erster Linie aber zum Ziel haben, die Bezahlung von Steuern zu vermeiden. Das australische Steueramt hat bereits mehrere Fälle «pseudo-legaler» Steuerverminderung erfolgreich geahndet.

Glencore bezeichnete den Vorwurf, seit drei Jahren keine Steuern bezahlt zu haben, als «absurd». Man befolge «alle Steuervorschriften in Australien und in jedem Rechtssystem, in dem wir tätig sind», so ein Sprecher. Die Firma habe in den letzten Jahren mehr als 8 Milliarden australische Dollar in Form von Steuern und Lizenzabgaben abgeführt. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 27.06.2014, 23:33 Uhr)

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