Wirtschaft

Swatch klagt gegen die UBS

Von Erich Solenthaler und Bruno Schletti. Aktualisiert am 02.09.2010 40 Kommentare

Der Uhrenkonzern fuhr mit Geldanlagen Millionenverluste ein. Dafür macht Swatch die UBS verantwortlich – die Grossbank scheint gewillt, den Streit vor Gericht auszufechten. Ähnliche Klagen sind auch gegen die CS hängig.

«In ihrer Werbung behauptet die UBS, eine klare Linie gezogen zu haben. Davon merken wir, was unseren Fall betrifft, aber gar nichts»: Swatch-Chef Nick Hayek.

«In ihrer Werbung behauptet die UBS, eine klare Linie gezogen zu haben. Davon merken wir, was unseren Fall betrifft, aber gar nichts»: Swatch-Chef Nick Hayek.
Bild: Keystone

Boten offenbar alles andere als sicheren Gewinn: Die beiden Grossbanken UBS und CS am Zürcher Paradeplatz.

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Swatch verklagt die UBS (UBSN 11.24 2.09%) wegen Millionenverlusten, die sie mit Absolute-Return-Produkten erleiden musste. Die Uhrengruppe hat offenbar in Absolute-Return-Anlagen bei der UBS investiert. Das sind Produkte, mit denen die Bank das Ziel verfolgt, in jeder Marktsituation eine positive Rendite zu erwirtschaften. Weil aber in der Finanzkrise viele dieser Produkte ebendieses Ziel verfehlten, kam es auf der Seite der Anleger zu entsprechenden Verlusten. Da der Uhrenkonzern die Grossbank auf 30 Millionen Franken betrieben hat, ist davon auszugehen, dass diese Summe der Höhe des Verlustes entspricht.

Der erste Kläger ist Nick Hayek nicht: Mindestens zwei private Anleger belangen Credit Suisse wegen falscher Beratung und ungenügender Aufklärung über die Risiken dieses Fondstyps. Die Verfahren befinden sich noch in einem frühen Stadium. UBS und Credit Suisse bleiben unnachgiebig und gestehen keine Fehler ein.

Der Ärger von Nick Hayek über die UBS scheint sehr gross zu sein. In Anspielung auf die neue Imagekampagne der Bank sagt er: «In ihrer Werbung behauptet die UBS, eine klare Linie gezogen zu haben. Davon merken wir, was unseren Fall betrifft, aber gar nichts.»

3 Milliarden verloren

Trotz allem hat die totgesagte Gattung überlebt. Heute sind 226 Fonds dieses Typs zum Vertrieb zugelassen. Aber nur 13 von ihnen haben in den letzten 3 Jahren eine positive Performance. Die wenigen bewährten Produkte wie der Julius Bär Absolute Return und das Pendant von Swisscanto verzeichnen einen erheblichen Mittelzufluss. Sie setzen diversifizierte Strategien ein und legen grossen Wert auf Risikomanagement. Die Fonds werden im Gegensatz zu früher vor allem von institutionellen Investoren erworben, die sie – gut dosiert – als Alternative zu Geldmarktfonds einsetzen.

Für die privaten Kunden kam der Schock im Oktober 2008, als viele Absolute-Return-Fonds von UBS und Credit Suisse liquidiert werden mussten, weil sie die Anteilscheine nicht mehr ordnungsgemäss auszahlen konnten. Aber schon Monate zuvor, seit dem Ausbruch der Immobilienkrise im Sommer 2007, hatten diese Fonds Punkt um Punkt verloren. Allein der Credit Suisse Target Return büsste in dieser Zeit über 30 Prozent ein; zu seinen besten Zeiten waren in den verschiedenen Gefässen mehr als 7 Milliarden Franken angelegt.

Bescheidener Beginn

Insgesamt dürften Anleger allein mit den öffentlich registrierten Fonds mindestens 3 Milliarden Franken verloren haben, wie eine Schätzung des TA im Frühling 2009 ergab.

Dabei hatte es bescheiden begonnen: Absolute-Return-Fonds waren ursprünglich eine Depotbeimischung und eine Art aufgemöbelte Geldmarktfonds. Sie verzichten auf grosse Renditen, wollen dafür das Risiko beschränken und die Einbussen gering halten. Mit diesem Versprechen zogen die Fonds Gelder konservativer Anleger an, besonders auch von Selbstständigerwerbenden, die keine Pensionskasse haben.

Doch es kam in vielen Fällen anders: Der TA berichtete über eine UBS-Kundin, die sich im Ruhestand befand und deren Vermögen zu drei Vierteln in Absolute-Return-Produkten angelegt war – auf Empfehlung ihres Anlageberaters. Neben der missratenen Performance wurde auch der Grundsatz der Diversifikation missachtet.

Techniken wie Hedgefonds

Die Banken hatten mit den in Europa jungen Produkten vor der Krise kaum Erfahrung sammeln können. Im Jahre 2007 waren erst 47 von 111 Produkten älter als drei Jahre. Zum Publikumsrenner wurde die Gattung in der Schweiz erst, als mit dem neuen Anlagefondsgesetz die Gruppe der «Fonds mit besonderen Risiken» abgeschafft wurde. Mit diesem stigmatisierenden Label war Absolute Return schwierig zu vermarkten gewesen – danach standen den Kundenberatern Tür und Tor offen.

Aber riskante Anlagen waren diese Fonds immer noch, denn trotz ihrer eigentlich konservativen Idee setzen sie Anlagetechniken wie Leerverkäufe von Wertpapieren und Zinsinstrumente mit negativen Laufzeiten ein – alles Techniken, die unter Hedgefonds verbreitet sind, die dann aber grosse Verluste zeitigen, wenn die Märkte in die falsche Richtung laufen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.09.2010, 23:29 Uhr

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40 Kommentare

Erich Deiss

02.09.2010, 08:40 Uhr
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Als nächstes werden wir die Banken einklagen, wenn die Aktien nicht steigen. Antworten


Ernst Strickler

02.09.2010, 10:53 Uhr
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Wen auf dem Banken-Prospekt steht „100% (Kapitalschutz)“, heisst das Pokerspielen? Dank den Banken-Hoffierer werden rückwirkend (!) Gesetze geändert und 4500 USA-Kunden verpfiffen, was wurde denen versprochen? Davon weiss aber der Chefjurist nichts (mehr)? Da sponsert man F1Herrensöhnchen, die im Kreis herumfahren und ungeniert nach Stallorder Gewinnen wie`s lustig ist. Ich halte Hayek die Daumen! Antworten



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