Swatch kauft «Juwelier der Stars» für eine Milliarde

Grosser Zukauf im Luxussegment: Der weltgrösste Uhrenhersteller übernimmt die US-Schmuck- und Uhrenkette Harry Winston vollständig. Das verbessert auch den Zugang zum Diamantenmarkt.

Auch Königin Elizabeth II. und Madonna gehören zu den Kundinnen: Ein Model präsentiert Harry-Winston-Schmuck von 1968, den Sotheby's 2009 in Genf versteigerte. (6. Mai 2009)

Auch Königin Elizabeth II. und Madonna gehören zu den Kundinnen: Ein Model präsentiert Harry-Winston-Schmuck von 1968, den Sotheby's 2009 in Genf versteigerte. (6. Mai 2009) Bild: Keystone

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Swatch kauft Harry Winston. Wie die Bieler Uhrenfirma mitteilt, kostet der Zukauf 750 Millionen Dollar in bar. Zusätzlich übernimmt Swatch Schulden von maximal 250 Millionen Dollar. Swatch zeigte sich überzeugt, dass Harry Winston das Prestigesegement der Gruppe bestens ergänzt. Die Transaktion muss noch von den Wettbewerbsbehörden genehmigt werden.

Harry Winston beschäftigt weltweit 535 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und betreibt auch eine Produktionsstätte für Uhren in Genf. Swatch übernimmt alle Aktivitäten im Zusammenhang mit Schmuck und Uhren. Von der Transaktion nicht betroffen sind die Aktivitäten der Diamantenförder-Gesellschaft Harry Winston Diamond Corporation in Toronto (Kanada). Diese firmiert neu als Dominion Diamond Corporation.

Der Edeljuwelier ist in der ganzen Welt vertreten. Zur Kundschaft gehören die britische Königin Elizabeth II. sowie Madonna, Gwyneth Paltrow und Scarlett Johansson.

Hayek: Umsatzpotential von mehr als 1 Milliarde Franken

Robert A. Gannicott, der Verwaltungsratspräsident und Konzernchef von Harry Winston, liess sich im Communiqué zitieren, die Marke habe nun ein neues Zuhause. Swatch verfüge über die nötige Fachkompetenz, um das Potenzial des Unternehmens auszuschöpfen. Swatch-Verwaltungsratspräsidentin Nayla Hayek erklärte, Harry Winston passe bestens zum Uhrenkonzern. «Diamonds are a girl's best friend», zitierte sie Marilyn Monroe.

Swatch erwartet dieses Jahr eine deutliche Umsatzsteigerung. «Wenn die Uhren so dynamisch wachsen wie 2012, liegen neun Milliarden 2013 in Reichweite», sagte Konzernchef Nick Hayek zur Nachrichtenagenrtur Reuters. Harry Winston habe ein Umsatzpotenzial von mehr als 1 Milliarden Franken in vier bis fünf Jahren, sagte Hayek. Der Reingewinn der neuen Tochterfirma könnte dann 250 Millionen Franken erreichen. Mit der Übernahme erhalte Swatch eine transparente Bezugsquelle für Diamanten, sagte Hayek.

Wichtiger Schritt im Schmuckmarkt

Die Übernahme sei für Swatch ein wichtiger Schritt im margenstarken Hochpreis- und Schmucksegment und verschaffe langfristig möglicherweise Zugang zum Diamanten-Markt, erklärte Kepler-Analyst Jon Cox gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Daran sei das Unternehmen seit längerem interessiert.

Mit einer Nettoliquidität von geschätzt über 2 Milliarden Fr. könne Swatch den Kaufpreis problemlos finanzieren, sagte ZKB-Analyst Patrick Schwendimann der Finanznachrichtenagentur AWP. Angesichts der tiefen Zinsen, die derzeit für Barmittel erhältlich sind, könnte sich die Transaktion unmittelbar ertragssteigernd auswirken, erklärte Sarasin-Experte Patrick Hasenböhler.

Swatch erklimmt Allzeithoch

Swatch erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr einen Rekordumsatz von über 8 Milliarden Franken. An der Börse stieg die Inhaberaktie bis 11.20 Uhr um 4,4 Prozent und erklomm damit ein neues Allzeithoch. Der Leitindex (SMI) legte um 0,5 Prozent zu.

Nach einer eingestellten Zusammenarbeit liegen die Bieler mit dem US-Juwelier Tiffany im Streit. Swatch wirft den Juwelieren vor, die Entwicklung des Geschäfts mit Tiffany-Uhren systematisch blockiert und verzögert zu haben. Die Bieler verlangen darum in einer Schadensersatzforderung 3,8 Milliarden Franken. Tiffany konterte mit einer Gegenklage und will 541,9 Millionen Franken.

Swatch ist im Luxusbereich vor allem mit den Uhrenmarken Breguet, Blancpain und Jaquet Droz bekannt. Bisher übernahmen die Schweizer vor allem kleinere Hersteller von Uhrenkomponenten. Der letzte grössere Zukauf einer ganzen Marke – Calvin Klein – liegt mehr als zehn Jahre zurück.

Mehr Verkaufsstellen bis Ende Jahr

Harry Winston wurde gemäss Angaben auf seiner Internetseite 1932 in New York gegründet. Die Firma gilt als Juwelier der Stars und ist «unbestritten der exklusivste und prestigeträchtigste Schmuckhändler», heisst es im Communiqué. Das Luxussegment von Harry Winston erwirtschaftete 2011 einen Umsatz von 411,9 Millionen Dollar und einen operativen Gewinn von 19,4 Millionen.

In den ersten neun Monaten des Fiskaljahres 2012/13 (per Ende Oktober) belief sich der Umsatz auf 314,5 Millionen und der operative Gewinn auf 20,5 Millionen Dollar. Bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres soll die Zahl der Verkaufsstellen um 15 auf 216 ausgeweitet werden.

In dem nicht von der Transaktion betroffenen Minensegment wurden bis Ende Oktober 235,3 Millionen Dollar umgesetzt und der operative Gewinn wird mit 37,3 Millionen beziffert.

Einst Besitzer des «Hope«-Diamanten

1949 erwarb die Firma den «Hope«-Diamanten, ein blaues Juwel mit 45,52 Karat. Der in den 1600-er Jahren in Indien gefundene Stein gehörte einst den französische König Ludwig XIV. und Marie Antoinette.

1958 schenkte die Firma das Kleinod der Smithsonian Institution in Washington, wo es jährlich von 7 Millionen Menschen besichtigt wird. Seit 2010 steckt der Diamant in einer von Harry Winston neu gefertigten Fassung. (rub/sda)

(Erstellt: 14.01.2013, 09:50 Uhr)

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