Wirtschaft

Stresstest-Woche für Europas Banken

Aktualisiert am 19.07.2010 3 Kommentare

Mit Stresstests wollen die europäischen Bankenaufseher den Finanzinstituten auf den Zahn fühlen und ermitteln, wie krisenfest sie wirklich sind. Die Banken befürchten jedoch einen Imageverlust.

Hält die Aussagekraft der Tests für begrenzt: Bankenexperte Hans-Peter Burghof.

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Seit Wochen beschäftigt die Märkte ein Thema: Die Tests zur Krisentauglichkeit europäischer Banken. Diese sollen offenbaren, wer widerstandsfähig genug ist und wer neues Kapital braucht. Unter Banken ist die Veröffentlichung der Stresstestdaten umstritten. Nach Ansicht vieler Experten gibt es aber kaum Alternativen, um Risiken aufzudecken und die Öffentlichkeit zu beruhigen.

Am nächsten Freitag will der Ausschuss der europäischen Bankaufsichtsbehörden (CEBS) die Ergebnisse der jüngsten Tests veröffentlichen. Untersucht wurden 91 europäische Institute.

Spanische Sparkassen gefährdet

Gefährdet sind nach Meinung von Analysten unter anderem spanische Sparkassen. Aber auch deutsche Landesbanken, die bislang ohne Staatsgeld durch die Krise gekommen sind, gelten als Wackelkandidaten. Ihre Kapitaldecke ist dünner als die der Institute, die mit staatlicher Hilfe aufgepäppelt wurden.

Eines ist sicher: Wer durchfällt, kommt nicht um eine Kapitalerhöhung herum. Auf EU-Ebene soll in letzter Konsequenz der Notfallfonds für wackelnde Eurostaaten helfen. So wird der Stresstest für Banken auch zur Belastungsprobe für Märkte und Regierungen.

Die Untersuchung prüft die Widerstandskraft der Banken, sollte die Konjunktur deutlich schlechter ausfallen als erwartet. Ausserdem wird die Auswirkung auf Staatsanleihen überprüft, wenn sich Marktverhältnisse ähnlich verschlechtern wie im Mai, als hoch verschuldete Eurostaaten wie Griechenland die Märkte erschütterten.

EU will Zweifel ausräumen

Der deutsche Bankenexperte Hans-Peter Burghof hält die Aussagekraft der Tests für begrenzt. Ihre Erfinder könnten das Szenario sehr wohl so gestalten, dass ein bestimmtes Ergebnis herauskomme. «Der Test sagt nur aus, wie eine Bank in einer speziellen Situation dastünde.» Burghof betont dennoch, es gebe zur Veröffentlichung kaum Alternativen: «Vergangenheitsbezogene Untersuchungen wie Value-at-Risk haben in der Finanzkrise versagt.»

Der Politik geht es vor allem um eines: «Die Zweifel über die Gesundheit europäischer Banken müssen zerstreut werden, deshalb sind die Stresstests so wichtig», warb EU-Währungskommissar Olli Rehn. Auch der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, pries die Stresstests als Mittel für ein etwas besseres Funktionieren der Märkte.

US-Banken mussten rekapitalisieren

In den USA nahm die Regierung letztes Jahr den Kapitalbedarf der 19 grössten amerikanischen Geldinstitute unter die Lupe. Zehn Institute mussten danach auf Anordnung von Finanzministerium und Notenbank ihre Kapitaldecke stärken.

Auch die Europäische Union testete im vergangenen Herbst die Krisensicherheit von 22 führenden europäischen Banken, die Ergebnisse für die einzelnen Institute wurden jedoch geheim gehalten. «Der Schluss ist, dass unsere Banken ausreichend kapitalisiert sind», hiess es lediglich. (mt/sda)

Erstellt: 19.07.2010, 08:08 Uhr

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3 Kommentare

ruth leemann

19.07.2010, 10:58 Uhr
Melden

Der Stresstest ist nur ein Mittel zum Zweck - es werden dadurch nur noch mehr Bank-Daten in Umlauf gebracht / geklaut, um die Banken zu schwächen. Antworten


Nadine Binsberger

19.07.2010, 13:18 Uhr
Melden

Die Banken sind zwar systemrelevant. Aber die wichtige Frage lautet: ist dieses System für die Gesellschaft relevant? Wir müssen uns nicht alles gefallen lassen, nur um vermeintlich noch viel schlimmeres zu vermeiden. Es gibt unzählige Wirtschaftsalternativen, die die realen Bedürfnisse der Menschen ins Zentrum stellen, anstatt virtuelle Werte wie Zinsen und Renditen ohne Eigenleistung. Antworten



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